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Eurokrise : Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich und Spanien

Schlange stehen: Arbeitslose warten vor einem Jobcenter in Malaga. Bild: REUTERS

Die EU-Schwergewichte Spanien und Frankreich müssen neue Höchststände bei den Arbeitslosenzahlen vermelden. Zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens ist die Arbeitslosigkeit über die Sechs-Millionen-Grenze gestiegen. In Frankreich wurde der bisherige Negativ-Rekord von Januar 1997 übertroffen.

          Frankreich hatte noch nie so viele Arbeitslose wie im vergangenen Monat. Die französische Regierung berichtete am Donnerstagabend, dass die Zahl der Arbeitslosen mit 3,22 Millionen den bisherigen Rekord von Januar 1997 überschritten hat. Im März 2013 sind 36900 oder 1,2 Prozent neue Arbeitslose  hinzugekommen. Gegenüber März des vergangenen Jahres beträgt der Anstieg 11,5 Prozent, bei den Älteren über 50 Jahre sogar 17 Prozent. Seit dem Antritt von Präsident François Hollande vor knapp einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit um rund 300.000 Personen gestiegen. Rechnet man die Arbeitssuchenden hinzu, die eine geringfügige Arbeit haben, hat die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich nun sogar die 5-Millionen-Grenze überschritten. Auch die Langzeit-Arbeitslosigkeit ist stark gestiegen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Arbeitslosenquote, die nur alle drei Monate bekannt gegeben wird, betrug zuletzt 10,2 Prozent. Beim Rekord von 1997 lag die Quote noch bei 10,8 Prozent, doch damals umfasste die aktive Bevölkerung noch knapp 3 Millionen Menschen weniger. „In den nächsten sechs Monaten wird die Arbeitslosigkeit von Rekord zu Rekord eilen“, sagte Yannick L’Horty, Professor an der Universität Paris-Est, in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin „Expansion“. Denn die Konjunktur lahme, und die von der französischen Regierung vorgesehenen Gegenmaßnahmen greifen bisher kaum. So ist bisher nur ein Fünftel der vorgesehenen öffentlichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bei staatlichen Unternehmen und bei Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen worden.  „Das braucht seine Zeit. Wahrscheinlich sollte man prüfen, ob man die Stellen auch bei privaten Unternehmen einrichtet“, meinte L’Horty. Nach einer Studie des französischen Sachverständigenrates Conseil d’analyse économique sind zudem die französischen Lohnsteigerungen eine Hauptursache für die hohe Arbeitslosigkeit, weil sie das Produktivitätswachstum seit 2008 deutlich übersteigen. Die französischen Löhne stiegen seit 2008 im Privatsektor real durchschnittlich um 0,8 Prozent im Jahr, während sie in den Niederlanden, Italien, Spanien und Großbritannien fielen. Nur in Deutschland nahmen sie ebenfalls zu. Aus Gründen des sozialen Friedens und des Erhalts von Arbeitsanreizen wollten die französischen Unternehmen die Löhne nicht senken, schreiben die Autoren der Studie. Auch die automatische, weil an die Inflation gekoppelte Anhebung des staatlichen Mindestlohnes habe die Löhne in die Höhe getrieben. Die jungen Leute hindere der Mindestlohn oft auch am Berufseinstieg. Das Institut des Politiques Publiques verweist zudem auf die lange Bezugsdauer von Arbeitslosenhilfe in Frankreich. Diese würde den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt verzögern.

          In Spanien mehr als 6 Millionen Arbeitlose

          Unterdessen hat die Arbeitslosigkeit auch in Spanien einen neuen Rekord erreicht. Zum ersten Mal in der Geschichte des Landes überschritt sie die Sechs-Millionen-Grenze. Wie das Nationale Statistikinstitut (INE) am Donnerstag mitteilte, sind nunmehr 6,2 Millionen Spanier im erwerbstätigen Alter ohne regelmäßige Beschäftigung. Das entspricht einem Anteil von 27,2 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres stieg die Arbeitslosigkeit um nahezu 240 000 Personen. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres, als die konservative Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy im Februar 2012 eine umfassende Reform des Arbeitsmarktes beschloss, beträgt die Zunahme sogar mehr als eine halbe Million. Die Anzahl der Familien, in den gegenwärtig kein einziges Mitglied eine reguläre Stelle hat, stieg ebenfalls um mehr als 72 000 auf 1,9 Millionen Haushalte. Während im ersten Quartal knapp 80 000 neue Stellen geschaffen wurden, gingen zugleich 320 000 Arbeitsplätze verloren. Die meisten davon betrafen die Privatwirtschaft mit 250 000. Durch die Sparmaßnahmen der Regierungen reduzierten sich jedoch auch die Stellen im öffentlichen Dienst um mehr als 70 000. Das Baugewerbe war bemerkenswerter Weise der einzige Sektor in dem die Arbeitslosigkeit um rund 11 000 Personen sank. In der Industrie, der Landwirtschaft und trotz der österlichen Reisesaison auch im Dienstleistungsgewerbe gab es hingegen abermals Anstiege. In den fünf Jahren seit dem Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008, der mit dem Platzen der Immobilienblase zusammenfiel, wurden in Spanien vier Millionen Menschen arbeitslos, der größte Teil davon aus dem Baugewerbe.

          Quelle: FAZ.net/Reuters/DPA-AFX

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