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Eurokrise Bei Merkozys unterm Sofa

 ·  Nicolas Sarkozy drängt, doch Angela Merkel gibt nicht nach. Und doch ist es wie bei einer guten Ehe. Sie funktioniert, und keiner weiß, warum.

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Ein deutsches Wort versteht Nicolas Sarkozy inzwischen ohne Übersetzer: „Nein“. In den vergangenen Wochen hat er es wieder oft gehört aus dem Mund der Bundeskanzlerin. Denn Angela Merkel wehrt sich bisher standhaft gegen seine Forderung, die Europäische Zentralbank direkt in die Euro-Rettung einzubinden.

Es ist ein Muster, das dem Paar an der Spitze Europas wohlvertraut ist: Er drängt, doch sie will nicht. Sie weiß, dass seine Liebesschwüre nur eine Masche sind. „Je t’aime“, flüstert er wie im Lied Serge Gainsbourgs. „Moi non plus“, gibt sie zurück: „Ich dich auch nicht.“

Besonders heftig hatte Sarkozy es am Abend der feierlichen Verabschiedung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet getrieben, jenem Abend, den er nicht im Kreißsaal bei seiner Frau, sondern mit der Kanzlerin in Frankfurt verbrachte. Eigentlich hatte Sarkozy die Einladung zur Verabschiedung seines Landsmannes ausgeschlagen. Während also in Frankfurt am Nachmittag des 19. Oktober die Herren in dunklen Anzügen, die Damen in eleganter Abendgarderobe im Großen Saal der ehrwürdigen Alten Oper Platz nahmen, begleitete Sarkozy in Paris seine hochschwangere Frau in die Entbindungsklinik La Muette.

Sarkozys Sinn für Dramatik

Der Präsident trug selbst das dunkle Lederköfferchen, in dem sich feinste Babywäsche vermuten ließ, und reichte seiner Gattin galant den Arm. In Frankfurt lobten derweil Europas Würdenträger die Verdienste des scheidenden EZB-Präsidenten. Eine Rede folgte der anderen, zuletzt sprach Trichet selbst.

Doch dann kam Sarkozy. Die Bundeskanzlerin, die kurz vor ihrem Abflug aus Berlin noch über dessen Blitzauftritt informiert worden war, war wenig erfreut, statt dem Festkonzert mit Claudio Abbado dem französischen Präsidenten zuzuhören. Es wurde eine Zusammenkunft ganz nach Sarkozys Sinn für Dramatik: ein improvisiertes Treffen im linken Seitenflügel der Alten Oper, Europa am Abgrund, das französische Triple A in Gefahr und zu Hause die Frau in den Wehen, kurz: der geeignete Rahmen, um mit radikalen Forderungen aufzutreten.

Die EZB, verlangte Sarkozy, müsse endlich erklären, dass sie unbegrenzt Staatsanleihen in Bedrängnis geratener Staaten kaufe. Die Kanzlerin glaubte ihrem Dolmetscher kaum: Da kam Sarkozy mit einem Vorstoß, den sie schon längst verworfen hatte. Zwischen Trichet und Sarkozy wurde es laut. Irgendwann vibrierte in der Anzugstasche des Präsidenten ein Mobiltelefon: „Chers amis“, wandte er sich an die Runde, „ich bin Vater einer Tochter geworden!“ Die Kanzlerin gratulierte - und blieb unbeeindruckt. Die „Frankfurter Runde“, die soeben ihre Geburtsstunde erlebt hatte, löste sich auf, ohne dass sie dem Drängen Sarkozys nachgegeben hätte.

Eigentlich hätte der Franzose wissen müssen, dass er mit solcher Überrumpelung nicht landen kann. Seit mehr als vier Jahren sind die kühle norddeutsche Protestantin mit dem Ideal der schwäbischen Hausfrau und der sprunghafte, heißblütige Franzose nun schon das unwahrscheinliche Paar an der Spitze Europas.

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