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Eurobonds Wir Deutsche sollen noch mehr zahlen

Eurobonds hören sich unschuldig an, kosten aber viel Geld: 17 Milliarden Euro mehr muss Deutschland zahlen, sollten Anleihen in Europa künftig alle gleich verzinst werden. Kein Wunder, dass die Kanzlerin sich dagegen wehrt.

© APN Vergrößern Der Euro-Rettungsschirm soll Notleidenden helfen - aber wie weit wird er aufgespannt?

Die Einführung von Euro-Bonds wird für Deutschland teuer werden. Auf den Staat kommt eine jährliche Mehrbelastung des Bundeshaushalts von mindestens 17 Milliarden Euro zu. Diese Berechnung hat natürlich nicht der Luxemburger Jean-Claude Juncker aufgestellt, als er Deutschland vorwarf, „ein bisschen simpel zu denken“, weil sich die Bundesregierung weigert, in der Währungsunion von allen Mitgliedsländern garantierte Euro–Anleihen einzuführen. Aber mit dieser Rechnung im Gepäck reist Bundeskanzlerin Angela Merkel in der kommenden Woche zum Brüsseler Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU.

Holger Steltzner Folgen:    

Frau Merkel wird den Frontalangriff des Chefs der Euro-Gruppe und Luxemburgs Premierminister mit Fakten kontern: Derzeit werden Bundesanleihen und andere Wertpapiere des Bundes in einem Volumen von 1,05 Billionen Euro im Sekundärmarkt bewegt. Die durchschnittliche Rendite der aktiv gehandelten Zinspapiere des Bundes beträgt 1,73 Prozent. Im niedrigen Zins drückt sich das Vertrauen der Investoren in den Bund als bestem Schuldner der EU aus. Eine solche Wertschätzung der Kapitalmärkte genießen ebenfalls die Niederlande und Frankreich. Wacklige Schuldner mit schlechtem Ruf wie Griechenland oder Irland müssen hingegen um acht oder fünf Prozentpunkte höhere Zinsen bezahlen.

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Aus der Mischung von bester Bonität und fragwürdigem Ruf ergibt sich eine Durchschnittsverzinsung von 3,31 Prozent für alle in der Eurozone umlaufenden Staatspapiere. Das Volumen aller im Markt aktiv gehandelten Euro-Wertpapiere der Mitglieder der Währungsunion beträgt 4,8 Billionen Euro. Juncker und die von eigenen Interessen geleiteten Banken verweisen auf den Vorteil eines großen, liquiden Euro-Anleihemarkts, wenn sie ihre vage Hoffnung auf niedrigere Durchschnittszinsen zu begründen suchen. Doch nicht die Größe macht den Zins, sondern die Qualität des Schuldners ist für jeden Gläubiger Maßstab für das Risiko und die Rendite. Warum sonst sind am beschaulichen Schweizer Kapitalmarkt die Zinsen merklich niedriger als im Euroraum?

Juncker attackiert Bundesregierung © dpa Vergrößern Uneins in Sachen Eurobonds: Angela Merkel und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker

So wie man einen guten Wein nicht verbessert, indem man Wasser hinein kippt, sowenig wird man das Zinsniveau für Bundesanleihen senken, wenn man mit Euro-Bonds aus nationalen Schulden Gemeinschaftsschulden macht. Deshalb rechnet Merkel wie folgt: Wenn der Bund künftig nur noch zum Eurodurchschnitt verzinste Kredite aufnehmen kann, führt das zu einer Mehrbelastung des Bundeshaushalts von jährlich mehr als 17 Milliarden Euro. Hiervon würde etwa die Hälfte bereits vor Ende des Jahres 2013 anfallen, weil Bundeswertpapiere in diesem Umfang eine Laufzeit von drei Jahren oder weniger haben. Bezahlen müssten für den höheren Einheitszins nicht nur der Bund und damit die Steuerzahler, sondern auch Immobilienkäufer oder Unternehmen mit höheren Kreditzinsen für Hypotheken oder Investitionen.

Euro-Bonds belohnen unsolide Länder

Wegen der Höhe der deutschen Staatsschulden wird aus einem optisch kleinen prozentualen Zinsaufschlag für Deutschland von 1,58 Prozentpunkten ein riesiger Betrag. Die mehr als 17 Milliarden Euro müsste der Bund wegen der Schuldenbremse im Grundgesetz entweder jedes Jahr woanders einsparen oder aber die Steuern dauerhaft kräftig erhöhen. Um wie viel Geld es geht, zeigt ein Vergleich: Alle Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) erhalten zusammen 20 Milliarden Euro im Jahr.

Hinzu kommt: Nach dem Juncker-Modell sollen anfänglich nur 40 Prozent der Staatskredite über Gemeinschaftsanleihen aufgenommen werden. Für den Rest ist Nachrangigkeit vorgesehen, also dürften sich die Konditionen für die Rest-Schulden weiter verschlechtern, die Belastungen für den Bund also noch größer ausfallen. Dieser Effekt dürfte bei schwächeren Schuldnern wie Italien stärker ins Gewicht fallen. Ob das der italienische Schatzmeister berechnet hat?

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Veröffentlicht: 12.12.2010, 10:21 Uhr