Home
http://www.faz.net/-gqu-74bs6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Euro-Krise Reform-Aufschub für Griechenland

Griechenland soll zwei Jahre mehr Zeit bekommen für die Reformen und den Umbau seiner Wirtschaft. Jetzt beginnt der Streit darüber, wer das bezahlen soll. Doch bald muss eine Lösung her, denn die griechischen Banken wackeln.

© dpa Vergrößern Griechenland bekommt mehr Zeit - also mehr Geld.

Bis zum nächsten Treffen der Eurogruppe am kommenden Dienstag wollen sich die Euro-Staaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) darauf verständigen, wie die Finanzierungslücke von 32,6 Milliarden Euro im laufenden Hilfsprogramm für Athen geschlossen werden kann. Die Lücke entsteht, weil Griechenland nach dem Willen der internationalen Gläubiger zwei Jahre mehr Zeit erhalten soll, um seine Sparziele zu erreichen.

Werner Mussler Folgen:  

Bevor Einigkeit über die Schließung der Finanzierungslücke und die Wiederherstellung der griechischen Schuldentragfähigkeit besteht, kann die nächste Kredittranche von 31,5 Milliarden Euro nicht ausgezahlt werden. Ein Teil dieses Geldes wird rasch für die Kapitalisierung der griechischen Banken benötigt.

Eurogruppe will Athen zwei Jahr mehr Zeit geben

Mit der Schließung der Finanzierungslücke hängt zusammen, dass die griechische Staatsschuld wieder tragfähig werden muss, dass Athen also seine Schulden ohne abermalige Liquiditätsprobleme bedienen kann. Griechenland verfügt derzeit über Staatsschulden von etwa 340 Milliarden Euro. Es gilt als ausgeschlossen, dass Athen – wie im bisherigen Programm festgelegt – bis zum Jahr 2020 eine Schuldenquote von 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Für das laufende Jahr wird mit etwa 175 Prozent gerechnet.

Mehr zum Thema

Zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Eurogruppe gibt es Streit darüber, wie sich die Schuldentragfähigkeit wiederherstellen lässt. Die Eurogruppe favorisiert eine Verlängerung des Ziels bis 2022, der IWF lehnt das ab. Fest steht bereits, dass die Finanzierungslücke mit einer Kombination aus mehreren Maßnahmen geschlossen werden wird.

Schäuble lehnt Schuldenerlass öffentlicher Gläubiger ab

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schloss am Dienstag in Brüssel abermals einen Schuldenschnitt unter Beteiligung öffentlicher Gläubiger aus. Es werde nichts beschlossen, was sich „unmittelbar“ auf die öffentlichen Haushalte auswirke. Es könne allenfalls sein, dass es durch die Senkung von Zinsen oder eine Streckung von Zahlungszielen zu „Änderungen in den Einnahmen“ der Staatshaushalte komme.

In Londoner Bankenkreisen heißt es dagegen, in den längst laufenden Verhandlungen zur Schließung der Finanzierungslücke bestehe Einigkeit, dass die öffentlichen Gläubiger jedenfalls mittelfristig in eine Umschuldung einbezogen werden. Das sehe auch die Bundesregierung inoffiziell nicht anders.

Schuldenrückkaufprogramm und „Streckung von Zahlungszielen“

Schäuble bestätigte aber Überlegungen über ein Schuldenrückkaufprogramm. In der Londoner City wird bereits an einem solchen Programm gebastelt, mit dem die noch am Markt im Umlauf befindlichen Anleihen mit einer Prämie zurückgekauft werden. Dies hätte den Vorteil, dass die Schulden von Athen gesenkt würden und die restlichen Schulden vollends bei der öffentlichen Hand lägen und dann mit viel längerem Atem eine Umschuldung angegangen werden kann.

Mit Sicherheit werden die Geberländer die Zinsen auf ihre bilateralen Kredite im Rahmen des EFSF deutlich reduzieren oder aussetzen. Einen Schuldenverzicht auf die Kredite wird es zunächst nicht geben, um den Reformdruck auf Athen aufrecht zu erhalten. Schäuble sprach davon, dass es einen „verlässlichen Mechanismus“ geben müsse, der ausschließe, dass das griechische Anpassungsprogramm bald abermals aus der Spur gerate. Eine Streckung von Zahlungszielen wollte Schäuble nicht ausschließen. Allerdings könnte über eine Laufzeitenverlängerung verhandelt werden.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Geldpolitik Draghis neue Kreditkanone klemmt

Der Ansturm auf die Billigkredite der EZB fällt schwach aus. Deshalb könnte der Kauf von Staatsanleihen näher rücken. Und Jens Weidmann verliert kurzzeitig seine Stimme. Mehr Von Johannes Pennekamp

18.09.2014, 17:12 Uhr | Wirtschaft
Qatar vor Einstieg bei Deutschlands größter Bank

Das Geldinstitut machte deutlich durch eine Kapitalerhöhung, seine Kapitalpuffer aufbessern zu wollen. Die Herrscherfamilie von Qatar kauft für mehrere Milliarden Anteile des Kreditinstituts. Mehr

19.05.2014, 15:05 Uhr | Wirtschaft
Niedrigzinsen EZB-Politik kostet Deutsche 23 Milliarden 

Für die Deutschen fällt die Bilanz der dauerhaften Niedrigzinsen ernüchternd aus: Ihre Treue zu sicheren Geldanlagen kostet deutsche Anleger Milliarden. Dagegen entlastet die EZB-Politik die Südeuropäer kräftig. Mehr Von Daniel Mohr

23.09.2014, 18:31 Uhr | Finanzen
Griechenland macht Weg für Teilprivatisierung von staatlichem Stromkonzern frei

Das Parlament stimmte am Mittwoch trotz Protesten griechischer Gewerkschaften dem entsprechenden Reformplan zu. Die Privatisierung ist ein wichtiger Teil der Sanierungspläne des Haushalts der Regierung. Mehr

10.07.2014, 14:53 Uhr | Politik
Schuldenstreit Amerikanischer Richter will Argentinien bestrafen

Der Streit um Argentiniens Schulden spitzt sich weiter zu: Ein Gericht in New York hat entschieden, dass sich Argentinien seinen Anordnungen widersetzt habe. Argentinien will auch weiterhin nicht einlenken. Mehr

30.09.2014, 01:48 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.11.2012, 13:40 Uhr