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Euro-Krise Gläubiger der Banken zittern mit Portugal

 ·  Geraten jetzt europäische Großbanken ins Wanken? Die Sorge wegen der Portugal-Krise wächst jedenfalls. Am Montag stiegen die Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Banken auf einen Höchstwert. Die EZB ist alarmiert und kauft verstärkt portugiesische Anleihen.

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Die Zuspitzung der Staatsschuldenkrise verstärkt die Sorge, dass europäische Großbanken ins Wanken geraten können. Am Montag stiegen die Kosten für die Absicherung von Forderungen gegen Banken auf einen Höchstwert: Der Index Itraxx-Senior-Financial erreichte 208 Basispunkte. Das ist mehr als im Mai und Juni 2009, als der europäische Rettungsfonds beschlossen wurde und die Europäische Zentralbank (EZB) die Ankäufe von Staatsanleihen begonnen hat. Der Euro fiel auf ein Tagestief von weniger als 1,29 Dollar je Euro. Das ist der niedrigste Außenwert sei nahezu vier Monaten.

Die EZB scheint auch dieses Mal alarmiert zu sein. Sie habe ihre Käufe am Montag ausgeweitet und vor allem portugiesische Anleihen erworben, berichteten Frankfurter Händler. Portugal gilt als nächster Kandidat für Notkredite des Europäischen Stabilisierungsfonds EFSF. Die Rendite portugiesischer Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit sank am Montag unter die Marke von 7 Prozent. Vor dem Wochenende notierte die Rendite noch nahe des Rekordhochs von 7,3 Prozent.

Am Montag wirkten die Eingriffe

Portugal müsste im Vergleich zu deutschen Anleihen derzeit noch immer einen Aufschlag von 4 Prozentpunkten bieten, um Gläubiger zu finden. Wenn solche Größenordungen erreicht werden, fordert die Londoner Handelsplattform LCH-Clearnet, auf der besicherte Kreditgeschäfte zwischen Banken abgewickelt werden, zusätzliche Sicherheiten. Ein solcher Schritt habe vor einigen Wochen schon die irische Schuldenkrise beschleunigt, erläuterten Händler. Das erkläre, warum die EZB bei diesem Niveau regelmäßig ihre Käufe ausweite. Am Montag wirkten die Eingriffe: Nach einem schwachen Handelsbeginn stiegen die Anleihekurse der finanzschwachen Euro-Staaten. Für irische, portugiesische und griechische Anleihen verringerten sich die Risikoprämien um bis zu 0,3 Prozentpunkte. In der vergangenen Woche hatten die Notenbanken des Euro-Systems Anleihen im Wert von 113 Millionen Euro gekauft. Damit erhöht sich der Umfang des gesamten Kaufprogramms auf 74 Milliarden Euro.

Besonders groß war das Misstrauen der Anleger am Montag gegenüber spanischen Banken. Die Aktienkurse von BBVA und Santander sanken zeitweise um mehr als 2 Prozent. Kreditausfallversicherungen für die beiden Großbanken verteuerten sich und trieben die Risikoprämien auf rund 3 Prozentpunkte. Das bedeutet, dass die Absicherung einer Forderung über 1 Million Euro eine jährliche Prämie von 30 000 Euro kostet. Die spanische Kreditwirtschaft hat Forderungen von 75 Milliarden Euro gegenüber Portugal. Deutsche Banken kommen auf 34 Milliarden Euro und französische Institute auf 37 Milliarden Euro. Teurer wurde auch die Absicherung von Forderungen gegen die Commerzbank. Die CDS-Prämie stieg um 0,4 auf rund 2,7 Prozentpunkte. Das sind die höchsten Risikoprämien für europäische Großbanken.

Die nächste Nagelprobe in der Schuldenkrise steht am Mittwoch bevor, wenn Portugal neue Anleihen von bis zu 1,25 Milliarden Euro verkaufen will. Am Donnerstag folgen Spanien und Italien mit fünfjährigen Titeln. Spanien strebt ein Volumen von 3 Milliarden Euro an. Vor allem die Auktion portugiesischer Anleihen dürfte darüber entscheiden, ob das Land den Rettungsschirm von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds benötigt. So verweist Citigroup-Volkswirt Jürgen Michels auf die fünfjährige Rendite Portugals, die zuletzt mit 6,2 Prozent ein Niveau erreicht habe, das über den Konditionen des Rettungspakets liegen dürfte. Wenn Portugal am Mittwoch die Titel nur zu hohen Konditionen plaziert, kann die Finanzierung aus eigener Kraft das Land deutlich teurer zu stehen kommen als die Inanspruchnahme des Rettungspaketes. Dessen Umfang dürfte für Portugal zwischen 50 und 100 Milliarden Euro liegen.

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