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Euro in Not : Eine Krise mit Ansage

Bild: Alfons Holtgreve

Den Ökonomen wird vorgeworfen, dass sie viele Krisen, etwa die 2008 ausgebrochene Finanzkrise, nicht vorhergesagt haben. Für die Euro-Krise gilt das nicht.

          Als Otmar Issing zum Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) ernannt wurde, schrieb ihm sein Freund Milton Friedman einen ironischen Brief: "Herzlichen Glückwunsch zu einem unmöglichen Job." Der Chicagoer Ökonom und Nobelpreisträger, einer der einflussreichsten Geldtheoretiker des zwanzigsten Jahrhunderts, hielt es für unmöglich, eine gemeinsame Währung für ein so heterogenes Wirtschaftsgebiet wie Europa zu schaffen. Doch Issing machte das vermeintlich Unmögliche möglich. Ein Jahrzehnt schlug sich der Euro recht wacker. Die EZB hielt die Inflation niedrig, der Außenwert des Euro stieg gegenüber dem Dollar. Friedmans düstere Prognose "Der Euro hält keine zehn Jahre" schien widerlegt.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Heute aber sieht Issing sein Lebenswerk zusammenbrechen. Wenn die sogenannte "No-bail-out"-Klausel verletzt wird, die besagt, dass kein Land für die Schulden anderer Staaten haftet, "legt das die Axt an den stabilitätspolitischen Rahmen der Währungsunion", hat der heute pensionierte EZB-Chefvolkswirt eindringlich gewarnt. Dann gebe es "kein Halten mehr" für das Schuldenmachen auf Kosten anderer (Die Europäische Währungsunion am Scheideweg). Ist es nun so weit mit dem Griechen-"bail-out" und dem 750-Milliarden-Schutzschirm für alle Pleitekandidaten?

          Den Ökonomen wird vorgeworfen, dass sie viele Krisen, etwa die 2008 ausgebrochene Finanzkrise, nicht vorhergesagt haben. Für die Euro-Krise gilt das nicht. Während der neunziger Jahre haben vor allem deutsche, aber auch amerikanische Ökonomen vor gravierenden Konstruktionsfehlern der Währungsunion gewarnt. Im Juni 1992, wenige Monate nach den Maastrichter Beschlüssen, protestierten 60 angesehene Ökonomen, darunter der frühere Wirtschaftsminister Karl Schiller, mit dem Manifest "Die EG-Währungsunion führt zur Zerreißprobe". Es klingt prophetisch angesichts der aktuellen Spannungen (Professoren haben sehr früh gewarnt).

          Kein Trick zu billig

          Der erste und wichtigste Kritikpunkt lautete: "Eine funktionsfähige Wirtschafts- und Währungsunion erfordert als Vorbedingung eine dauerhafte - über mehrere Jahre hinweg nachgewiesene - Angleichung der relevanten Wirtschaftsstrukturen der Mitgliedsländer." Das war nicht der Fall. 1998 veröffentlichten 155 deutsche Wirtschaftsprofessoren, darunter Wim Köster, Manfred Neumann, Renate Ohr und Roland Vaubel, den Aufruf "Der Euro kommt zu früh". Die Politik ignorierte diese letzte Warnung. Sie wollte die Währungsunion möglichst schnell und möglichst groß beginnen.

          Um die Konvergenzkriterien punktgenau zu erfüllen, war einigen Ländern kein Trick zu billig. Von einer dauerhaften Konvergenz der Euro-Volkswirtschaften konnte keine Rede sein. Im Gegenteil: Seit der Euro-Einführung vergrößerte sich der Abstand in der Wettbewerbsfähigkeit zwischen den Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen (Deutschland, Österreich und Niederlande) und jenen wie Griechenland, Portugal und Spanien, die steigende Defizite aufwiesen, also zu wenig Exportkraft hatten, um ihren Import zu bezahlen.

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