http://www.faz.net/-gqe-79djo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 26.05.2013, 09:03 Uhr

Erfolgreiche Einwanderung Ein Spanier in Deutschland

Víctor Marí Cervera kam zum Kinderhüten nach Deutschland. Jetzt macht er Karriere in der Industrie. Beispiel für eine Erfolgsgeschichte.

von
© Schmitt, Felix Victor Mari Cervera kam als Au-pair nach Deutschland

Manche glückliche Entwicklung beginnt ziemlich alltäglich. Vor einem Jahr las Hariolf Kottmann, der deutsche Vorstandschef des Schweizer Chemiekonzerns Clariant (6 Milliarden Franken Umsatz, 21.000 Beschäftigte) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Víctor Marí Cervera - der ausgebildete Biochemiker aus dem spanischen Valencia fand trotz bester Noten keine Arbeit in seiner Heimat. Da probierte der junge Mann etwas Ungewöhnliches: Er bewarb sich als Au-pair bei einer deutsch-spanischen Familie in Frankfurt. Sein Ziel war es, schnell Deutsch zu lernen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Winand von Petersdorff-Campen Folgen:

Den Chemiemanager Kottmann rührte die Geschichte, und er stellte sich die Frage, ob er selbst den Mut zu einem solchen Schritt aufgebracht hätte. Er bat seinen Technologiechef Martin Vollmer, Marí zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen. Der junge Spanier bekam ein sechsmonatiges Praktikum in der Sparte Biotech & Renewables Center in München angeboten.

Doch plötzlich befiel den jungen Mann ein gewisses Fracksausen. Da half seine tatkräftige Au-Pair-Mutter Isabel Grasa Vilallonga, eine katalanische Powerfrau aus Frankfurt-Eschersheim. Sie pushte ihren Schützling damals, den großen Schritt doch zu wagen. Seit Mitte März hat Marí nun eine Festanstellung bei Clariant - als Forscher im Protein-Engineering. Die Arbeit sei nicht anders als in seinem alten Forschungslabor in Valencia, nur härter: Es würde mit deutlich mehr Proteinen experimentiert: „300 statt 3“.

Marí ist mit der Planung, Durchführung und Auswertung von wissenschaftlichen Experimenten zur Entwicklung von Bio-Katalysatoren betraut. Er verdient 3500 Euro brutto im Monat. Neulich hat ihn sein Chef aufgefordert, ein paar Tage freizunehmen und Überstunden abzubauen. Sonst wäre er ja schon im September mit seiner Jahresarbeitszeit durch.

Einen Freundeskreis hat er auch schon

Zu Weihnachten hat er das letzte Mal seine Heimat Valencia besucht. Er war der Einzige mit fester Anstellung. Ein paar seiner Freunde haben in Diskotheken und Bars gejobbt. Das empfand er als bedrückend. Doch von seinem Vorbild animiert sind sie nicht.

Andere spanische Jungakademiker sind aber längst auf die gleiche Idee gekommen. Bei den Online-Au-pair-Vermittlern wimmelt es von spanischen Akademikern. Marís Frankfurter Familie hat auch wieder jemanden gefunden: einen Chemie-Ingenieur. Der hatte in dieser Woche Vorstellungsgespräche in Köln. So entwickelt sich Isabel Grasa Vilallongas Familie langsam zum kleinen Sprungbrett für arbeitslose spanische Akademiker. Die Kinder müssen sich ein bisschen an die Wechsel gewöhnen.

Aber Marí hält den Kontakt, zweimal war er schon in Frankfurt seitdem er seine neue Stelle angetreten hat, jetzt folgt der Gegenbesuch in München. Der Spanier hat mitten in der bayrischen Hauptstadt ein Zimmer gefunden. Einen Freundeskreis hat er auch schon. Eine Familie hat ihn fürs Wochenende ins tiefste bayrische Schwaben eingeladen. Das war eine kommunikative Herausforderung, die Leute haben Dialekt gesprochen.

Marí will mehr als nur ein paar Jahre bleiben. Clariant ist sehr zufrieden mit dem jungen Mann, sagt Konzern-Chef Kottmann. Der Chemieriese bietet Perspektiven für Mitarbeiter, die des Spanischen mächtig sind. In Lateinamerika wächst das Geschäft besonders schnell.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zivilcourage Verfolgungsjagd mit Kehrmaschine

Der Frankfurter Straßenreiniger Nikola Marjanovic beobachtet, wie ein Dieb das Weite sucht. Dann nimmt er die Verfolgung auf und findet bald einen Verbündeten. Mehr Von Mechthild Harting, Frankfurt

29.07.2016, 08:09 Uhr | Rhein-Main
Ansbach Täter war polizeibekannt

Dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann zufolge war der 27-jährige Syrer, der sich am Sonntagabend in vor einem Konzertgelände in Ansbach in die Luft sprengte, bereits wegen anderer Vorfälle polizeibekannt gewesen. Sein Asylantrag sei vor einem Jahr abgelehnt worden. Er habe aber den Status der Duldung gehabt, sagte Hermann. Mehr

25.07.2016, 13:40 Uhr | Politik
Dunkle Inhalte Das Grauen studieren

Völkermord, schlimme Verbrechen und andere Abgründe: Wer sich damit beschäftigt, muss dunkle Momente aushalten und viele Fragen beantworten. Studentinnen berichten, was sie antreibt. Mehr Von Uwe Marx

25.07.2016, 05:54 Uhr | Beruf-Chance
Potsdam Lebenslange Haft für Silvio S.

Das Landgericht Potsdam hat am Dienstag Silvio S. wegen der Entführung und Ermordung der beiden Jungen Elias und Mohamed zu lebenslanger Haft verurteilt. Der vorsitzende Richter sagte in seiner Begründung, Silvio S. sei besonders grausam vorgegangen. Mehr

26.07.2016, 16:43 Uhr | Gesellschaft
Frauenleiche auf Mülldeponie Alles, was geht

Die Frankfurter Polizei hat aus 12.000 Tonnen Müll menschliche Überreste einer ermordeten jungen Frau geborgen. Nun ist das Urteil gegen den ehemaligen Freund gefallen. Mehr Von Raquel Erdtmann, Frankfurt

26.07.2016, 16:35 Uhr | Aktuell

Minister Gabriel beim Mauscheln

Von Rainer Hank

Edeka darf Kaiser’s Tengelmann nicht übernehmen. Obwohl der Wirtschaftsminister es erlaubt hat. Der hat recht – aber doofe Argumente. Ein Kommentar. Mehr 3 5

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden