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Börsenchaos Die Welt vor der Rezession

An den Börsen der Welt stürzen die Kurse ab. Die Schuldenberge der Staaten drücken auf die Wirtschaft. Jetzt beginnt das große Sparen.

© F.A.Z. Vergrößern

Die Weltwirtschaft steht auf der Kippe: So viel hat nach dem Börsenchaos der vergangenen Woche vermutlich jeder begriffen. Die Krisenwährung Gold stieg von Tag zu Tag höher und höher – in Gegenbewegung zu den Aktienkursen, die neun Tage lang nur einen Weg kannten: tiefer und tiefer, und zwar immer schneller. Allein in der vergangenen Woche ging an den Börsen der Welt ein Wert von 2,5 Billionen Dollar verloren: So viel, wie alle Franzosen zusammen im ganzen Jahr erwirtschaften. Mit einem Paukenschlag machte die Börse die Welt darauf aufmerksam, dass es in der Wirtschaft horrende Schwierigkeiten gibt. Und zwar nicht nur wegen Griechenland. Als am Freitagabend die New Yorker Börse geschlossen war, stufte die Ratingagentur Standard & Poor’s die Bonität Amerikas herab.

Dabei war die Welt monatelang so optimistisch gewesen. In den Firmen hatte es kaum Misstöne gegeben. Mitarbeiter mussten zu Sonderschichten kommen, die Fabriken arbeiteten am Rande dessen, was sie bewältigen konnten. Die Unternehmen verdienten gutes Geld, und die Mitarbeiter machten sich Hoffnungen auf dicke Lohnerhöhungen – alle sprachen von Wachstum. Doch vergangene Woche ist der Welt offenbar aufgefallen, dass sie nicht so weiterwachsen kann wie bisher. Dass sie dazu zu viele Schulden auf ihren Schultern trägt. Und plötzlich ging’s bergab. „Mir scheint, dass sich drei Elemente zu einem perfekten Sturm zusammengebraut haben“, sagt Thomas Mayer, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Interview: die europäische Schuldenkrise, die amerikanische Schuldenkrise und die Aussichten auf schwächeres Wachstum.

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Plötzlich ist die Verunsicherung groß: Taumelt Deutschland jetzt wieder in die Rezession? Stehen abermals Entlassungen und Kurzarbeit bevor? Kommt jetzt die Krise zurück? Tatsächlich war sie nie weg. Zumindest legen das die Lehren aus der Geschichte nahe, und die sind wichtig. Denn Finanzkrisen geschehen so selten, dass kaum ein aktiver Politiker oder Ökonom schon mal eine erlebt hat – aber in den vergangenen Jahrhunderten gab es in vielen Ländern der Welt schon einige. Die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben sie auf Gemeinsamkeiten untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen: Was in den früheren Finanzkrisen geschehen ist, entspricht erstaunlich genau den Ereignissen in der westlichen Wirtschaftswelt in den vergangenen drei Jahren. Ihre Lehren zeigen: nach einer Finanzkrise bleibt das Wachstum auf Jahre hinaus schwach und unsicher. In den Finanzkrisen nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte die Wirtschaft im Schnitt mehr als vier Jahre, um nur ihr Vorkrisen-Niveau zu erreichen.

Infografik / Die Anleger fliehen in sichere Geldanlagen 1 © F.A.Z. Vergrößern

Schulden verschwinden nicht einfach

Das liegt daran, dass die ungesunden Schulden nach einer Finanzkrise nicht einfach verschwinden. Sie wechseln nur den Besitzer. Oft übernehmen die Regierungen einen Teil der Schulden, und dann geben sie Geld für Konjunkturprogramme aus. „Nach Finanzkrisen erhöhen normalerweise die Regierungen ihre Schulden für Konjunkturprogramme. Das ist richtig, um eine schlimmere Krise zu verhindern“, sagt Charles Roxburgh, Ökonom in der Forschungsabteilung der Unternehmensberatung McKinsey. „Aber die Defizite müssen dann unter Kontrolle gebracht werden.“ Er hat mit seinen Kollegen untersucht, wie Volkswirtschaften ihre Schulden wieder abbauen. Und auch er hat ein charakteristisches Muster gefunden: Der Schuldenabbau beginne im Durchschnitt zwei Jahre nach der Krise.

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