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Veröffentlicht: 25.08.2012, 19:50 Uhr

Banken und Konzerne Die heimlichen Pläne für den Euro-Crash

Banken und Konzerne bereiten sich darauf vor, dass der Euro zerfallen könnte. Sie horten Bares, ändern Verträge und proben, wie man die „neue Drachme“ einführt.

von und
© Chris Madden

Es ist ein verzweifelter Besuch, den der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras dieser Tage der Kanzlerin und dem französischen Präsidenten abstattet. Er bittet für sein Land um mehr Geld und mehr Zeit. Doch er muss sich einiges anhören. Der Austritt Griechenlands aus dem Euro sei „für den Euro kein Problem“ - wie es Volker Kauder (CDU) formulierte. Der Notfallplan für den Austritt Griechenlands sei längst gemacht - wie es aus dem Finanzministerium an die Öffentlichkeit drang.

Georg Meck Folgen:

Der Ton wird härter gegenüber Griechenland, die Lage vertrackter. Schon glaubt eine Mehrheit der Deutschen, dass Griechenland bald nicht mehr zum Euro gehört.

Die Krisenteams haben Griechenland abgehakt

Was für den Normalbürger beängstigend klingt, das haben kleine Zirkel längst minutiös durchdacht. Die großen Banken und viele Unternehmen haben den Plan für den Austritt Griechenlands aus dem Euro größtenteils schon vor Monaten gemacht. Berater der Finanzberatung Capco etwa haben 300 Seiten starke Kompendien geschrieben, in denen jeder Schritt enthalten ist, den eine Bank gehen muss, wenn Tag X gekommen ist.

Infografik / Die Banken kriegen kalte Füße © F.A.Z. Bilderstrecke 

Jede Anlageklasse hat ihren eigenen bis zu 30 Seiten umfassenden Ablaufplan. Das sind keine theoretischen Spielereien. Capco-Partner Bernd Richter berichtet: „Für unsere Kunden haben wir genau getestet: Was muss ich am Computersystem verändern, damit der Trader in der Suchmaske auch die neue griechische Drachme finden kann? Und wie schnell kriege ich das hin?“ Sogar die Mails des Vorstandsvorsitzenden an die Mitarbeiter und an die Presse wurden schon in ihren wesentlichen Inhalten festgelegt.

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Nein, die Krisenteams, die in den großen Banken und Konzernen vor Monaten gebildet wurden, haben Griechenland längst abgehakt. Sie sind weiter. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Euro auch ganz schiefgehen könnte, steigt, seit auch Spanien unter den Rettungsschirm geflüchtet ist. Seitdem bereiten sich die Krisenteams auf ein viel beängstigenderes Szenario vor: auf das Auseinanderbrechen des Euro.

„Alle Pläne liegen fertig in den Schublade“

„Rund ein Drittel der Führungskräfte in deutschen Unternehmen hält es für wahrscheinlich, dass der Euro in einen Nord- und einen Süd-Euro zerfallen könnte“, berichtet Alexander Roos, der als Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Firmen zur Euro-Krise berät. Zwar glaubt eine Mehrheit immer noch, dass der Euro bleibt, aber man bereitet sich trotzdem auf den Ernstfall vor.

Die Banker sind besonders nervös. Die Anzeichen sind alarmierend: Außereuropäische Anleger ziehen sich zurück. Amerikanische Banken schotten sich gegenüber Europas Banken ab, berichtet Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank. Früher haben Euro-Banken Dollarkredite aufgenommen, jetzt ist das schwieriger.

Seit Monaten arbeiten deshalb Euro-Krisenteams, eingebunden sind alle relevanten Abteilungen: Risikomanager, Treasury, Kundenbetreuer, Kommunikation. Die Volkswirte arbeiten an ökonomischen Prognosen, die Praktiker am Handfesten: Muss die Bank am Tag X schließen und, wenn ja, wie lange? Wann stoppt man Überweisungen in ein Land, das die Eurozone verlässt? Was passiert mit den Geldautomaten? Was mit den Sparbüchern? „Alle Pläne liegen fertig in den Schublade“, sagt ein Banker. Bei fünf Prozent Wahrscheinlichkeit der Euro-Schmelze habe man angefangen, sich tiefere Gedanken zu machen, erzählt ein anderer Bank-Manager. Aktuell beziffert er das Risiko schon auf 15 bis 20 Prozent.

Tochterbanken werden vom Mutterkonzern abgetrennt

Offen darüber sprechen will allerdings keiner - weder in den Banken noch in den Versicherungen, die ebenfalls eifrig Szenarien durchspielen. Von der Arbeit der Krisenteams erfahren selbst die meisten Mitarbeitern nichts, geschweige denn die Öffentlichkeit. Zu groß ist die Sorge, damit Panik zu schüren und den Euro zu gefährden.

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