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Kurzfristige Einlagen : Banken schieben Schuld für Strafzinsen auf die EZB

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Hält die Leitzinsen auf Rekordtief: die Europäische Zentralbank Bild: dpa

Einige Banken verlangen von Firmen mittlerweile Strafzinsen, wenn sie Geld kurzfristig anlegen. Verantwortlich dafür machen sie die niedrigen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank.

          Die deutschen Banken rechtfertigen die negativen Einlagenzinsen, die sie von Firmenkunden verlangen, mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Der Dachverband der Banken und Sparkassen, die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), erklärte an diesem Freitag, dass vor allem am Geldmarkt aktive Institute wegen der EZB unter Druck stünden. Damit reagierte der Verband auf einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wonach Firmen und institutionelle Anleger wie Fonds für Gelder, die sie bei Banken parken, oftmals negative Zinsen zahlen müssen. Der Verband begründete den Ertragsdruck auch mit der in Deutschland schwachen Kreditnachfrage.

          Die negativen Einlagenzinsen werden nach Angaben aus Unternehmen verstärkt seit der jüngsten Leitzinssenkung der EZB Anfang September erhoben. Dabei senkte sie den Einlagenzins für Banken von minus 0,1 auf minus 0,2 Prozent. Seitdem müssen die Institute eine noch höhere Gebühr bezahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Mittel parken.

          In ihrer gemeinsamen Mitteilung erklärten Banken und Sparkassen, dass sie keine negativen Einlagenzinsen für Privatkunden erwarten: „Der intensive Wettbewerb der Kreditinstitute dürfte gegen Negativzinsen im Privatkundenbereich sprechen.“

          Nach Hornbach melden sich andere Firmen

          Nachdem am Donnerstag der Finanzvorstand der Baumarktkette Hornbach, Roland Pelka, von Strafzinsen der Banken für Anlagen bis zu drei Monaten berichtete, meldeten sich nun auch andere Unternehmen. Auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte ein Bosch-Sprecher: „Tatsächlich gibt es Banken, die eine negative Verzinsung anbieten, wenn ein Unternehmen Geld bei ihnen anlegen möchte.“

          Für den Stuttgarter Technologiekonzern sei dies aber kein Thema, weil die Gelder ausschließlich so angelegt werden, dass sie einen Zinsertrag erzielen. Bosch verfügt über liquide Mittel über 14 Milliarden Euro. Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro hat mit Banken teilweise vereinbart, dass der Zinssatz nicht unter die Nulllinie fällt. „Wir zahlen derzeit keine Negativzinsen, bewegen uns aber auf oder sehr nahe der null Prozent“, sagte ein Sprecher. „Wir wissen aber aus der Finanzszene, dass einige Banken dazu übergegangen sind, insbesondere für kurzfristige Einlagen negative Zinsen zu erheben.“

          „Das ist eine negative Folge der EZB-Niedrigzinspolitik“, sagte Josef Trischler, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Maschinenbauverbands VDMA. „Für uns ein Beleg, dass dieser Kurs nicht auf Dauer beibehalten werden kann. Zumal die Hoffnung auf eine wachsende Kreditvergabe in den südeuropäischen Ländern erkennbar nicht eingelöst wird.“

          Der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Alexander Schumann, warnte: „Der negative Einlagenzins birgt die Gefahr, nach hinten loszugehen. Die Kredite in den Ländern mit Finanzierungsengpass sprudeln nicht stärker, aber dem deutschen Mittelstand wird das Leben schwerer gemacht.“ Gerade angesichts der sich abkühlenden Konjunktur sei es „absolut kontraproduktiv, den Unternehmen die normalen Bankgeschäfte zu verteuern“.

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