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Veröffentlicht: 14.03.2013, 14:35 Uhr

„Alternative für Deutschland“ Was will der Anti-Euro-Professor?

Bernd Lucke ist das Gesicht der „Alternative für Deutschland“. Er bleibt stets höflich und verbindlich, ihm fehlt die für Politik wichtige Aggressivität. In den Bundestag wird es seine Partei schaffen, glaubt er.

© REUTERS War mehr als 30 Jahre in der CDU und versucht nun, mit einer eigenen Partei seine Ideen durchzusetzen: Bernd Lucke

Es läuft derzeit wie am Schnürchen für den Polit-Neuling Bernd Lucke. Seine Partei, die für eine Auflösung des Euro wirbt, ist erst gut eine Woche alt, doch sie kann sich vor Interessenten kaum retten. Das Telefon des Wirtschaftsprofessors und fünffachen Familienvaters klingelt pausenlos. Inländische und ausländische Medien bestürmen ihn. Die „Bild“-Zeitung fragte: „Müssen wir vor diesem Anti-Euro-Professor Angst haben?“

Philip Plickert Folgen:

Auch die etablierten Parteien scheinen ein bisschen nervös zu werden. Eigentlich wollte die CDU die neue Konkurrenz zunächst ignorieren. „Kein Kommentar“ hieß es noch vor einigen Tagen aus dem Adenauer-Haus. Jetzt ist sie aber unruhig, nachdem zum ersten öffentlichen Treffen der „Alternative für Deutschland“ mehr als 1200 Bürger in die Stadthalle Oberursel strömten. Die CDU fürchtet, dass ihr Wähler von der Stange gehen. Unions-Fraktionschef Volker Kauder, einer der einflussreichsten CDU-Politiker des Landes, fühlte sich zu einer Reaktion veranlasst. „Diese Gruppe ist die institutionalisierte Angst vor der Zukunft“, kritisierte er gegenüber „Spiegel Online“. „Wir müssen aber mutig sein und dieses Europa gestalten wollen, trotz aller Schwächen, die frühere Regelungen zum Euro ja zweifelsohne hatten.“ Deutschland brauche Europa.

„Wir thematisieren Sorgen der Bevölkerung“

Den Vorwurf, er schüre Angst, will Lucke nicht auf sich sitzen lassen. Der 50 Jahre alte Hamburger spricht ruhig, differenziert, er ist das glatte Gegenteil eines polternden Populisten oder Scharfmachers. „Kauder hat aber recht, dass wir Sorgen der Bevölkerung thematisieren. Durch die sogenannte Euro-Rettung drohen große Gefahren durch die Milliarden-Haftungsübernahmen, aber die Regierung bagatellisiert die Gefahren.“ Als Anti-Europäer sieht sich Lucke keineswegs, aber er kritisiert „überbordende Bürokratie“ und „Demokratiedefizite“ in der EU.

Schon vor zwei Jahren hat Lucke eine große Abstimmung von rund 200 Volkswirtschaftslehre-Professoren organisiert, deren 90-Prozent-Mehrheit die Euro-Rettungspolitik der Regierung kritisierte. Mit der „Euro-Rettung“ würden nicht die Krisenländer gerettet, denn diese stürzten immer tiefer in Rezession und Massenarbeitslosigkeit, sondern es werde das Geld der Banken, Hedgefonds und Gläubiger gesichert, die Staatsanleihen gekauft haben. In Zypern, fürchtet Lucke, würden jetzt sogar die Guthaben von Steuerflüchtlingen und der russischen Mafia mit europäischem Steuergeld gerettet: „In gewisser Weise pervers“ findet das Lucke.

„Jetzt geht es um Dauerrettung für Südeuropa“

Der Weg immer neuer und größerer Rettungsschirme sei falsch. „Vor drei Jahren, im Frühjahr 2010, sagte Finanzminister Schäuble noch, dass die Rettung die Steuerzahler überhaupt kein Geld kostet und dass die Rettungsprogramme nach drei Jahren auslaufen – jetzt geht es um Dauerrettung für Südeuropa“. Die Regierung sei immer tiefer in die Schuldenhaftung hineingeschlittert – „die Euro-Rettung ist ein Fiasko“, sagte Lucke vergangenes Jahr in einem Interview mit der F.A.Z. „Ich kritisiere die Regierung, weil sie keine Exit-Strategie hat“, moniert Lucke. Der Makroökonom, der in Bonn und Berkeley studiert und bislang vor allem über Konjunkturtheorien geforscht und die Weltbank beraten hat, macht einen eigenen Vorschlag zu Auflösung der Euro. „Ich rede nicht einem plötzlichen Austritt aus dem Euro das Wort, aber ich bin für einen gleitenden Ausstieg der schwachen Länder wie Griechenland durch die Einführung von Parallelwährungen.“ Mit solchen parallelen nationalen Währungen könnte zum Beispiel die Athener Regierung ihre Beamten bezahlen.

Guthaben auf Konten blieben aber in Euro denominiert. „Dadurch gibt es keinen Anreiz zu einem Bank-run und es gibt keine panikartigen Fluchtbewegungen“, meint Lucke. So könnten die Länder, die es in der Euro-Währungsgemeinschaft nicht schafften, weil sie nicht wettbewerbsfähig seien, schrittweise ausscheiden. Viele Ökonomen halten eine Auflösung des Euro dennoch für ein kaum mögliches Unterfangen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat im vergangenen Jahr gewarnt, als Folge eines unkontrollierten Auseinanderbrechens der Währungsunion drohe eine gewaltige Rezession, weil Investoren in Schockstarre verfallen.

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