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„Alternative für Deutschland“ Anti-Euro-Partei wächst rasant

7500 Mitglieder hat die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ inzwischen und ein großes Wählerpotential. Union und FDP sind besorgt. Vor dem AfD-Parteitag am Wochenende steigt die Spannung – aber auch die Nervosität, ob die Partei im großen Streit versinkt.

© Gyarmaty, Jens Bernd Lucke, Professor für Makroökonomie an der Universität in Hamburg, ist Mit-Gründer der AfD

Das Interesse an der neuen eurokritischen Partei „Alternative für Deutschland“ ist groß. Die junge Partei, die erst vor einem Monat an die Öffentlichkeit ging, hat nach eigenen Angaben schon mehr als 7500 Mitglieder – rund 2500 mehr als vor zwei Wochen. „Der Zustrom ist gewaltig“, sagt Parteigründer Bernd Lucke, Volkswirtschaftsprofessor in Hamburg. Der wohl prominenteste Unterstützer ist der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel, der aber parteilos bleiben will.

Philip Plickert Folgen:

Unter den neuen Mitgliedern sind auch einige Überwechsler aus anderen Parteien mit zumindest regionaler Prominenz. In Frankfurt etwa ist Horst Hemzal, der langjährige Kämmerer und frühere CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, nun Mitglied der AfD geworden. Er gibt Euro-Frust als Hauptgrund für seinen Wechsel an, „die permanenten Verstöße gegen den Maastricht-Vertrag bei der Eurorettung“. Die Euro-Rettung führe zu einer Spaltung des Kontinents. „Man kann Europa nicht mit der Brechstange einigen“, sagt Hemzal, der 2001 bis 2007 die Finanzen der Bankenmetropole managte. Auch Albrecht Glaser, Finanzdezernent bis 2001, ist aus der CDU ausgetreten und zur AfD gewechselt. Am Mittwoch kündigte der Fraktionschef der Freien Wähler im Römer an, dass er zur „Alternative für Deutschland“ übertritt. Seit dem überraschenden Rücktritt ihres Spitzenkandidaten Stephan Werhahn und dem Übertritt mehrerer Funktionäre sind die Freien Wähler empfindlich geschwächt. In Stuttgart war schon vor drei Wochen der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP im Regionalparlament zur „Alternative“ übergetreten.

600 Mitglieder von der CDU, 372 von der FDP

„Unsere Mitglieder sind überwiegend akademisch, stehen in der Mitte des Lebens oder darüber und sind überwiegend männlich“, erklärt Lucke. AfD-Sprecherin Dagmar Metzger hat die Angaben der Neumitglieder zu früheren Parteimitgliedschaften ausgewertet: „Genau 600 waren früher in der CDU, 372 in der FDP, 346 in der SPD, 130 in der CSU, 91 bei den Piraten und 67 bei den Grünen“, sagte Metzger, Inhaberin einer Marketingagentur in München, der F.A.Z.

Weit mehr als solche kleinen Verluste an der Basis hat die CDU/CSU- und die FDP-Führung eine Umfrage vom Wochenende aufgeschreckt. Wie das Institut Infratest dimap im Auftrag der Zeitung „Welt am Sonntag“ ermittelte, können sich 24 Prozent der Deutschen vorstellen, bei der Bundestagswahl die neue Partei zu wählen: 7 Prozent antworteten mit „Ja, sicher“ und 17 Prozent mit „Ja, vielleicht“ auf die entsprechende Frage. 59 Prozent schlossen aus, für die AfD zu stimmen. Überraschend war, dass offenbar überdurchschnittlich viele SPD- und Linken-, aber auch FDP-Anhänger mit eurokritischen Ideen flirten. Unter den CDU/CSU-Anhängern waren es 19 Prozent, die sich vorstellen konnten, eine eurokritische Partei zu wählen.

Zwar ist klar, dass solche Stimmungsbilder noch keine Stimmen bedeuten, doch das Potential für die neue Partei erscheint doch groß. Entsprechend reagierten die Parteispitzen mit Warnungen: „Wer zurück zur D-Mark will, riskiert Deutschlands Spitzenposition und eine Spaltung Europas“, sagte  CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Die Sorgen der Bürger dürften „nicht bewusst geschürt oder mit vermeintlich einfachen Lösungen falsch beantwortet werden“.

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