26.01.2007 · Wer hatte schon einmal eine slowenische Euro-Münze im Geldbeutel? Sie nicht? Das geht den meisten Deutschen so. Der Statistikprofessor Dietrich Stoyan untersucht, warum die Durchmischung des Bargeldes viel langsamer geht, als ursprünglich gedacht.
Von Dyrk ScherffWer kennt Primoz Trubar? Urlauber in Slowenien könnten ihn zumindest rasch im Geldbeutel finden. Denn der Vater des slowenischen Schrifttums aus dem 16. Jahrhundert ziert jede Ein-Euro-Münze, die das neue Euroland seit Jahresbeginn ausgibt.
In Deutschland wird die Münze wohl kaum zu sehen sein. Denn weil Slowenien so klein ist, werden weniger als zwei Prozent der Ein-Euro-Münzen im Euroraum eine slowenische Rückseite haben. „Und die wenigen Stücke, die hierzulande auftauchen, werden sich Sammler schnell in die Schatulle stecken und damit aus dem Verkehr ziehen“, erwartet Dietrich Stoyan, Professor für Statistik an der sächsischen TU Bergakademie Freiberg.
Nur ein Viertel der Münzen aus dem Ausland
Er untersucht, wie sich die 16 verschiedenen Ein-Euro-Münzen in Deutschland verteilen: Jedes Mitgliedsland sowie der Vatikan, San Marino und Monaco haben eine Variante mit nationalen Symbolen prägen dürfen. Um das herauszufinden, rief er die Menschen 2002 dazu auf, ihm per E-Mail möglichst oft zu melden, aus welchen Ländern die Münzen in ihren Portemonnaies stammen. Er wählte Ein-Euro-Münzen, weil sich größere Werte in der Regel schneller durchmischen als kleine.
Wenn sich die Münzen perfekt verteilt hätten, müssten in jedem deutschen Geldbeutel rund 66 Prozent der Euro-Münzen ausländischer Herkunft sein. Denn das entspricht ihrem Anteil an der produzierten Münzmenge. Doch fünf Jahre nach der Einführung von Scheinen und Münzen ist Deutschland von diesem Zustand weit entfernt. „Erst rund ein Viertel der Euro-Münzen stammt aus dem Ausland“, sagt Stoyan. Das ist zwar schon deutlich mehr als 2002, als die Anteile zwischen drei und acht Prozent schwankten. Seitdem haben Reisende fremde Münzen mitgebracht und so zur Vermischung beigetragen. Aber seiner Hochrechnung muss Stoyan etwas mehr Zeit geben. Ursprünglich hatte er angenommen, dass im Jahr 2006 30 Prozent der Euro-Münzen aus dem Ausland stammen würden, 2020 66 Prozent und damit die perfekte Durchmischung geschafft sei. Jetzt sagt er: „Das dauert mindestens bis 2025.“
Sammler und Geldhorter sorgen für die Verspätung
Als Hauptgrund für die Verspätung macht Stoyan die Sammler und Geldhorter aus: Ausländische Euro-Münzen werden oft nicht sofort wieder ausgegeben, sondern wandern in Kaffeekassen, in Schubladen oder als Andenken in einer Box. Das gilt natürlich besonders für sehr exotische Münzen wie solche aus dem Vatikan, Monaco oder San Marino. Und jetzt eben auch für slowenische Münzen. Sie sind daher noch seltener zu sehen, als ihr Anteil an der Produktionsmenge nahelegt.
Ein paar der erwarteten Gesetzmäßigkeiten sind jedoch auch eingetreten. Unter den ausländischen Münzen dominieren in deutschen Geldbeuteln die der großen Länder Frankreich, Italien und seit 2004 auch Spanien, denn diese Staaten haben nach Deutschland die größten Mengen produziert. Münzen aus dem kleinen Österreich hingegen, die Anfang 2002 vor allem wegen der Skisaison überdurchschnittlich in den Portemonnaies vertreten waren, haben an Bedeutung verloren.
Auch die Verteilung in Deutschland kam wie prognostiziert. In großen Städten und Urlaubsgebieten ist der Anteil ausländischer Euro-Münzen höher als auf dem Land. Niederländische Münzen dominieren im Rheinland, französische im Saarland und österreichische in Bayern.
Seit 2004 lassen die Meldungen der Bürger aber nach. Die Ergebnisse verlören an Aussagekraft, klagt Stoyan. Und bittet die Leser, ihn zu unterstützen. Sie können ihre Münzmischung im Internet unter www.euro.tu-freiberg.de melden.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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