http://www.faz.net/-gqe-76sfr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.02.2013, 17:55 Uhr

EU und Amerika Freihandel nutzt immer

Die EU und die Vereinigten Staaten verhandeln über ein Freihandelsabkommen. Der politische Wille auf beiden Seiten ist groß. Gut so! Hoffentlich scheitert das Projekt nicht am Lobbyismus.

von

Das neue Kürzel, an das man sich in der Welt des internationalen Handels wird gewöhnen müssen, lautete TTIP. Es steht im Englischen für die Transatlantische Handels- und Investitions-Partnerschaft, über die die Vereinigten Staaten und die EU wohl schon von Sommer an verhandeln wollen. Das ist mehr als wünschenswert, weil es Europäern und Amerikanern neue Chancen auf Wohlstand und Arbeitsplätze eröffnet.

Patrick Welter Folgen:

Nach mehr als einem Jahr der verschwiegenen Vorbereitung stehen die ernsthaften Schwierigkeiten aber erst noch bevor. Der politische Wille auf beiden Seiten des Atlantiks, zu einem schnellen Ergebnis zu kommen, ist zwar groß. Im Spiel der Interessengruppen aber drohen Stolpersteine. Schon dringen Industrieverbände darauf, den Streitpunkt Landwirtschaft auszuklammern. Das wäre ein großer Fehler. Wann, wenn nicht mit dem Pfand der generellen Vorteile transatlantischen Freihandels, soll eine weitere Öffnung der Agrarmärkte durchzusetzen sein?

Mehr zum Thema

In das global um sich greifende Gestrüpp bilateraler und regionaler Handelsverträge kommt mit TTIP gewaltige Bewegung. Beide Seiten werden aufpassen müssen, dass sie ihre gemeinsam dominante Rolle im Welthandel nicht missbrauchen und das multilaterale Welthandelssystem sprengen. So wie im regulären Wirtschaftsleben die meisten Monopole schädlich sind, hilft ein Hegemon dem internationalen Handel nur, wenn er sich auch zurückzuhalten weiß und nicht alles dominiert. Das gilt vor allem für das Bestreben Amerikas und Europas, Pilotstandards etwa in der Wettbewerbspolitik, für den Schutz geistiger Eigentumsrechte und auch für Umweltschutz- und Arbeiterrechte zu setzen. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen und die Bewegung hin zum globalen Freihandel erst recht belasten. Freihandel nutzt allen Beteiligten immer, auch wenn sich Entwicklungsländer hohe Sozial- und Umweltschutzstandards noch nicht leisten können.

In dieser Hinsicht hat gerade der amerikanische Präsident eine fragwürdige Bilanz vorzuweisen. Für den staatsgläubigen Obama und seine Demokraten ist Freihandel kein Ziel an sich, sondern Mittel zum Zweck. In seiner ersten Amtszeit ließ er die Freihandelsverträge mit Kolumbien, Panama und Südkorea nachverhandeln, um dort bessere Gewerkschafts- und Eigentumsschutzrechte durchzusetzen. Wenig Hoffnung darf man darin setzen, dass die EU den Amerikanern an dieser Stelle Einhalt gebietet.

 

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Katholikentag in Leipzig Kirche geht auch anders

Fast 20.000 Gläubige nehmen am Ende des Katholikentags in Leipzig am Abschlussgottesdienst teil. Kardinal Marx rief die Zuhörer dazu auf, sich in die Politik einzumischen und wies Kritik der AfD zurück. Mehr Von Mona Jaeger, Leipzig

29.05.2016, 16:21 Uhr | Politik
Freihandel Die geleakten TTIP-Dokumente im Volltext

Am Montag hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace 240 Seiten geheimer Dokumente aus den TTIP-Dokumenten veröffentlicht. Hier können die 12 Kapitel im Wortlaut nachgelesen werden. Mehr

02.05.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
TTIP und Co. Die Bremser der Globalisierung

Seit der großen Finanzkrise wächst der Weltgüterhandel viel langsamer als vorher und nur noch unwesentlich schneller als die Weltproduktion. Ökonomen haben zwei Thesen, warum das so ist. Mehr Von Rolf J. Langhammer

22.05.2016, 20:45 Uhr | Wirtschaft
Republica Greenpeace veröffentlicht geheime TTIP-Dokumente

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat am Montag zur Veröffentlichung geheimer Unterlagen aus den Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP Stellung genommen. Der Leiter der Politischen Vertretung von Greenpeace in Berlin, Stefan Krug, und Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch äußerten sich auf der Internetkonferenz Republica in Berlin. Mehr

02.05.2016, 13:06 Uhr | Politik
G7-Gipfel Freihandel, Stahl, Konjunktur - und Merkel mitten drin

In Japan diskutieren die Regierungschefs der sieben größten Industrieländer. Mit zwei Instrumenten wollen sie die Weltwirtschaft stützen. Und dann ist da noch der Stahl aus China. Mehr

26.05.2016, 14:38 Uhr | Wirtschaft

Draghis nächste Attacke auf den Sparer beginnt

Von Dennis Kremer

Die Europäische Zentralbank kauft demnächst Unternehmensanleihen. Das sollte die Sparer stören. Mehr 6 53


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 82

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden