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Essknete Süße Weltneuheit aus der Familienküche

16.10.2007 ·  Man nehme Mehl, Öl, Stärke, Zucker, Ei und etwas Fett – und schon hat man eine Weltneuheit. Zumindest, wenn der Mix stimmt. So wie bei einer Trockenmischung aus Idstein: der ersten Grundmasse für Essknete, die gerade ausgezeichnet worden ist.

Von Thorsten Winter
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Man nehme Mehl, Öl, Stärke, Zucker, Ei und etwas Fett – und schon hat man eine Weltneuheit. Zumindest, wenn die Mischung stimmt. Das mag absurd klingen, zählen derartige Mixturen doch zum üblichen Sortiment von Verbrauchermärkten. Gleichwohl hat die Familie Kaczmarek aus Idstein aus Backzutaten etwas Neues kreiert: die erste Essknete. Noch bevor der Vertrieb in größerem Stil angelaufen ist, können die Kaczmareks schon einen Erfolg verbuchen: Auf der noch bis morgen laufenden Ernährungsmesse Anuga in Köln hat ihr Produkt den Innovationspreis eingeheimst. Und seit gestern verkauft die erste Einzelhandelskette die Essknete.

Die Neuheit aus der Familienküche geht auf einen Zufall zurück, wie Stefan Kaczmarek erzählt. Während seine zwei Töchter mit herkömmlicher Knete spielten, musste die ältere von beiden, Sarah, ihre Schwester Luisa ermahnen, die bunte Masse nicht in den Mund zu nehmen. Denn Spielknete ist zwar ungiftig und unschädlich für die Haut – aber eben nicht zur Verzehr geeignet. Daraus sei rasch die Idee entstanden, mit Backzutaten eine brauchbare Knetmasse zu mischen. Doch die ersten Versuche schlugen fehl, wie der 37 Jahre alte Familienvater erzählt. Auf der Suche nach Abhilfe vertraute er aufs Internet und googelte „Essknete“. Nur: „Ich erhielt keinen einzigen Treffer.“ Kaczmarek folgerte: „Essknete war seinerzeit unbekannt.“ Das war im Herbst 2005.

Eigens Firma gegründet

Daraufhin gingen Kaczmarek und seine Frau Andrea planmäßig ans Werk: Sie vollzogen mit einer Tabellenkalkulation am Rechner nach, wie es sich auf die Knetmasse auswirkte, wenn sie den Gewichtsanteil einer Zutat veränderten. Ein halbes Jahr hat es schließlich gedauert, bis eine Mischung die Familie zufriedenstellte. „Wir hatten aber nicht die Absicht, das kommerziell zu verwerten“, sagt der Idsteiner, der in der IT-Branche beruflich zu Hause ist und unter anderem im Aufsichtsrat des börsennotierten Computerhändlers Synaxon sitzt.

Den Anstoß, auf den Markt zu gehen, gaben die Resonanz im Bekanntenkreis und die Besucherzahl auf der Internetseite www.essknete.de, die anlässlich eines Rundfunkberichts über die Backmischung angelegt wurde. 10.000 Besuche registrierte die Familie in den Tagen nach der Sendung, wie er weiter berichtet. Als nächstes sicherten sich die Kaczmareks in Zusammenarbeit mit einem Patentanwalt den Produktnamen und die Rezeptur und sammelte Daten über den Markt für die Essknete. Die Zahl allein für Deutschland klingt verlockend: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts leben hierzulande neun Millionen Mädchen und Jungen im Alter bis zu zwölf Jahren. In Europa sollen es bis zu 60 Millionen mögliche Kunden sein.

Angesichts dessen hat der Oetker-Konzern bei der Familie angeklopft, um die Innovation zu übernehmen. Allerdings ist das Geschäft nicht zustande gekommen. Denn die Familie war mit ihrer eigens in Leben gerufenen Firma 123 Nährmittel GmbH an einer Partnerschaft mit Umsatzbeteiligung interessiert, der Konzern die Rechte aber komplett kaufen wollte, wie Kaczmarek sagt. Oetker wollte dies gestern weder bestätigen noch dementieren. So hat sich die Familie selbst um Partner für die Produktion und den Vertrieb gekümmert. Hergestellt wird die Trockenmischung in Bayern und in Fernwald bei Gießen verpackt.

50 Tonnen Trockenmischung bestellt

Bisher hat die Familie nach eigenen Angaben rund 130.000 Euro in das Projekt investiert, weitgehend aus Eigenmitteln. 50 Tonnen Trockenmischung, die 100.000 Packungen zu 500 Gramm entsprechen, hat sie bestellt. Nun will sie verkaufen und hofft auf „viel Knete mit Knete“. Seit Beginn dieser Woche ist ihr Produkt bei der Einzelhandelskette Hit zu haben, Rewe soll folgen, auch die Drogeriekette Schlecker hat eine erste Bestellung aufgegeben. Zudem beliefert das Familien-Startup mehrere Spielzeughändler und verhandelt mit dem Vedes-Verbund, um die Essknete bei dessen Mitgliedern zu platzieren.Thorsten Winter

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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