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Essay : Die Kirche und das Euro(pa)dilemma

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Das Kreuz mit dem Euro: Die Matthäuskirche vor der Commerzbank in Frankfurt Bild: dpa

Wo steht die Kirche in der Euro-Krise, in der es um weit mehr geht als um die Währung? Eine offizielle Stellungnahme der Kirche fehlt bisher. Der Sozialethiker Elmar Nass entwirft eine freiheitlich-katholische Sicht.

          Solidarität soll den Weg aus der Währungskrise weisen. Jetzt kommt im Euroraum Schritt für Schritt eine Vergemeinschaftung der Schulden mit dem Ziel einer Fiskal- und Bankenunion. Die Autonomie der Europäischen Zentralbank (EZB) und Soliditätsvorgaben verlieren weiter an Bedeutung. Wachsende europäische Aufsicht soll das nötige Vertrauen in die kriselnde Idee des Euro wiederherstellen. Es liegt nahe, dass bei einer solchen Zentralisierung die Solidaritätslogik am Zuge bleibt, die das Management der Währungsunion und ihrer Krisen bisher bestimmt hat: Diese war geprägt von Vertragsbrüchen und nicht gehaltenen Versprechungen zuungunsten der Solidität. So anziehend die Friedensvision eines auch politisch geeinten Europas sein mag: ohne einen Geist gegenseitigen Vertrauens bleibt sie eine Utopie; oder sie wird zu einer Ideologie, wenn nicht mehr nach ihrem Preis gefragt wird.

          Deutschland ist zum Buhmann geworden

          Damit ist nicht zuerst der finanzielle Aufwand gemeint. Es steht gerade nicht allein eine Währung, sondern auch die Akzeptanz der europäischen Idee insgesamt auf dem Spiel. Deutschland ist vielen südlichen Nachbarn zum Buhmann geworden. Das hat hierzulande die Begeisterung getrübt. Nicht eingelöste Konsolidierungsversprechen bei wachsendem Druck von außen verschärfen die Ernüchterung. Und wenn durch die dramatisch hohe Mithaftung für die Schulden anderer Länder Zinsen und Inflation auch hierzulande steigen und Sozialleistungen gekürzt werden, könnte nicht nur die Stimmung weiter kippen, sondern auch der Wirtschaftsmotor, von dem die Nachbarn profitieren, abgewürgt werden.

          Wo steht die christliche Sozialethik? In dieser existenzbedrohenden Krise geht es um die Zukunft des menschlichen Zusammenlebens. Das ist eine klassische Herausforderung christlicher Sozialethik. Dennoch findet sich in Deutschland keine offizielle Stellungnahme der Kirchen. Auch eine vernehmbare gesellschaftliche Diskussion um kirchliche Positionen blieb bislang aus. Viele Orientierungsfragen um die aktuelle Krise werden pragmatisch, politisch oder ökonomisch beantwortet. Theologisch begründete Antworten können Alternativen für eine ethische Bewertung anbieten, die sich nicht zuerst von Stimmungsbarometern, Machtstrategien oder ökonometrischen Modellen leiten lassen. Auftrag christlicher Sozialethik ist es, mit ihren Werten und Prinzipien dem Schöpfungsplan Gottes entsprechend die Gesellschaft mitzugestalten und ihr plausible ethische Orientierungen an die Hand zu geben. Mit einer katholisch begründeten Position will ich die Relevanz christlicher Mitverantwortung zur Lösung aktuell drängender Fragen starkmachen. Dazu bedarf es einer Relecture der Solidarität.

          In der Kirche prallen liberale, sozialistische oder konservative Ausrichtungen aufeinander

          Die Zurückhaltung von Kirche und Theologie hat verschiedene Gründe. Grundsätzlich ist es nicht die Aufgabe christlicher Sozialethik, die Rolle der Politiker oder Ökonomen einzunehmen. Für die schnelllebigen Diskussionen um die aktuelle Krise erweisen sich die Sozialprinzipien Solidarität und Subsidiarität als sperrig. Vor allem offizielle Stellungnahmen brauchen zeitlichen Vorlauf, und das umso mehr, als die ideologischen Positionen katholischer Wirtschaftsethiker, die hier einzubeziehen wären, weit auseinanderliegen. Innerkatholisch konkurrieren liberale, sozialistische oder konservative Ausrichtungen.

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