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Testfahrt : Hier fährt der Wasserstoff-Zug

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Mit rund 150 Gästen an Bord ist ein Brennstoffzellen-Zug von Wiesbaden nach Höchst gefahren, ohne einen einzigen Partikel auszustoßen. Bild: dpa

Zwischen Wiesbaden und Frankfurt war erstmals ein Zug unterwegs, der von Wasserstoff angetrieben wird. Noch war es eine Demo-Fahrt, doch schon bald soll der Brennstoff-Zug die Regel sein.

          Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir bittet um Ruhe: „Sie hören, dass sie nichts hören“, ruft der Grünen-Politiker begeistert, als der Nahverkehrszug den Wiesbadener Bahnhof verlässt. Es ist ein besonderer Zug, der an diesem Freitagvormittag auf seinem Weg von der hessischen Landeshauptstadt nach Frankfurt nur etwas Wasserdampf in die ohnehin reichlich feuchte Luft bläst, aber keinen einzigen Partikel Dieselruß, Stickoxid oder Feinstaub. Statt eines Dieselmotors treiben Brennstoffzellen und Batterien den knallblauen „Coradia iLint“ des französischen Herstellers Alstom tatsächlich besonders leise an.

          Von außen ist nur an den aufgedruckten chemischen Symbolen zu erkennen, dass es sich nicht um einen ganz normalen Nahverkehrszug handelt. „Wir verkaufen hier keine grünen Bananen, sondern einen Zug, der wirklich fährt“, sagt Jörg Nikutta von der Alstom Transport Deutschland GmbH stolz. Technisch fußt der iLint auf seinem hundertfach erprobten Diesel-Bruder. Neu sind die auf dem Dach montierten Wasserstoff-Tanks und Brennstoffzellen. Hier im Rhein-Main-Gebiet lockt nach Niedersachsen bereits der zweite Großauftrag für die junge Technologie, die zur umweltfreundlichen Alternative auf nicht elektrifizierten Nebenstrecken werden soll.

          Zumindest beim direkten Betrieb eines solchen Zuges fallen außer dem Wasserdampf keine Emissionen an, weil in einer Brennstoffzelle Wasserstoff kontrolliert mit dem Sauerstoff aus der Luft reagiert und so zuverlässig Strom für den Elektromotor liefert. Zwei schwere Batterien speichern zusätzlich die Bremsenergie und überschüssigen Strom aus der Zelle. Allerdings kommt reiner Wasserstoff in der Natur nicht vor, sondern muss mit hohem Energieaufwand aus Verbindungen wie Wasser gelöst werden.

          „Grüner Wasserstoff“ ist das Ziel

          Im Industriepark Frankfurt-Höchst haben sie lange Erfahrungen mit dem hochexplosiven Gas, das bei der Produktion organischer Grundstoffe massenhaft anfällt. Dort sollen die Züge bei ihrem ab 2022 geplanten Regeleinsatz mit Wasserstoff betankt werden. In der Chemieindustrie fällt Wasserstoff als Nebenprodukt an. Bislang wird der Wasserstoff beispielsweise in der Düngerproduktion weiterverwendet oder schlicht zur Stromgewinnung verbrannt, erläutert Joachim Kreysing vom Industriepark-Betreiber Infraserv. Bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse wird zunächst reichlich Energie aufgewendet, weswegen der so gewonnene Wasserstoff keineswegs als klimaneutral gelten kann. Man spricht auch von „schwarzem Wasserstoff“.

          „Grünen Wasserstoff“ bekommt man erst, wenn das Gas allein mit dem Einsatz regenerativer Energien erzeugt wird. Vor allem die Windenergie-Branche setzt große Hoffnungen in das Power-to-Gas-Verfahren, bei dem Wasser mit Hilfe des Windstroms in Sauerstoff und speicherbaren Wasserstoff aufgespalten wird. In Schleswig-Holstein sollen Windkraft und Brennstoffzellen-Züge miteinander gekoppelt werden, eine dritte Ausschreibung nach Niedersachsen und Hessen ist geplant. „Dann wäre unser Traum perfekt“, schwärmt Alstom-Manager Nikutta.

          Ähnlich wie bei den Autos ist das noch sehr löchrige Netz von Wasserstofftankstellen das Hauptproblem der Brennstoffzelle. Das Land Hessen fördert die geplante H-Tankstelle im Industriepark Höchst, zu der die künftigen Wasserstoff-Regionalbahnen von ihren Strecken durch den nahen Taunus immer wieder zurückkehren müssen. Perspektivisch könne man natürlich auch „grünen Wasserstoff“ einsetzen, sagt der Chef des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Knut Ringat. Zunächst sei man aber sehr froh, in Höchst überhaupt eine Wasserstoff-Infrastruktur nutzen zu können.

          Bis zu 26 Züge will der RMV bestellen, die europaweite Ausschreibung mit einem Volumen von rund 150 Millionen Euro wurde an diesem Freitag gestartet. Ob Alstom den Zuschlag ab 2022 erhält, sei noch offen, erklärt Ringat. In Niedersachsen, wo die Züge auch gebaut werden, sind die Franzosen schon weiter und haben bereits einen Auftrag über 14 Fahrzeuge in der Tasche. Ab diesem Sommer ist ein Probebetrieb mit Fahrgästen rund um Bremervörde geplant.

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