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Erster Rückgang seit 1998 Chinas riesiger Devisenschatz schmilzt

13.01.2012 ·  China verfügt über einen riesigen Devisenschatz: Über die Jahre haben sich fast 3,2 Billionen Dollar angehäuft, die das Land zum Großteil in amerikanischen Staatsanleihen angelegt hat. Nun ist der Bestand zum ersten Mal seit 13 Jahren leicht gesunken.

Von Christian Geinitz, Peking
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© dpa Hier wird der Fremdwährungsbestand verwaltet: Hauptquartier der chinesischen Zentralbank in Peking

Chinas Devisenreserven sind im letzten Quartal 2011 zum ersten Mal seit 13 Jahren gefallen. Damals, 1998, herrschte die Asienkrise. Der Rückgang könnte nach Meinung von Finanzfachleuten dazu führen, dass das Land seine Geldpolitik lockert und die Aufwertung des Renminbi (Yuan) verlangsamt oder aussetzt. Beides hülfe der Stabilisierung des Wirtschaftswachstums und des Exports, die sich zuletzt merklich abgekühlt hatten, hieß es. China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und der größte Exporteur.

Wie die Zentralbank mitteilte, betrug der Wert des Fremdwährungsschatzes zum Jahresende 3180 Milliarden Dollar. Er war damit noch immer der größte der Welt, lag aber um 20 Milliarden Dollar unter dem Stand Ende des dritten Quartals. Ein historischer Höchststand war im Oktober mit 3270 Milliarden Dollar erreicht worden, danach schmolzen die Rücklagen um mehr als 90 Milliarden Dollar. Die Verminderung ist im Verhältnis zur Gesamtmenge moderat, entspricht aber der Jahreswirtschaftsleistung von Ländern wie Vietnam, Marokko oder der Slowakei.

Zu den Gründen äußerte sich die Zentralbank nicht. Gouverneur Zhou Xiaochuan hatte aber vor kurzem gesagt, die Abkühlung der Weltwirtschaft könne zu großen Kapitalabflüssen führen. Aufgrund dieser Aussage und der neuen Zahlen vermuten Analysten jetzt eine Veränderung der Geldpolitik. In der Zeit der Wirtschaftserholung 2009 und 2010 hatten Regierung und Notenbank den Zufluss spekulativen Kapitals noch zu verhindern versucht. Wegen des geringeren Investoreninteresses nehme der Aufwertungsdruck auf den Renminbi jetzt ab, urteilte Tim Condon, Asien-Chefökonom von ING Financial Markets gegenüber der Agentur Bloomberg. „Das könnte die Zentralbank veranlassen, die Geschwindigkeit der Aufwertung zu verlangsamen.“ In der Krise hatte China seine Währung an den Dollar gebunden, seit Juni 2010 hat sie aber aufgewertet. Exporteure warnen seit längerem vor einer zu schnellen Aufwertung, da das die Preise für ihre Waren verteuere. Die Ausfuhr war zuletzt so schwach gewachsen wie seit drei Jahren nicht. Der Handelsüberschuss, einer der Haupttreiber der Devisenreserven, hat sich 2011 zum dritten Mal abgeschwächt. Er erreichte 155 Milliarden Dollar, 2008 waren es noch fast 300 Milliarden gewesen.

Des Weiteren hätten die ausländischen Direktinvestitionen nicht so stark zugenommen wie früher. Hinzu komme, dass die Nicht-Dollar-Anlagen an Wert verloren hätten. China hält geschätzt ein Fünftel bis ein Viertel seiner Reserven in Euro, der im Schlussquartal mehr als 3 Prozent gegenüber dem Dollar eingebüßt hatte. Eine weitere Erklärung ist, dass China seinerseits verstärkt Direktinvestitionen im Ausland leistet. Es kauft sich in Europa, Nord- und Südamerika sowie Afrika ein.

Die Fachleute sehen in dem Devisenabbau keine Kapitalflucht, sondern eine Möglichkeit für mehr geldpolitischen Spielraum zur Wachstumsbelebung. Sie erwarten eine weitere Rücknahme der Mindestreserveanforderungen an die Banken, so dass diese wieder mehr Kredite verleihen können. Auch Zinssenkungen seien nicht ausgeschlossen.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.

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