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Erster deutscher Greencard-Besitzer „Ingenieurskunst lockt, Papierkram vertreibt“

21.09.2010 ·  Harianto Wijaya erhielt vor zehn Jahren als erster Ausländer die deutsche Greencard. Heute arbeitet er wieder in seiner Heimat Indonesien. In Deutschland bleiben wollte er nicht. Aus gutem Grund, wie er sagt.

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Herr Wijaya, im Jahr 2000 habe Sie die erste deutsche Greencard erhalten, mit der ausländische Fachkräfte angelockt werden sollten. Heute arbeiten Sie in Indonesien. Was ist da schiefgelaufen?

Schön, dass Sie sich noch an mich erinnern. Mir geht es gut. Ich habe mit der Greencard bis zum Jahr 2003 als Informatiker bei einem kleinen Computerunternehmen namens Aixcom gearbeitet. Als das Projekt, für das ich eingestellt worden war, zu Ende ging, habe ich noch meinen Doktor an der RWTH Aachen gemacht. Nun ja, und dann bin ich gegangen.

Warum?

Meine Greencard lief aus. Die Arbeitserlaubnis war ja befristet. Natürlich habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich dauerhaft in Deutschland niederzulassen und wie das möglich wäre, aber alles in allem war mir die Lage zu unsicher. Ich wollte nicht ständig auf Behörden gehen müssen und Visa verlängern. Und selbst wenn ich hätte bleiben können: Ich habe auch an das Thema Familiengründung gedacht. Hätte ich die Erlaubnis bekommen, eine Frau aus Indonesien nach Deutschland mitzubringen? Nein, das war mir alles zu kompliziert.

Wie ging es dann weiter?

Ich wollte einen MBA in Amerika machen, bin dann aber schnell von dieser Idee abgerückt und zurück nach Indonesien gegangen, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das ist hier sehr einfach. Diese Möglichkeit war einfach zu verlockend. Vor vier Jahren habe ich meine erste Firma gegründet, im vergangenen Jahr die zweite. Wir arbeiten im Telekommunikationsbereich, entwickeln ein drahtloses Breitband-Internet in Indonesien, fertigen die entsprechenden Smartphones und die Chips dafür.

Bereuen Sie Ihren Ausflug nach Deutschland?

Nein, überhaupt nicht! Was ich heute hier mache, wäre nicht möglich, wenn ich nicht diese fünf Jahre in Deutschland gearbeitet hätte. Ich habe dort sehr viel gelernt, diese Erfahrungen waren sehr hilfreich. Ich denke wirklich gerne an diese Zeit zurück und hole mir auch heute noch regelmäßig Rat bei meinem Professor.

Was sind Ihre weiteren Pläne?

Ich will mit meinen beiden Unternehmen weiter expandieren, plane eine Niederlassung in Europa. Wahrscheinlich in Deutschland.

Mit Ihnen als Geschäftsführer?

Nein, bestimmt nicht. Ich bleibe in Indonesien.

In Deutschland wird gerade rege diskutiert, wie sich mehr Fachkräfte aus dem Ausland anlocken lassen. Im Gespräch ist auch ein Willkommensgeld. Was halten Sie davon?

Das wird nichts bringen. Es zieht doch niemand wegen des Geldes in ein bestimmtes Land, zumindest kein Akademiker. Ich wollte nach Deutschland, weil es das Land mit den besten Ingenieuren auf der Welt ist. Und allen anderen, die ich kennengelernt habe, ging es genauso. Ausländer kommen wegen der deutschen Ingenieurskunst. Und dann gehen sie wegen des Papierkrams. Die vielen Ämter, überall ist man ein lästiger Bittsteller. Das müsste sich ändern.

Was sollte die Regierung Ihrer Ansicht nach sonst noch tun?

Sie sollte mehr Werbung im Ausland machen, um junge Menschen zu einem Studium in Deutschland zu bewegen. Hier in Asien hört man überhaupt nichts davon, was deutsche Universitäten bieten, wie das Leben in Deutschland ist. Wirklich nichts. Selbst wer Informationen sucht, findet kaum welche. Andere Länder sind da wesentlich aggressiver. Die Harvard University kommt jedes Jahr alleine vier Mal nach Jakarta, um Studenten anzuwerben. Andere Hochschulen machen das ähnlich. An dieser Stelle müsste die Regierung ansetzen, um ausländische Fachkräfte schon früh für sich zu gewinnen.

Sie haben auch in Deutschland studiert und sind trotzdem gegangen.

Ja, Studenten aus dem Ausland sind auch nur der Anfang. Sie müssen auch die Möglichkeit haben, danach ohne großen Aufwand bleiben zu können. Ich meine nur, dass es nichts bringt, Fachkräfte mit Berufserfahrung zu einem Umzug bewegen zu wollen. Die Entscheidung fällt schon viel früher. Ich sehe das bei meinen Freunden. Die gehen von einer Informationsveranstaltung zur nächsten, um zu entscheiden, wo sie studieren und arbeiten wollen. China, Amerika, Kanada, Indien – alle diese Länder werben unglaublich um Studenten aus dem Ausland. Von Deutschland hört man nichts.

Das Gespräch führte Julia Löhr.

Quelle: F.A.Z.
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