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Ersatzkassen Gmünder und Barmer auf dem Weg zur Fusion

23.09.2009 ·  Barmer und Gmünder wollen sich zur größten Krankenkasse Deutschlands zusammenschließen. Der neue Anbieter hat 8,6 Millionen Versicherte und mehr als 19.000 Mitarbeiter. Zuletzt war auch die Techniker Krankenkasse als Partner der Gmünder im Gespräch.

Von Andreas Mihm, Berlin
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Die Gmündner Ersatzkasse (GEK) und die Barmer Ersatzkasse werden sich zusammenschließen und mit dann 8,6 Millionen Versicherten größte deutsche Krankenkasse. Der GEK-Verwaltungsrat entschied sich am Mittwoch für eine Vereinigung mit der Barmer, wie ein Sprecher bestätigte. Ein entsprechender Beschluss des Barmer Verwaltungsrates soll am Freitag fallen. Die GEK zählt 1,7 Millionen Versicherte, die Barmer 6,9 Millionen. Die neue Krankenkasse kann dann im Januar 2010 starten. Zuletzt war auch die Techniker Krankenkasse als Partner der Gmünder im Gespräch.

Die Barmer verfügt über bundesweit rund 1000 Geschäftsstellen und rund 17.000 Mitarbeiter. Die GEK hat über 180 Betreuungsstellen und rund 2500 Mitarbeiter.

Schlechte Nachrichten für die kleineren Kassen

Mit 1,2 Millionen Mitgliedern ist die GEK einer der großen Spieler im Kassensystem. Im Größenvergleich belegt sie Platz zehn der gesetzlichen Kassen. In einem System, das mehr und mehr gezwungen ist, Größenvorteile bei Verhandlungen mit Pharmafirmen und Ärztebünden für eine besonders preiswerte oder besonders gute Patientenversorgung auszuspielen, verdeutlicht das ihre Attraktivität als Fusionspartner auf einen Schlag. Andererseits zeigt das auch, dass ein Marktanteil von 2 Prozent selbst bei einer seit 13 Jahren als „kundenfreundlichste Krankenkasse“ ausgezeichneten Organisation wie der GEK offenbar nicht mehr reicht, um im deutschen Gesundheitswesen als Kasse allein überleben zu können.

Das sind schlechte Nachrichten für die fast 170 Krankenkassen, die noch kleiner sind als die GEK. Um diesen Nachteil zu beheben, gehen viele Kassen Kooperationen ein. Gemeinsam wollen sie Rabattverträge aushandeln oder Versorgungsverträge schließen. Ob sie als selbständige Kassen unter wachsendem Wettbewerbsdruck bestehen können, ist eine vieldiskutierte Frage. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hatte sie schon vor Jahren beantwortet: 30 bis 50 Krankenkassen reichen ihrer Ansicht nach völlig aus.

Auch bei den Betriebskrankenkassen dreht sich das Fusionskarussell

Seit Inkrafttreten des Gesundheitsfonds und damit der Abschaffung kassenbezogener Beitragssätze ist das Fusionskarussell kräftig in Bewegung geraten. Aktuell sind es noch 177 Kassen, ohne die neun landwirtschaftlichen. Schon zum Jahreswechsel wird sich ihre Zahl weiter reduzieren. So werden die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) Berlin und Brandenburg dann unter einem Dach arbeiten, die mit 6 Millionen Versicherten drittgrößte Ersatzkasse DAK verleibt sich die 300.000 Versicherten der Hamburg Münchener Krankenkasse ein, die TK hatte schon zu Jahresbeginn die IKK Direkt mit 860.000 Versicherten eingemeindet. Die KKH aus Hannover hat die Betriebskrankenkasse des Versicherungskonzerns Allianz übernommen und dokumentiert seither durch den Namen „KKH Allianz“ die Nähe zur Privatversicherung. Weitere Fusionsgespräche liefen, sagt eine Sprecherin. Auch bei den Betriebskrankenkassen dreht sich das Fusionskarussell.

Fachleute erwarten, dass es im kommenden Jahr weiter Fahrt aufnehmen wird. Denn solange die nächste Bundesregierung nicht eine vollständige Kehrtwende macht, werden 2010 mehr und mehr Kassen Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen müssen. Die werden fällig, wenn die Krankenkasse mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds nicht mehr auskommt. Kassen wollen Zusatzbeiträge möglichst vermeiden, weil sie ihre Mitglieder dann auf ein Sonderkündigungsrecht hinweisen müssen. Das kommt einer Aufforderung zum Wechsel gleich. Finanzschwache Kassen werden daher eine frühzeitige Fusion mit einem auch finanziell starken Partner als den besseren Weg erachten.

Das ist dem Vernehmen nach auch bei der GEK der ausschlaggebende Faktor gewesen, auf Partnersuche zu gehen. Auch wenn deren Verwaltungsrat im Frühjahr, als über eine Fusion mit der Barmer schon spekuliert wurde, die Unabhängigkeit der Kasse noch einmal lauthals bekräftigt hatte. Die GEK steht nicht alleine da. In Niedersachsen verhandelt die AOK mit der 300 000 Versicherte zählenden IKK, in Nordrhein-Westfalen reden die AOK Rheinland/Hamburg und Westfalen-Lippe über ein Zusammengehen. Schon denkt die Bundesgesundheitsministerin laut über weitere Fusionen nach, über die der AOK Saarland mit der aus Rheinland-Pfalz etwa. Andere ergänzen die Kandidatenliste um Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Aus den beiden AOK Sachsen und Thüringen war bereits im vergangenen Jahr die AOK Plus hervorgegangen.

Es geht um das Leben der eigenen Organisation

Die Kassen sind bestrebt, das Wohlergehen der Versicherten und deren medizinischer Versorgung in den Vordergrund ihrer Argumente zu rücken. Tatsächlich geht es, wie bei allen Unternehmensfusionen, auch um das Überleben der eigenen Organisation, Garantien für die eingebrachten Belegschaften und Standorte, nicht zuletzt um Posten für Verwaltungsräte. Auch die Macht der Gewerkschaften steht auf dem Spiel, immerhin kontrollieren sie GEK und Barmer alleine, bei der TK hätten sie die Sitze im Verwaltungsrat mit den Arbeitgebern teilen müssen.

„Man muss sich vor allem darauf einigen, was aus dem Vorstand wird“, fügt einer aus der Chefetage einer großen Kasse hinzu. Deshalb fallen Fusionen leichter, wenn Vorstandschefs in Pension gehen – wie unlängst bei der AOK Berlin. Im Fall der GEK war die Frage schnell beantwortet: Für den 58 Jahre alten Vorstandschef Rolf-Dietrich Schlenker hätten TK und Barmer einen Platz im Vorstand frei.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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