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Erntebilanz : Bauern fordern Dürre-Nothilfen

Der Bauernverband hat die Ernteergebnisse mitgeteilt: Sie sind schlechter als im vergangenen Jahr. Bild: dpa

In Deutschland regnet es in diesem Sommer kaum. Mancherorts ist der Mais fast vollständig vertrocknet. Der Bauernverband fordert deswegen schnell Geld vom Staat.

          Elf Prozent weniger Getreideernte als im Vorjahr – das ist die Bilanz eines trockenen, heißen Sommers aus der Sicht der Landwirte. Insbesondere der trockene Mai hinterließ seine Spuren in der Erntebilanz. Die deutschen Bauern dürften, wie der Deutsche Bauernverband mitteilt, eine Getreideernte von 46,5 Millionen Tonnen eingefahren haben. Im  Vorjahres hatten sie 52 Millionen Tonnen oder elf Prozent mehr geerntet, was der höchste Wert aller Zeiten war. Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte auf einer Pressekonferenz zur Erntebilanz Nothilfen von der Politik, da den Bauern ein Drittel ein Einkommen entgehe.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Weil die Preise für landwirtschaftliche Produkte „auf breiter Front massiv eingebrochen“ seien, fordert der Bauernverband Nothilfen. Schweinefleisch, Milch, Getreide, Obst und Gemüse seien allesamt günstiger geworden, weshalb deutschen Bauern rund 3 Milliarden Euro an Erlösen fehlten. „Dieser Erlöseinbruch entspricht rund einem Drittel der Nettowertschöpfung der gesamten Landwirtschaft, also der landwirtschaftlichen Einkommen“, ließ sich Rukwied zitieren.

          Deutschland : Hitze lässt Ernteertrag schrumpfen

          Er sagte, er erwarte vom kommenden Sondergipfel der Agrarminister am 7. September  Beschlüsse zur Unterstützung der Landwirte: etwa eine Exportoffensive der EU  und  Liquiditätshilfen in Form von Bürgschaftsprogramm des Bundes oder eine Stundung von Steuerschulden. Ähnliche Maßnahmen hatte es für Milchbauern infolge der Preiskrise von 2008 und 2009 gegeben. Auch derzeit ist der Milchpreis wieder im Sinkflug und notiert bei rund 28 Cent je Kilo – zehn Cent niedriger, als im Vorjahr.

          Zu heiß für Mais

          Für die deutschen Bauern vergrößert nun eine besonders schwache Getreideernte die finanziellen Sorgen. „Die Getreideernte fällt von Region zu Region sehr unterschiedlich aus“, sagte Rukwied,  „kleinste Unterschiede in der Bodengüte und der Wasserversorgung machen sich deutlich in den Erträgen bemerkbar“. Landwirte in den Dürre-Regionen hätten nun dramatische Probleme.

          In Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und östlichen Bundesländern seien 15 Prozent bis 30 Prozent weniger Weizen geerntet worden als im Vorjahr. Der Mais vertrocknete ortsweise fast vollständig. Mais wird zur Stromerzeugung in Biogasanlagen, aber auch von Tierhaltern als Futter angebaut. Die müssten nun für den Winter vermehrt Futter zukaufen, fürchtet Rukwied. Mais ist besonders auf reichliches Wasser angewiesen. Problematisch sei die Dürre auch dort gewesen, wo die Böden sandig oder tonhaltig seien, sagte Rukwied dieser Zeitung.

          Die Hitze in diesem Hochsommer war in weiten Teilen Deutschlands rekordverdächtig. Die Daten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig zeigen, dass vor allem ein mittlerer Streifen Deutschlands von der Dürre betroffen war - und zwar in der für das Pflanzenwachstum wichtigen Zeit von Mai bis Juli. Landwirte in Hessen, Thüringen, Sachsen und dem nördlichen Bayern und Baden-Württemberg waren demnach besonders im Unglück. Während dort die Ernte längst abgeschlossen ist, dauert sie im Norden noch an.

          Die Ernte-Einbußen waren je nach Fruchtart unterschiedlich hoch. Besonders dramatisch seien sie für Mais und Zuckerrüben, die beide viel Wasser benötigen. Die Raps-Ernte fiel mit rund 5 Millionen Tonnen unterdurchschnittlich aus. Die  Wintergerste im Norden Deutschlands hingegen sei aufgrund ausreichender Niederschläge auf Vorjahresniveau eingefahren worden. Auch Landwirte im äußersten Süden Deutschlands verzeichneten ordentliche Ernten. Die Erntemenge von Winterweizen werde  24,6 Millionen Tonnen betragen und damit das Vorjahresergebnis um 2,8 Millionen Tonnen unterschreiten. Die Apfelernte werde um rund ein Fünfte sinken.

          Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland eine Rekordernte gegeben - trotz fast landesweiter Dürre im März und April, von der sich das Getreide aber erholte. Als entscheidender Monat gilt der Mai. Dann muss es feucht sein, damit die Pflanzen gut wachsen. Eine alte Bauernweisheit gelte heute noch, sagte Rukwied: „Ist der Mai kühl und nass, füllt's dem Bauern Scheun' und Fass.“ Landwirte in anderen Ländern ernteten hingegen besser. Im Nachbarland Frankreich erwarten Landwirte eine Rekordernte von Weizen. Die Prognosen für die ganze EU sind sehr gut: Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA geht für die Saison 2014/15 etwa von einer Rekord-Weizenerzeugung aus und für 2015/16 von einer etwas schwächeren, aber gleichwohl überdurchschnittlichen Ernte.

          Quelle: FAZ.NET

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