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Erklär mir die Welt (14) Warum brauchen wir Unternehmer?

19.09.2006 ·  Sie nutzen neues Wissen, um die Wünsche der Menschen zu befriedigen. Unternehmer versuchen, Entwicklungen richtig vorherzusagen, reagieren darauf und verändern die Welt. Wir brauchen sie. Doch Unternehmer bleiben nur, wenn wir ihnen nicht feindselig begegnen.

Von Norbert Berthold
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Der britische Premierminister Winston Churchill sagte einmal treffend: „Viele sehen den Unternehmer als einen Tiger, den man erschießen sollte. Andere als eine Kuh, die man melken kann. Und nur wenige sehen ihn als das, was er wirklich ist, das willige Pferd, das den Karren zieht.“ So ist es auch hierzulande. Mal werden Unternehmer als vaterlandslose Gesellen beschimpft, mal als Heuschrecken diffamiert. Das erstaunt, ist doch der positive Zusammenhang von Unternehmertum und wirtschaftlichem Wachstum weltweit gut belegt. Wo sich private Unternehmer entfalten können, ist „mehr Wohlstand für alle“ leichter möglich.

Unternehmer schaffen und nutzen neues Wissen, um die Wünsche der Menschen besser zu befriedigen. Sie setzen neue Ideen praktisch um. Unternehmer entwickeln neue Produkte, führen bessere Herstellungsverfahren ein, öffnen neue Märkte, erschließen neue Ressourcen und organisieren ganze Branchen neu. Mit der „schöpferischen Zerstörung“, die sie dabei auslösen, halten sie die wirtschaftliche Entwicklung in Gang.

Spezialisten für die Zukunft

In der Marktwirtschaft sind Unternehmer die Spezialisten für die Zukunft. Sie versuchen, Entwicklungen richtig vorherzusagen, reagieren darauf und verändern die Welt mit ihren Aktivitäten. Dabei entdecken sie immer wieder neue Ressourcen, neue Wünsche und neue Möglichkeiten. Sie tun dies aus vielerlei Gründen, ein wichtiger ist, Gewinne zu erzielen. Wenn alles gut läuft, sind Unternehmer ein Glücksfall für die Gesellschaft. Sie machen eine Gesellschaft reicher. Eine Marktwirtschaft wird erst durch sie zu einem Erfolgsmodell. Stellen wir uns allerdings dumm genug an, kann es auch ganz anders laufen.

Wie gut es geht, hängt entscheidend von den Spielregeln einer Gesellschaft ab. Wird privates Eigentum garantiert? Können Unternehmen offen in Märkte eintreten und unbehindert wieder ausscheiden? Ist für möglichst viel individuelle Vertragsfreiheit gesorgt? Anders ausgedrückt: Wie ist es mit der wirtschaftlichen Freiheit bestellt? Wo sie hoch ist, blüht das Unternehmertum, der Wettbewerb funktioniert, die Wirtschaft wächst, und die Arbeitslosigkeit sinkt. Deutschland ist hier seit Anfang der 70er Jahre unfreier geworden. Kein Wunder, daß Beschäftigung und Wachstum leiden.

Weg aus der Krise führt über wirtschaftliche Freiheit

Noch bis Mitte der 70er Jahre wurde der Unternehmer in kleinen und mittleren Unternehmen nicht wirklich ernst genommen. Lange herrschte die Meinung vor, große Unternehmen seien die eigentlichen Motoren. Kleine und mittlere Unternehmen galten als dem Untergang geweiht, Unternehmerpersönlichkeiten als eine aussterbende Spezies. Diese Sicht ist überholt. Mit der Globalisierung erleben Unternehmergeist sowie kleine und mittlere Unternehmen eine Wiederauferstehung. Weil die Kosten für Information, Kommunikation und Transport gesunken sind, fällt es leichter, sich auf Kernfähigkeiten zu spezialisieren. Daneben verschieben sich spätestens seit den 60er Jahren die wirtschaftlichen Strukturen: zu Lasten des industriellen Sektors und zugunsten des Dienstleistungssektors. Schließlich fragen die Menschen mit steigendem Einkommen individuellere und weniger standardisierte Produkte nach. Kleinere Unternehmen kommen dem besser nach.

Der Weg aus der wirtschaftlichen Krise hierzulande führt nur über mehr wirtschaftliche Freiheit. Untersuchungen zeigen, daß unterschiedliche Niveaus des Unternehmertums in einzelnen Ländern bis zur Hälfte die Unterschiede im wirtschaftlichen Wachstum zwischen den Ländern erklären. Privates Unternehmertum wirkt vor allem auf lokaler Ebene auf die Zahl der Arbeitsplätze, den Wohlstand und die lokalen Einkommen.

Falsche Anreize müssen beseitigt werden

Dafür muß die Politik aber Hindernisse aus dem Weg räumen: privatisieren, deregulieren und entbürokratisieren zum Beispiel. Die Eigenkapitalbildung ist zu verbessern, die Risikokapitalmärkte sind zu stärken, und die Bildung von Humankapital ist zu forcieren. Schließlich sind bessere Ertragsaussichten, geringere wirtschaftliche Risiken und ein weniger verzerrter Wettbewerb unabdingbar.

Und noch eines ist notwendig. Falsche Anreize müssen beseitigt werden. Die werden oft durch die Politik gesetzt, wenn sie etwa mit Subventionen versucht, unternehmerische Risiken zu sozialisieren. Es ist in unser aller Interesse, möglichst viele Unternehmer in unserem Land zu halten. Das gelingt aber nur, wenn wir ihnen nicht feindselig begegnen.

Pioniere der Wirtschaft

Jakob Fugger (1459-1525)

Der Augsburger gilt als der mächtigste Frühkapitalist in Europa. Jakob Fugger finanzierte den Adel, Klerus, Könige und Kaiser (Maximilian und Karl V.). Im Gegenzug erhielt er Handelsprivilegien, Ländereien und Bodenschätze. So durfte er zum Beispiel die Silberminen der Habsburger ausbeuten. Jakob Fugger errichtete ein Kupfermonopol in Europa und beteiligte sich 1505 sogar am Gewürzhandel mit Ostindien.

Alfred Krupp (1812-1887)

Bereits mit 13 Jahren begann er 1825 in der Gußstahlfabrik seines verstorbenen Vaters zu arbeiten. Damals stellten sieben Arbeiter Werkzeugstahl und Feilen her. Mehrmals stand er am Rande des Ruins. Doch als er 1887 starb, beschäftigte Alfred Krupp 20 200 Menschen, 13.000 davon in der Gußstahlfabrik. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Kanonen, doch die Rüstungsproduktion machte nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Krupp erkannte früh, welche Vorteile die Großfertigung hat, und erweiterte außerdem ständig seine Absatzgebiete - durch neue Stahlprodukte wie durch regionale Expansion.

John Davison Rockefeller (1839-1937)

Er gründete 1870 die Standard Oil Company, mit der er im ausgehenden 18. Jahrhundert die Ölindustrie Amerikas dominierte. Innerhalb von zwölf Jahren schuf er für sein Unternehmen praktisch eine Monopolstellung. Die aggressiven Geschäftspraktiken seiner Gesellschaften führten 1890 zu den ersten Anti-Trust-Gesetzen. Rockefeller teilte sein Firmengeflecht auf und legte die Unternehmen wieder zusammen. Erst 1911 erklärte der Oberste Gerichtshof in Amerika Standard Oil für illegal. Der Konzern wurde aufgelöst.m Rockefeller selbst zeichnete sich seit 1890 zunehmend als Wohltäter aus. Bis zu seinem Tod 1937 spendete er mehr als 80 Millionen Dollar.

Ferdinand Porsche (1875-1951)

Der große Autokonstrukteur und Entwickler baute schon 1900 einen elektrisch angetriebenen Wagen, der sich aber nicht durchsetzte. Sein bekanntestes Auto ist der Volkswagen, auch Käfer genannt, den er bereits 1939 vorstellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte sich der „Kugelporsche“ mehr als 20 Millionen Mal in aller Welt. Ferdinand Porsche arbeitete in den 20er Jahren für den Autobauer Daimler und machte sich 1930 in Stuttgart selbständig. Das Auto, das heute noch seinen Namen trägt, erfand er nicht. Den ersten Porsche-Sportwagen konstruierte nach dem Krieg sein Sohn Ferry, als der Vater noch in Gefangenschaft saß. Allerdings hätte er „keine Schraube anders gemacht“.

Bill Gates (1955)

Schon als 19jähriger gründete er 1975 mit einem Mitschüler die Firma Microsoft. Bill Gates arbeitete zuerst für die Computerhersteller Apple und Commodore. Der sagenhafte Aufstieg der kleinen Firma begann, als sie 1980 für den Computerkonzern IBM das Betriebssystem MS-DOS entwickelte und später auch alle anderen PC-Hersteller damit belieferte. Seit 1985 arbeitete Gates an Windows, der grafischen Benutzeroberfläche, mit der heute fast jeder Computernutzer arbeitet. Die kleine Firma ging 1986 mit gut 1000 Mitarbeitern an die Börse. Heute beschäftigt Microsoft mehr als 55.000 Menschen und erzielt Jahr für Jahr MilliardenGewinne. Bill Gates wurde durch seine Anteile zum reichsten Mann der Welt. Seit ein paar Jahren widmet er sich mit seiner Frau verstärkt seiner Stiftung. (stt.)

Norbert Berthold lehrt Volkswirtschaft an der Universität Würzburg.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 17.09.2006
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