13.09.2006 · Bildung bringt beachtliche Renditen. Nicht nur die Wissensarbeiter profitieren, die ganze Gesellschaft gewinnt. Die Modernisierung des Bildungswesens ist deshalb eine heroische Aufgabe. Sie gut zu lösen, ist eine Schicksalsfrage für Deutschland.
Von Thomas StraubhaarSoviel Einigkeit war nie. In den Grundsatzprogrammen aller Parteien findet sich die plakative These, Bildung sei der Schlüssel zum 21. Jahrhundert. In der Tat entscheidet Bildung über Erfolg und Mißerfolg. Das gilt im Kleinen genauso wie im Großen, für den Einzelnen genauso wie für Deutschland.
Bildung entscheidet, auf welche Stufe in der Einkommenspyramide man gelangt. Zuoberst sitzt, wer spezifische Fähigkeiten und Kenntnisse mitbringt. Wer nur Allgemeinwissen im Schulranzen hat, muß ganz unten Platz nehmen. Wer einen höheren Berufsabschluß oder gar ein Studium geschafft hat, verdient besser und bleibt seltener ohne Beschäftigung.
Bildung: Investition mit beachtlichen Nettorenditen
Es stimmt also: Bildung ist keine Ware. Bildung ist eine Investition - und zwar eine Investition mit durchaus beachtlichen Nettorenditen. Das gilt nicht nur für die privaten Erträge. Auch die Gesellschaft profitiert von einem besseren Bildungsniveau der Bevölkerung. Der Grund hierfür liegt in den sogenannten externen Effekten individueller Bildungsanstrengungen. Das heißt nichts anderes, als daß die Vorteile der Bildung nicht allein den Schülerinnen oder Studierenden zugute kommen. Die gesamte Gesellschaft gewinnt.
„Eine stabile und demokratische Gesellschaft ist undenkbar ohne ein Minimum an Bildung und Wissen der meisten Bürger. Und ohne große Akzeptanz eines umfassenden Wertekanons. Die Ausbildung kann zu beidem beitragen“, so hat es der Nobelpreisträger Milton Friedman schon 1962 formuliert. Deshalb ist es nicht nur ein Gebot von Fairness und Chancengleichheit, sondern auch ökonomisch sinnvoll, finanziell minderbemittelten Kindern und Studierenden durch staatliche Hilfen die Chance zu geben, die Nachteile einer schlechteren Erstausstattung durch eigene Leistung wettzumachen.
Das Wissen einzelner können andere mitnutzen
Die Volkswirtschaft insgesamt profitiert von einer gut ausgebildeten Bevölkerung, weil das Wissen und Können Einzelner auch von anderen mitgenutzt werden können. Das ist das berühmte Blaupausen-Phänomen. Wenn ein Plan gezeichnet ist, kann er im Prinzip tausendfach vervielfältigt werden. Die Qualität des Plans wird deswegen nicht schlechter.
Schließlich ziehen gut ausgebildete Arbeitskräfte Sach- und Finanzkapital sowie weitere kluge Leute aus dem Ausland an. Nach dem Motto „Gleich und gleich gesellt sich gern“ gehen Leute mit Geld, Ideen oder unternehmerischem Mut am liebsten dorthin, wo schon andere kreative, intelligente und dynamische Talente leben und arbeiten.
Bildung alleine ist nicht alles
Ein gutes Bildungswesen ist für eine Volkswirtschaft jedoch nur eine unverzichtbare, nicht aber eine hinreichende Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg im internationalen Wettbewerb. Ohne Bildung ist alles nichts, aber Bildung alleine ist nicht alles. Es ist eine große Illusion zu glauben, mehr Bildung alleine würde automatisch zu mehr Wachstum und weniger Arbeitslosigkeit führen. „Mehr Bildung für alle“ ist heute weltweit ein allgemein anerkanntes erstrangiges Ziel aller Volkswirtschaften.
Deutschland lebt eben weniger denn je auf einer Insel der Gebildeten, umgeben von einem Meer an wenig qualifizierten Menschen, die an der Werkbank all jene Tätigkeiten ausüben, für die sich Deutsche zu schade geworden sind. Das Gegenteil ist richtig: Während in Deutschland viel über Pisa und Bildungsreformen geredet wird, haben andere längst gehandelt. In einigen Ländern werden zumindest ebenso viele, genauso gute, wenn nicht sogar bessere, dynamische Wissensarbeiter ausgebildet, die ehrgeizig sind und die das Ziel haben, ganz oben an die Spitze zu kommen.
Modernisierung ist heroische Aufgabe
Die Modernisierung des deutschen Bildungswesens ist eine heroische Aufgabe. Sie gut zu lösen ist eine Schicksalsfrage für Deutschland. Mehr Geld für bessere Bildung ist nur das eine. Das andere ist, die Strukturen des Bildungswesens radikal zu erneuern. Wer im internationalen Bildungswettbewerb Erfolg haben will, muß zu einem fundamentalen bildungspolitischen Richtungswechsel bereit sein. Es gilt, das Bildungssystem in die Freiheit zu entlassen. Markt muß den Staat ersetzen. Mehr Markt ist nicht das Ende der staatlichen Bildungspolitik. Es ist aber der Anfang von mehr Wettbewerb und mehr Selbstbestimmung.
Ein modernes Bildungssystem braucht nicht mehr staatliches Geld, sondern die Erlaubnis, Strukturen selbständig zu wählen und eigene Wege der Finanzierung zu gehen. Das heißt nicht, daß sich der Staat aus der Bildungspolitik zurückziehen soll. Im Gegenteil: Weil „mehr Bildung für alle“ eben „mehr Wachstum für alle“ bedeutet, ist es richtig, daß Steuergelder mit im Spiel bleiben.
Der Staat soll weiterhin mit direkten Finanzhilfen Gerechtigkeitsziele erfüllen, Chancengleichheit schaffen und private Bildungsinvestitionen anregen. Er soll jedoch diese Ziele nicht über die Angebotsseite und staatliche Bildungseinrichtungen anpeilen. Besser, er stärkt die Nachfrageseite und unterstützt direkt finanziell schwache Studierende und erfolgreiche Forscher(innen). Ein gutes Bildungssystem ist kostbar. Ein schlechtes Bildungssystem ist viel teurer.
... und deshalb gibt es Studiengebühren
A. Ro-Nori (Steuerzahler)
- 13.09.2006, 10:53 Uhr
Bildungs-Polititik
norbert doerre (ndoerre)
- 13.09.2006, 11:29 Uhr
Richtige Analyse - Falsche Therapie
Daniel Weber (DanielWeber)
- 13.09.2006, 12:44 Uhr
Richtige Analyse - Falsche Therapie
Daniel Weber (DanielWeber)
- 13.09.2006, 12:44 Uhr
Richtige Analyse - Falsche Therapie
Daniel Weber (DanielWeber)
- 13.09.2006, 12:45 Uhr
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