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Erfindermesse Sie testen was Neues

 ·  Auf der Erfindermesse in Nürnberg stellen Tüftler 800 Neuheiten vor. Doch höchstens 5 Prozent der Ideen sind marktfähig. Solange kein Unternehmen den Nutzen erkennt, entwickeln die Erfinder weiter - und sorgen mitunter selbst für Nachfrage.

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Edouard Iossad trägt eine schwere Last, als er die Bühne der Erfindermesse in Nürnberg betritt. In Iossads schlicht „Rucksack der neuen Generation“ genannter Erfindung stecken Wasserflaschen, 14 Kilo hängen am Rücken des Zweiundsiebzigjährigen. Trotzdem zieht er seine Arme aus den Schultergurten, das Gewicht wird über ein von ihm entwickeltes Rückenteil an den kleinen Mann gepresst. Um zu zeigen, dass das eine Neuheit ist, beginnt Iossad zu tanzen. Er dreht sich mit dem Rucksack schwenkend hin und her, beugt sich nach vorn und wechselt wie ein Sumoringer von einem Bein aufs andere. Die anderen Erfinder vor der Bühne lachen anerkennend. Mit einem Mal wirkt Iossad federleicht – trotz Gepäck und obwohl er weiß, dass seine Idee zwar gut ist, aber womöglich nie auf den Markt kommen wird.

Edouard Iossad ist einer von Hunderten Erfindern, die noch bis Sonntag in Nürnberg ihre Innovationen präsentieren. Auf der IENA, der internationalen Fachmesse Ideen, Erfindungen und Neuheiten, erklären Tüftler aus 37 Ländern erste Baupläne. Sie lassen selbstgedrehte Werbefilme auf Laptops laufen, stellen Modelle aus und zeigen, wie ihre Prototypen funktionieren. Durch die Gänge fahren ein Roller, auf dem man Getränkekisten transportieren kann, ein ferngesteuertes Auto, das per Handbewegungen gesteuert wird, und ein Einrad, mit dem Inlineskater bis zu 50 Stundenkilometer schnell werden können. An den Ständen liegen der pannenfreie Fahrradreifen, der mit und ohne Luft gefahren werden kann, der beheizbare Nierenschutz für Motorradfahrer und das Herrenhemd, das nicht mehr aus der Hose rutscht.

Rund 800 Neuheiten sind dem Veranstalter zufolge in diesem Jahr zu sehen. Alle haben eines gemein: Ihre Erfinder suchen nach Unternehmen, die ihnen ihre Idee abkaufen. An einigen Ständen hängen Schilder: Geschäftskontakte gesucht, Lizenz zu vergeben, Patent zu verkaufen. Wo keine Schilder hängen, verteilen die Erfinder Visitenkarten.

Nur 3 bis 5 Prozent marktfähig

Der Veranstalter sieht die Messe als Weg in den Markt. „Aber nur 3 bis 5 Prozent aller Ideen von Einzelerfindern sind überhaupt marktfähig“, sagt Beate Treu vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Sie betreut dort die vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufene Signo-Initiative, deren Name für „Schutz von Ideen für die gewerbliche Nutzung“ steht. Über das Programm unterstützt die Bundesregierung die Arbeit von 137 Erfinderklubs in ganz Deutschland. Diese Zusammenschlüsse von Einzelerfindern erhalten einen Grundbetrag von 1500 Euro im Jahr, um Innovationen zu entwickeln. Signo berät sie zum Beispiel bei der Patentanmeldung.

Am Stand der Initiative auf der Nürnberger Messe hängt ein Plakat, auf dem ein Trichter abgebildet ist. Ganz oben stehen Sätze wie „Neuheiten prüfen“, darunter „Marktfähigkeit prüfen“, dann „Modell bauen“. Es folgen weitere Schritte auf dem Weg zum Verkaufsschlager. Mit jedem Rat wird der Trichter enger. „Die meisten Erfinder fangen in der Mitte an“, sagt Beate Treu. Dort aber ist der Zugang zum Markt so eng, dass viele Ideen im Trichter steckenbleiben – weil es sie schon als Produkte gibt oder weil ein ähnliches Patent schon angemeldet ist.

Deshalb setzt Signo auf Qualität: In diesem Jahr hat sie zum ersten Mal den Eintritt zur Messe für ihre Mitglieder beschränkt und nur 112 Erfindungen aus 32 Erfinderklubs zum gemeinsamen Stand eingeladen. Berücksichtigt wurden nur solche Innovationen, die von Patentrechercheuren oder vom Patentamt zertifiziert worden sind und so zumindest eine theoretische Chance haben, erfolgreich zu sein.

Nur im Nebenberuf Erfinder

Am Stand E 29 hofft Oliver Scheib genau darauf. Wie viele hier ist der Neununddreißigjährige aus dem pfälzischen Schweigen-Rechtenbach nur im Nebenberuf Erfinder. Normalerweise arbeitet er als Konstrukteur im Maschinenbau. Von Kindesbeinen an habe er erfunden, sagt Scheib, und es bisher zu vier Patenten gebracht. Auf der Messe stellt er sein neustes vor, den „Dog Stop“. Die Hundebremse ist ein Gurtsystem, das der Halter seinem Hund um den Körper schlingt und über die Vorderläufe zieht.

An einem Plüschhund zeigt Scheib den Besuchern am Stand, wie das Prinzip funktioniert: Zwischen den Läufen hängt ein leerer Luftsack, auf dem Rücken trägt der Hund einen Sender und eine Druckluftpatrone. Per Fernbedienung lässt sich der Beutel aufblasen, sodass er die Vorderläufe auseinander drückt und das Tier bremst. Bei kleinen Arten wie Chihuahuas, so Scheibs Plan, wird der Luftsack unterm Bauch positioniert. „Der Hund hebt einfach ab“, beschreibt Scheib den beabsichtigten Effekt.

Für 70 000 Euro würde er an Ort und Stelle einschlagen

Die Idee habe er entwickelt, um das Problem zu lösen, das er selbst mit seinem Bernhardiner-Hirtenhund-Mischling. gehabt habe. „Und wenn ich so ein Problem sehe, dann versuche ich eine Lösung zu finden“, sagt Scheib. Das gehe so weit, dass er die Idee nicht mehr aus dem Kopf bekomme. „Dauernd etwas erfinden zu wollen ist manchmal eine Belastung. Deshalb hoffe ich, dass dies meine letzte Erfindung war – und mir jemand das Patent abkauft.“ Für 70 000 Euro würde er an Ort und Stelle einschlagen.

Solange aber kein Unternehmen den Nutzen ihrer Erfindung erkennt, entwickeln die Erfinder weiter. Mitunter sorgen sie selbst für Nachfrage. Auf der Bühne steht nun Werner Heinze und stellt seine „abstellbare Unterarmkrücke“ und den „Ball mit veränderbaren Eigenschaften“ vor. Beim Balltesten in seinem Erfinderklub, berichtet der Erfinder aus Offenburg, habe sich das älteste Mitglied etwas gebrochen. „Und dann“, sagt Heinze, „brauchte er die Krücken.“

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Jahrgang 1979, Redakteur in der Wirtschaft.

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