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Türkische Lira im freien Fall : Erdogans Entmachtung

Der türkische Präsident Erdogan spricht vor Anhängern in Bayburt an diesem Freitag. Bild: Reuters

Die türkische Währung stürzt ab, Amerika setzt das Land unter Druck. Doch die Krise birgt auch eine gute Nachricht.

          Die gute Nachricht in der türkischen Krise lautet: Autokratische Herrscher und solche, die sich dafür halten, können wirtschaftliche Zusammenhänge nicht auf Dauer außer Kraft setzen. Den Markt in seiner Rolle als Instrument der politischen Entmachtung musste an diesem Freitag der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zu seinem Schaden kennenlernen. Nicht jeden Tag verliert eine Währung am Devisenmarkt rund ein Fünftel ihres Wertes.

          Vor der wirtschaftlichen Logik ist der sich gerne wie ein Sultan gerierende Machthaber aus Ankara auf ein deutlich kleineres Maß geschrumpft. Erdogans wirre Reden über einen Wirtschaftskrieg, in dem sich die Türkei befinde, haben die Krise verstärkt. Und anstatt dass die Menschen, wie von Erdogan gewünscht, ihre Dollars oder Euros in heimische Lira tauschen und auf ihre Bank bringen, tauschen sie lieber ihre Heimatwährung in Dollar oder Euro. Die Macht des Autokraten endet am Geldbeutel des Bürgers.

          Er steuert auf den Albtraum zu

          Mag Erdogan auch ausländische Mächte dämonisieren, so hat sein Konflikt mit einem anderen sich gerne autokratisch gebenden Politiker die Krise nicht heraufbeschworen, sondern nur verschärft. Mit Zollerhöhungen setzte Donald Trump seinen türkischen Gegenspieler zwar zusätzlich unter Druck. Aber die Ursache der Währungskrise ist der Konflikt mit den Vereinigten Staaten nicht.

          Die wirtschaftlichen Aussichten der Türkei sind eigentlich gut. Wie viele Schwellenländer hat das Land in den vergangenen Jahren viel Kapital aus dem Ausland angezogen. Aber dieses Kapital wird nur im Land bleiben, wenn eine zukunftsorientierte Wirtschaftspolitik betrieben wird.

          Davon aber kann keine Rede sein. Weil Erdogan viel Geld braucht, um sein Volk zu beglücken, wehrt er sich gegen eine Politik höherer Zinsen, da diese das Wirtschaftswachstum gefährden könnte. Ein Land mit einer Inflationsrate von 15 Prozent benötigt aber dringend höhere Zinsen, um die Stabilität seiner Währung wiederherzustellen.

          So wie Erdogan mit der Krise umgeht, riskiert er einen ernsthaften Schaden für sein Land, der irgendwann nur noch mit externer Hilfe, etwa durch den Internationalen Währungsfonds, in den Griff zu bekommen wäre. Für einen Autokraten wie Erdogan müsste ein solches Szenario ein Albtraum sein. Aber er steuert unbeirrt darauf zu.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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