26.03.2010 · Durchschnittlich 23 Prozent verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer: Bis zu diesem Freitag müssen sie statistisch gesehen arbeiten, um auf das Gehalt ihrer männlichen Kollegen aus dem vergangenen Jahr zu kommen. Nun gibt es Stimmen, die gesetzliche Regelungen fordern.
Von Julia Löhr und Henrike RoßbachIn diesem Jahr schwenken die Frauen sechs Tage später ihre roten Handtaschen als 2009: Der „Equal Pay Day“ fällt dieses Mal auf den 26. März – vergangenes Jahr war es noch der 20. März gewesen. Es ist der Tag, bis zu dem Frauen statistisch betrachtet länger arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. Durchschnittlich 23 Prozent verdienen Frauen in Deutschland weniger als Männer, geht aus der Datenbank des Statistischen Bundesamts hervor. Während Männer 2008 – die aktuellsten Zahlen, die es gibt – auf 18,90 Euro in der Stunde kamen, erhielten Frauen nur 14,51 Euro. Um auf diese Gehaltslücke aufmerksam zu machen, haben verschiedene Institutionen und Verbände zum dritten Mal zum Tag der gleichen Bezahlung aufgerufen, dessen Symbol die rote Handtasche ist.
Der Frauenrat, der mehr als 50 Frauenorganisationen vereint, hat zu einer Aktion am Brandenburger Tor in Berlin aufgerufen. Auf der Landkarte des Equal-Pay-Day-Bündnisses markieren zahlreiche rote Punkte, dass auch in anderen Städten Veranstaltungen geplant sind. Mal müssen Männer 23 Prozent mehr für ihr Essen zahlen, mal lernen Frauen in Workshops, besser zu verhandeln. Auf Podiumsdiskussionen wird die Lohnfrage debattiert, und Gehaltswünsche steigen per Luftballon in den Himmel. Nach Aussage der Statistiker sind Frauen in Deutschland stärker im Hintertreffen als in anderen Ländern. Im EU-Durchschnitt beträgt die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern 18 Prozent. Nur in Estland, Tschechien, Österreich und den Niederlanden ist der Abstand noch größer als in Deutschland.
Schlechter bezahlte Berufe, mehr Teilzeit, weniger Überstunden
Die Zahlen zeigen allerdings nur einen Teil der Gehaltswahrheit. So belegen Studien, dass die Lücke nicht ausschließlich auf Diskriminierung beruht. Frauen wählen schlechter bezahlte Berufe als Männer, arbeiten häufiger Teilzeit, legen längere Kinderpausen ein, machen weniger Überstunden und schaffen es seltener in Führungspositionen. Doch selbst wenn man Vollzeitstellen auf demselben Hierarchieniveau miteinander vergleicht, bleibt eine Differenz. Auf durchschnittlich 10 Prozent beziffert Tim Böger, Geschäftsführer der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt, diese Lücke im akademischen Bereich. Das fängt schon beim Berufseinstieg an. Ein Beispiel aus der Gehaltsdatenbank von Personalmarkt: Ein 28 Jahre alter Mann, der als Trainee in einem Konzern anfängt, erhält im Schnitt rund 54.000 Euro im Jahr. Eine Frau im selben Alter und derselben Position dagegen nur 46.600 Euro – 14 Prozent weniger. Ein schwacher Trost: „Die Differenzen fallen in den Bereichen, in denen viele Frauen beschäftigt sind, geringer aus als in den von Männern dominierten Bereichen“, sagt Böger.
In Führungspositionen sieht es noch schlechter aus. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass Frauen nicht nur wesentlich seltener in den Chefetagen vertreten sind – sie verdienen dort auch deutlich weniger als Männer. Nach Berechnungen des Instituts bekamen weibliche Vollzeit arbeitende Führungskräfte 2008 rund 28 Prozent weniger Gehalt als ihre männlichen Kollegen. Die Frauen hatten auf der monatlichen Gehaltsabrechnung im Schnitt 3410 Euro brutto stehen, die Männer 4760 Euro. Darüber hinaus bekamen die Männer auch höhere jährliche Sondervergütungen. Mit durchschnittlich 9870 Euro lagen diese 36 Prozent über denen der Frauen, schreibt das DIW (siehe dazu auch: Große Lohnlücke zwischen Frauen und Männern).
Nicht alle fordern gesetzliche Regelungen
Die Forscher des WSI-Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung verweisen darauf, dass vor allem die Mechanismen der Arbeitsbewertung diskriminierungsanfällig seien – dass also Anforderungen in typischen Frauenberufen geringer bewertet werden als Anforderungen in Männerberufen. Elke Ferner, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, forderte von der Regierung pünktlich zum Equal Pay Day gesetzliche Regelungen, um die Gehaltslücke zu schließen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund bemängelte, dass sich die Regierung mit bloßen Appellen und lockeren Vereinbarungen begnüge.
Die Vorsitzende der Frauengruppe in der Unionsfraktion, Rita Pawelski, verwies dagegen auf den Ausbau der Kinderbetreuung. Sie warb bei Mädchen für Männerberufe und bei Unternehmen für das Testverfahren Logib-D. Mit diesem Programm, das vom Bundesfamilienministerium zur Verfügung gestellt wird, können Betriebe prüfen, ob sie Frauen in Gehaltsfragen diskriminieren. Auch die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, lobte dieses Instrument. Um zu einer wirklichen Gleichstellung zu kommen, sei ein umfassender statistischer Überblick Grundvoraussetzung.
Ich fordere
Theodor Wedel (TheodorWedel)
- 26.03.2010, 13:49 Uhr
Diese ständigen Vergleiche und die versuchte Gleichmacherei...
Peter Just (PeterJust)
- 26.03.2010, 14:26 Uhr
Normal ?
Closed via SSO (ud-la)
- 26.03.2010, 14:36 Uhr
@alle
Max Meyer (Tommasch)
- 26.03.2010, 14:52 Uhr
Hochmut kommt vor Fall
Torsten Klier (TorstenKlier)
- 26.03.2010, 20:23 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
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