Home
http://www.faz.net/-gqe-75khy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.01.2013, 10:10 Uhr

Entspannung in der Euro-Krise Targetforderung der Bundesbank deutlich gesunken

Die Kapitalflucht aus den südeuropäischen Krisenländern ist offenbar gestoppt. Nun sinken die infolge der Euro-Krise bedrohlich ausgeweiteten Target-Salden wieder. Die Commerzbank vermutet eine Trendwende.

© dapd Geldsäcke von der Bundesbank

Die Forderung der Bundesbank aus dem europäischen Zahlungssystem Target ist im Dezember von 715 auf 656 Milliarden Euro gesunken. Damit liegt die Forderung, die die Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank und damit indirekt gegenüber den Notenbanken der Euro-Krisenländer hat, um knapp 100 Milliarden Euro unter dem im vergangenen Herbst erreichten Höchstwert.

Der „Targetsaldo“ ist in den vergangenen zwei Jahren in die Höhe geschossen, als die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer und vor allem die Kapitalflucht aus diesen Ländern immer weniger durch private Kreditgeber finanziert wurden. Da auch die Hilfskredite der europäischen Partnerländer und des Internationalen Währungsfonds nicht zur Finanzierung der Abflüsse ausreichten, ist die Last über das Target-System immer stärker bei den Notenbanken der finanzstarken Länder aufgelaufen. Dieser Prozess könnte sich, so die Hoffnung mancher Beobachter, nun umkehren.

Infografik / Rückgang auf hohem Niveau © F.A.Z. Vergrößern

Kapital fließt in die Krisenländer zurück

„Für mich ist das eine Trendwende“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die über das Target-System für Italien und Spanien aufgelaufenen Verbindlichkeiten seien schon im Oktober und November deutlich gefallen, für die spanische Notenbank von 400 auf 366 Milliarden Euro, für die italienische von 281 auf 247 Milliarden Euro. Die Dezemberwerte sind noch nicht bekannt.

Mehr zum Thema

Wichtiger noch sei, dass die riesigen Abflüsse privaten Kapitals aus den Krisenländern seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres versiegt seien. Zeitweise hätten die Kapitalabflüsse aus Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien binnen zwölf Monaten rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprochen. Finanziert seien diese Abflüsse durch staatliche Hilfskredite und die Target-Flüsse. Nach dem Sommer habe es dagegen erstmals seit Anfang des Jahres 2011 wieder Rückflüsse privaten Kapitals gegeben, argumentiert Krämer.

Angst um die Währungsunion zurückgegangen

Auf Anzeichen für solche Rückflüsse hat auch die Europäische Zentralbank schon hingewiesen. EZB-Präsident Mario Draghi nannte unter anderem die wieder wachsenden Einlagen der italienischen Banken.

Der Notenbankchef hatte im Sommer potentiell unbegrenzte Anleihekäufe der EZB zugunsten der finanzschwachen Euroländer in Aussicht gestellt, um der Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zu begegnen. „Ich halte diese Politik für falsch, weil sie falsche Anreize setzt“, sagt nun Commerzbank-Ökonom Krämer, gibt allerdings zu: „Aber sie wirkt.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anleihekäufe EZB macht Geheimabkommen öffentlich

Notenbanken haben ein Geheimabkommen für Anleihekäufe über 500 Milliarden Euro genutzt. Der Verdacht der verbotenen Staatsfinanzierung lag nahe. Nun macht die EZB das Abkommen transparent. Mehr

06.02.2016, 10:58 Uhr | Wirtschaft
Islamischer Staat Wie der IS mit Kunstgütern Millionen verdient

Die Einnahmen des sogenannten Islamischen Staats werden derzeit auf etwa 2 Milliarden Euro im Jahr geschätzt. Ein erheblicher Teil davon stammt aus dem illegalen Verkauf geplündeter Kulturstätten. Mehr

15.01.2016, 12:39 Uhr | Wirtschaft
Bargeld EZB bereitet Abschaffung des 500-Euro-Scheins vor

Die EZB-Spitze berät über das Ende des violetten Scheins. Von technischen Arbeiten ist die Rede. Aber sicher ist: Wir wollen Änderungen machen. Mehr

04.02.2016, 17:19 Uhr | Wirtschaft
London Merkel fordert Assad-Regime zu Waffenruhe auf

Die Bundeskanzlerin rief auf der Geberkonferenz in London die syrische Regierung zu einer Waffenruhe auf. Außerdem kündigte Merkel an, Deutschland werde bis 2018 eine Summe von 2,3 Milliarden Euro an Hilfe für Flüchtlinge in der Nahostregion zur Verfügung stellen. Mehr

04.02.2016, 16:04 Uhr | Politik
Verkauf an Konkurrenz Bilfinger verkauft Wassertechnologie-Sparte an Chinesen

Die Einkaufstour der Chinesen in Deutschland geht weiter. Der kriselnde Konzern Bilfinger verkauft eine Sparte nach China. Es ist nicht die erste chinesische Übernahme. Mehr

07.02.2016, 12:40 Uhr | Wirtschaft

Was Cryan von Zetsche lernen kann

Von Georg Meck

Während die Deutsche Bank Untergangphantasien provoziert, triumphiert Daimler. Fünf Lektionen lehren, wie Cryan so erfolgreich wird wie Zetsche. Mehr 16 30


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden