Home
http://www.faz.net/-gqe-75khy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Entspannung in der Euro-Krise Targetforderung der Bundesbank deutlich gesunken

Die Kapitalflucht aus den südeuropäischen Krisenländern ist offenbar gestoppt. Nun sinken die infolge der Euro-Krise bedrohlich ausgeweiteten Target-Salden wieder. Die Commerzbank vermutet eine Trendwende.

© dapd Vergrößern Geldsäcke von der Bundesbank

Die Forderung der Bundesbank aus dem europäischen Zahlungssystem Target ist im Dezember von 715 auf 656 Milliarden Euro gesunken. Damit liegt die Forderung, die die Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank und damit indirekt gegenüber den Notenbanken der Euro-Krisenländer hat, um knapp 100 Milliarden Euro unter dem im vergangenen Herbst erreichten Höchstwert.

Der „Targetsaldo“ ist in den vergangenen zwei Jahren in die Höhe geschossen, als die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer und vor allem die Kapitalflucht aus diesen Ländern immer weniger durch private Kreditgeber finanziert wurden. Da auch die Hilfskredite der europäischen Partnerländer und des Internationalen Währungsfonds nicht zur Finanzierung der Abflüsse ausreichten, ist die Last über das Target-System immer stärker bei den Notenbanken der finanzstarken Länder aufgelaufen. Dieser Prozess könnte sich, so die Hoffnung mancher Beobachter, nun umkehren.

Infografik / Rückgang auf hohem Niveau

Kapital fließt in die Krisenländer zurück

„Für mich ist das eine Trendwende“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die über das Target-System für Italien und Spanien aufgelaufenen Verbindlichkeiten seien schon im Oktober und November deutlich gefallen, für die spanische Notenbank von 400 auf 366 Milliarden Euro, für die italienische von 281 auf 247 Milliarden Euro. Die Dezemberwerte sind noch nicht bekannt.

Mehr zum Thema

Wichtiger noch sei, dass die riesigen Abflüsse privaten Kapitals aus den Krisenländern seit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres versiegt seien. Zeitweise hätten die Kapitalabflüsse aus Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien binnen zwölf Monaten rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung entsprochen. Finanziert seien diese Abflüsse durch staatliche Hilfskredite und die Target-Flüsse. Nach dem Sommer habe es dagegen erstmals seit Anfang des Jahres 2011 wieder Rückflüsse privaten Kapitals gegeben, argumentiert Krämer.

Angst um die Währungsunion zurückgegangen

Auf Anzeichen für solche Rückflüsse hat auch die Europäische Zentralbank schon hingewiesen. EZB-Präsident Mario Draghi nannte unter anderem die wieder wachsenden Einlagen der italienischen Banken.

Der Notenbankchef hatte im Sommer potentiell unbegrenzte Anleihekäufe der EZB zugunsten der finanzschwachen Euroländer in Aussicht gestellt, um der Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zu begegnen. „Ich halte diese Politik für falsch, weil sie falsche Anreize setzt“, sagt nun Commerzbank-Ökonom Krämer, gibt allerdings zu: „Aber sie wirkt.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Eurokrise Ifo-Chef Sinn: Alarmierende Kapitalflucht aus Italien

Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn sorgt sich um Italien. Beinahe 70 Milliarden Euro seien in den beiden letzten Monaten aus dem Land abgezogen worden, hat er ausgerechnet. Mehr

15.10.2014, 14:40 Uhr | Wirtschaft
Schafft Portugal seinen Weg?

Portugal kehrt an die internationalen Finanzmärkte zurück. Drei Jahre lang hatte es Hilfskredite in Höhe von 78 Milliarden Euro von der Troika aus Brüssel, dem IWF und der EZB erhalten. Doch ist das Land bereit, sich wieder auf die Märkte zu wagen? In vielen Branchen rumort es. Mehr

14.05.2014, 17:00 Uhr | Wirtschaft
Eurokrise EZB erleichtert griechischen Banken Zugang zu Geld

Anleger machen sich wieder mehr Sorgen um Griechenland. Angeblich stellt die Europäische Zentralbank den Banken des Landes einfacher Geld zur Verfügung. Der IWF sorgt sich um Europas Banken insgesamt. Mehr

16.10.2014, 14:21 Uhr | Wirtschaft
EZB überrascht Börsen mit neuer Zinssenkung

Die Aussicht auf zusätzliche milliardenschwere Geldspritzen haben den Euro auf Talfahrt geschickt. Dax und EuroStoxx50 zogen dagegen an. EZB-Präsident Mario Draghi hatte eine Senkung des Leitzinses von 0,15 auf 0,05 Prozent angekündigt. Mehr

04.09.2014, 17:57 Uhr | Wirtschaft
Zypern-Krise Geheime EZB-Protokolle veröffentlicht

Eigentlich will die Europäische Zentralbank ihre Beratungsprotokolle aus der Eurokrise noch lange nicht öffentlich machen. Doch jetzt sind einige nach außen gedrungen. Sie zeigen, wie zweifelhaft die Rettung zyprischer Banken war. Mehr

17.10.2014, 20:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.01.2013, 10:10 Uhr

Gespaltenes Europa

Von Holger Steltzner

Ein listiger französischer Vorschlag soll für Unterstützung durch Berlin sorgen, damit Paris einmal mehr die Maastrichter Schuldengrenze reißen kann. Die Harmonie in Berlin störte das nicht. Mehr 32 46


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Der Aufstieg der Fernbusse

Wenn die Bahn am Wochenende streikt, gehören die Fernbusse wieder zu den Profiteuren. Seit der Liberalisierung ist die Zahl der Busverbindungen kräftig gestiegen. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden