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Entlassungen und Neueinstellungen 2008 Die Jobmaschine stottert – Spezialisten gesucht

 ·  In Deutschland wird weiter eingestellt. Aber mit der Finanzkrise wurde 2008 erstmals seit zwei Jahren der Abbau von mehr Stellen angekündigt als neue Stellen geschaffen wurden. FAZ.NET zeigt die Entlassungen und Neueinstellungen im Überblick.

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„Das Wohlgefühl am Arbeitsplatz ist bei deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern trotz der Finanzkrise auf gutem Niveau etabliert.“ Mit dieser Aussage überraschte in diesen Tagen die Job AG. Die in Fulda ansässige, mit mehr als 70 Niederlassungen aber bundesweit vertretene Beratungsgesellschaft für Personalmanagement befragt in jedem Quartal 1200 Arbeitnehmer nach ihrer Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz.

Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) seien im Laufe dieses Jahres die Durchschnittswerte von 7,5 im ersten Quartal über 7,6 im zweiten auf 7,7 im dritten und im vierten Quartal gestiegen. Dieses Ergebnis hat die Auftraggeber offenbar selbst überrascht. „Entgegen möglichen Vermutungen und Befürchtungen fühlen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland trotz Finanzkrise an ihren Arbeitsplätzen auch im vierten Quartal 2008 durchaus sicher und wohl“, kommentiert Stefan Polak, Vorstand der Job AG, das Ergebnis. Das passt auch zu einer anderen Zahl: Die Arbeitslosigkeit liegt hierzulande bei dem niedrigsten Wert seit 15 Jahren.

Stellenabbau beschleunigt sich

Dennoch: Die Finanz- und die Konjunkturkrise machen auch vor dem Arbeitsmarkt nicht halt. Das zeigen ganz deutlich die Ankündigungen der Unternehmen. Aber nicht der Aufbau neuer Arbeitsplätze kommt zum Erliegen, wie man meinen könnte. Im zurückliegenden Jahr sind mit mehr als 85.000 mehr neue Stellen geschaffen worden als im Jahr 2007. Aber es hat sich auch der Stellenabbau beschleunigt. Er war – gemessen an den vom Archiv der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ausgewerteten Ankündigungen der Großunternehmen – in zwei Jahren von 160.000 über 83.000 auf 47.000 gesunken und hat sich in diesem Jahr wieder auf 86.000 fast verdoppelt.

Diese Zahlen korrespondieren mit den auf den ersten Blick widersprüchlichen Aussagen, wonach Unternehmen Stellen streichen und andererseits händeringend Mitarbeiter suchen. Neu geschaffen werden vor allem qualifiziertere Stellen. Fachleute müssen sich daher bisher in der Tat keine Sorge um ihren Arbeitsplatz machen. Das betrifft nicht nur die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PWC, KPMG oder Ernst & Young, die in jedem Jahr Tausende qualifizierter junger Studenten aufsaugen, sie weiterqualifizieren und nach einigen Jahren an Mandanten verlieren. Die Nachfrage auch nach Ingenieuren bleibt hoch.

Bewerber mit Plan B im Hinterkopf

„Die Krise geht zwar an uns nicht vorbei, dennoch haben wir Schwierigkeiten, Funktionen zu besetzen“, sagt Claus-Peter Jesch, Geschäftsführer Deutschland des Zahnfüllungsherstellers Dentsply. Das Unternehmen beschäftigt 270 Mitarbeiter in Konstanz am Bodensee und weitere 50 in Radolfzell. „Seit mehr als einem Jahr suchen wir über Headhunter, Anzeigen und Internet einen Assistenten des Betriebsleiters mit Personalverantwortung, einen Qualitätsingenieur (Pharma), einen klinischen Zahnarzt mit Marketingaufgaben (Productmanager) und einen Business-Analysten“, sagt Jesch. Vielen Bewerbern sei Konstanz trotz eines hohen Wohn- und Freizeitwertes zu abgelegen.

„Die Bewerber denken heute sicherheitsorientiert und gucken gleich, wie viele Ausweicharbeitsplätze gibt es in der Region, wenn es mit dem neuen Arbeitgeber nicht klappt.“ Aber auch bundesweit seien Stellen für Außendienstfunktionen nur schwer zu besetzen, wenn spezielle Kenntnisse wie in diesem Fall der Arbeit von Zahnärzten Einstellungsvoraussetzung seien.

Jobmaschine Edeka

Der größte Stellenschaffer ist derzeit das Einzelhandelsunternehmen Edeka – und zwar netto. Die Edeka wächst zwar schon zum Jahreswechsel durch die Übernahme der Plus-Kette von Tengelmann. Dadurch erhöht sich die Zahl der Edeka-Mitarbeiter um 27.000 auf 280.000. Aber unabhängig von dieser Übernahme will das Hamburger Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen durch eigene Expansion bis Ende 2010 etwa 25.000 neue Stellen schaffen. Demnach sollen von 2008 bis Ende 2010 rund 1000 Edeka- und Netto-Läden neu eröffnet werden, bekräftigte ein Sprecher von Deutschlands größtem Lebensmitteleinzelhändler jetzt noch einmal die Mittelfristplanung vom April dieses Jahres. In dieser Zahl sind allerdings Vollzeitbeschäftigte, Teilzeitbeschäftigte wie auch geringfügig Beschäftigte enthalten. Aktuell arbeiten 253.000 Menschen für die Edeka-Gruppe, darunter 13.000 Auszubildende.

Nicht mehr ganz so zuversichtlich sieht man die Einstellungspolitik dagegen bei der Deutschen Lufthansa. Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Fluggesellschaft, hatte zu Beginn des Jahres verkündet: 4300 neue Mitarbeiter sucht der Konzern im laufenden Jahr, davon 600 Hochschulabsolventen und gestandene Akademiker der Fachrichtungen Ingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaft und Informatik, denen ein Direkteinstieg oder ein Traineeprogramm angeboten wird.

Der Optimismus hat bis zur Jahresmitte getragen. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind fast 3000 der 4300 geplanten Einstellungen auch unterschrieben worden. Aber schon im August ahnte der Lufthansa-Vorstand nichts Gutes. Er verfügte über fast alle Konzernteile einen Einstellungsstopp. Ausgenommen sind nur der technische Bereich und das neue Tagungshotel der Fluggesellschaft in Seeheim-Jugenheim an der Bergstraße. Der Umbau des Vorgängerbaus ist seit zwei Jahren im Gang. Die Neueröffnung im Frühjahr 2009 war nicht mehr zu vermeiden. Damit werden knapp 200 Personen einen neuen Arbeitsplatz finden. Insgesamt sind aus den geplanten 4300 neuen Stellen in Deutschland aber doch nur gut 3000 geworden.

Einstellungsstopps und Kurzarbeit

Wie der Lufthansa geht es vielen Unternehmen. Im Laufe des Jahres wurde die Planung der sich eintrübenden Konjunktur angepasst. Es wurden zunächst Leiharbeitsstellen abgebaut, es wurden Einstellungsstopps verfügt, und es wurde für die kommenden Monate Kurzarbeit beantragt. Das hat der Medizintechnikhersteller Sartorius in Göttingen ebenso getan wie das Optikunternehmen Zeiss in Oberkochen. Der Spezialglashersteller Schott in Mainz dagegen versicherte noch vor wenigen Tagen, voll beschäftigt zu sein.

Wie eng Arbeitsplatzschaffung und Arbeitsplatzstreichung nebeneinanderliegen können, zeigt sich an dem Unternehmen Bosch. Während der Autozulieferer Bosch zunehmend die Absatzkrise in der Automobilindustrie spürt, expandiert das Unternehmen in der Nutzung der Sonnenenergie. Nach der Verlängerung der Sommerpause werde Bosch in der Automobilzulieferung seine Flexibilität bei Arbeitsplätzen und Lohn voll ausschöpfen, sagte Unternehmenssprecher Thomas Knoll zu den Auswirkungen der Autokrise.

Demnach senkt das Unternehmen nun in einigen Werken die Wochenarbeitszeit von 35 auf bis zu 30 Stunden, was für die betroffenen Mitarbeiter Einbußen von bis zu 15 Prozent des Lohns bedeute. „Zudem verlängern wir befristete Verträge in aller Regel nicht“, sagte Knoll. Der Anteil der vorübergehend Beschäftigten solle damit stark reduziert werden. Betriebsbedingte Entlassungen seien an Standorten im Ausland denkbar, „wo wir nicht über solche flexiblen Arbeitszeitmodelle verfügen“. Knoll nannte keine Zahlen. Bosch hatte zuvor bereits 5000 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt.

Nur einen Tag später berichtete der Stuttgarter Bosch-Konzern davon, sein Engagement im Bereich der Photovoltaik ausweiten zu wollen. Nachdem im Juni für rund eine Milliarde Euro die Erfurter Ersol AG übernommen wurde, wird dort jetzt kräftig investiert. Für 530 Millionen Euro ist der Ausbau der Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten von Ersol geplant, wodurch in Arnstadt 1100 neue Arbeitsplätze entstehen sollen. Damit wird die Belegschaft von Ersol in etwa verdoppelt. Das ändert nichts daran, dass 2008 erstmals nach zwei Jahren die Ankündigungen von Stellenstreichungen wieder über jenen von Stellenschaffungen liegen.

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Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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