15.06.2002 · Ein Geschworenengericht in Houston befand das Unternehmen Andersen für schuldig, tonnenweise Enron-Akten vernichtet zu haben.
Im Zusammenhang mit der Pleite des US-Energieriesen Enron ist das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Arthur Andersen wegen Behinderung der Justiz schuldig gesprochen worden. Ein Geschworenengericht in Houston im US-Bundesstaat Texas machte Andersen dafür verantwortlich, Ende vergangenen Jahres tonnenweise Akten ihres früheren Kunden Enron vernichtet und so die Ermittlungen über die Geschäftspraktiken bei dem Energieriesen behindert zu haben.
Experten zufolge könnte das Urteil Andersen den Todesstoß versetzen. Das Unternehmen nannte das Urteil „falsch“ und kündigte Berufung an. Das Strafmaß soll im Oktober bekannt gegeben werden.
Die zwölfköpfige Jury fällte ihr Urteil nach zehntägigen Beratungen einstimmig. Andersen-Anwalt Rusty Hardin kündigte an, das in Chicago ansässige Unternehmen werde gegen die Entscheidung Rechtsmittel einlegen. Er kritisierte in scharfer Form die Entscheidung der US-Regierung, juristisch gegen Andersen vorzugehen. Dadurch würde die künfige Zusammenarbeit der freien Wirtschaft mit der Regierung behindert, sagte er nach dem Urteil. In einer Erklärung betonte das Unternehmen, es habe „vollstens“ mit den Behörden kooperiert.
Weitere Klagen laufen
Andersen war in dem Verfahren angeklagt, die Ermittlungen zum Konkurs des Energiekonzerns Enron durch die Vernichtung von Akten massiv behindert zu haben. Eine außergerichtliche Einigung zwischen Andersen und dem Justizministerium als oberster Strafverfolgungsbehörde der USA war gescheitert, da Andersen sich geweigert hatte, ein schuldhaftes Vorgehen einzugestehen. Die Firma fürchtete, durch ein solches Eingeständnis seine Chancen in zwei anhängigen Zivilverfahren zu mindern. Neben dem Prozess in Houston ist Andersen mit einer Klage von Enron-Aktionären sowie einer Klage der Baptist Foundation of Arizona, einer Pleite gegangenen Investmentfirma, konfrontiert.
Andersen steckt als Folge der Enron-Affäre in massiven Schwierigkeiten. Die Enron-Pleite war die größte Firmenpleite der US-Geschichte. Enron-Manager stehen im Verdacht, im Vorfeld der Pleite Bilanzen manipuliert und sich selbst bereichert zu haben. Auch werden mögliche politische Verzweigungen des Skandals im US-Kongress untersucht. Enron hatte US-Präsident George W. Bush im Wahlkampf mit großzügigen Spenden unterstützt, aber auch an die heute oppositionellen Demokraten gespendet.
Imageverlust durch Enron-Pleite
Bis zur Enron-Affäre war Andersen die fünftgrößte Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberaterfirma der Welt. Der Imageverlust durch den Skandal hat jedoch dazu geführt, dass Andersen den größten Teil seines Auslandsgeschäfts aufgeben und auch innerhalb der USA drastische Einschnitte vornehmen musste. Deshalb erwarten viele Experten unabhängig vom Ausgang des Verfahrens in Houston, dass die Firma den Konkurs nicht vermeiden können wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2474 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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