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Energiewende : Der Ausbau der Stromnetze gerät immer weiter in Verzug

Der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland kommt nur langsam voran. Bild: dpa

Ein Jahr nach der Atomwende warnt die Bundesnetzagentur abermals vor Engpässen in der Stromversorgung. Im vergangenen Winter hätten die Netzbetreiber allein drei Mal auf die Kaltreserve zurückgreifen müssen, um einen Stromausfall zu verhindern.

          Auch rund ein Jahr nach der Atomwende ist die Gefahr von Stromausfällen nach Einschätzung der Bundesnetzagentur nicht gebannt. Bei wichtigen Leitungsprojekten zeichneten sich sogar zusätzliche Verzögerungen ab. „Die Fahrpläne mussten teilweise erneut um ein oder gar zwei Jahre nach hinten korrigiert werden. Für die Energiewende ist dies eine besorgniserregende Nachricht“, sagte der neue Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Behörde.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Es geht dabei um Stromleitungen, welche die Bundesregierung bereits vor ihren Beschlüssen zur Energiewende für vordringlich erklärt hatte, um Lücken im bestehenden Netz zu schließen. Von den geplanten 1834 Kilometern Leitungen sind bisher 214 Kilometer fertig gestellt worden. „Das ist schon nicht besonders berauschend.“ Noch beunruhigender sei, dass von den 214 Kilometern bislang weniger als 100 auch tatsächlich in Betrieb genommen worden seien.

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          Homann machte dafür die langwierigen Planungsverfahren und Abstimmungsschwierigkeiten zwischen den Bundesländern verantwortlich. Jene Leitungen sind aber nur ein Anfang. Die Planungen stammen noch aus der Zeit vor der Energiewende. Durch den nun geplanten massiven Ausbau der erneuerbaren Energie dürfte der tatsächliche Bedarf noch höher sein. Die Übertragungsnetzbetreiber arbeiten derzeit an einem Netzentwicklungsplan. Dieser soll spätestens am 3. Juni vorgelegt werden. In wenigen Wochen sei klar, wie viele Kilometer zusätzlich zu den 1800 gebaut werden müssten, sagte Homann. Er stimmte die Stromkunden auf steigende Belastungen ein: „Tempo hat seinen Preis. Steigende Netzkosten sind unvermeidlich“, sagte er.

          Nicht nur der schleppende Stromnetzausbau, sondern auch die geplante Abschaltung der Atomreaktoren bereiten Homann Sorgen. Die Stromversorgung bleibe nach der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke angespannt. Die restlichen neun Reaktoren sollen bis Ende 2022 vom Netz gehen. Um Engpässe zu vermeiden, sollten aber alte Kohle- und Gaskraftwerke länger am Netz bleiben, fordert die Netzagentur. „Stillzulegende Kraftwerke müssen gegebenenfalls als Kaltreserve verfügbar bleiben“, meinte Homann. So sollten auch die alten Blöcke des umstrittenen Eon-Kohlekraftwerks in Datteln nicht stillgelegt werden, ehe die neuen am Netz seien. Bislang soll Eon die 50 Jahre alten Blöcke wie im Jahr 2006 angekündigt bis Ende dieses Jahres stilllegen. Der Fertigbau des neuen Kraftwerks, in das Eon bereits eine Milliarde Euro investiert hat, liegt durch einen Gerichtsbeschluss nach Bürgerprotesten und Planungsfehlern bereits seit 2009 weitgehend still. Eon hofft dennoch, mit der Inbetriebnahme Ende 2013 beginnen zu können.

          Umstrittenes Eon-Kohlekraftwerk in Datteln: Wenn es nach der Bundesnetzagentur geht, sollen die alten Blöcke nicht stillgelegt werden, ehe die neuen am Netz sind.

          Im vergangenen Winter hatten die Netzbetreiber allein drei Mal auf Reservekraftwerke zurückgreifen müssen, um einen Stromausfall zu verhindern. Bei der sogenannten Kaltreserve handelt es sich um ältere Kraftwerke, die seit der Abschaltung von acht der 17 deutschen Atomkraftwerke 2011 für Engpässe als Notreserve vorgehalten werden.

          Homann rechnet damit, dass auch im kommenden Winter eine Kaltreserve von rund 1000 Megawatt vorgehalten werden muss. Die Netzbetreiber müssten hierzu rechtzeitig neue Verträge mit Kraftwerksbetreibern schließen. Im vergangenen Winter gehörten auch Anlagen aus Österreich dazu.

          Der neue Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann

          Verbraucher können sich ab sofort auf der Internetseite der Bundesnetzagentur über den aktuellen Stand beim Ausbau der Stromnetze informieren. Die entsprechenden Karten und Tabellen werden regelmäßig aktualisiert. Am kommenden Montag wird die Netzagentur zudem einen Bericht zur Netzsituation und den Schwierigkeiten im Winter vorlegen. „Die zentrale Botschaft wird lauten: Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung“, so Homann.

          Der Netzausbau gilt als eine der großen Herausforderungen bei der Energiewende. Dabei geht es unter anderem darum, Strom von den entstehenden großen Windparks vor Deutschlands Küsten im Norden in die Industriezentren im Westen und Süden zu leiten.

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