30.09.2009 · Der Energieverbrauch schwankt im Laufe eines Tages. Zudem wird auch Windstrom unregelmäßig eingespeist. Die Energieversorger müssen darauf unverzüglich reagieren. In den vier Verbundkonzernen gibt es bereits praxisnahe Kenntnisse über den Aufbau intelligenter Netze.
Von Werner SturbeckAttraktive Fußballspiele sorgen für Spannung auch in den Stromnetz-Steuerungszentralen. Wenn zu Beginn der Halbzeit Millionen Menschen in der Toilette das Licht anschalten oder sich in der Küche aus dem Eisschrank mit neuen Getränken versorgen, zieht der Verbrauch innerhalb weniger Sekunden rasant an. Minuten später kann er wieder deutlich abfallen. In den Steuerungszentralen ist die unverzügliche Reaktion auf solche starken Verbrauchsschwankungen längst Routine.
Wesentlich größere Probleme erwachsen dort inzwischen durch Einspeiseschwankungen aus dem stark expandierenden Kraftwerkspark für regenerative Energien, der inzwischen mehr als 15 Prozent des Strombedarfs deckt. Mit den Einspeisegebühren für Strom aus Windrädern, Wasserkraftwerken, Blockheiz- und Biomassekraftwerken oder Solarmodulen hat die Bundesregierung eine Strukturverschiebung hin zu dezentralen Kleinkraftwerken in Gang gesetzt. Auf diesen unregelmäßig anfallenden erneuerbaren Strom ist das den Stromversorgern gehörende öffentliche Netz nicht eingerichtet. „Die politisch gewollte dezentrale Einspeisung führt dazu, dass wir das Netz etwas umbauen müssen. Und wenn wir ein intelligentes Netz schaffen, können wir uns auch mit visionären neuen Produkten wie dem Elektroauto befassen“, erklärt Arndt Neuhaus, der Chef einer Regionalnetzgesellschaft im RWE-Konzern.
„In Spanien, Schweden oder Italien investieren wir bereits“
In den vier Verbundkonzernen gibt es bereits praxisnahe Kenntnisse über den Aufbau intelligenter Netze. Zum einen sind ihre Höchstspannungsnetze bereits mit der für die sogenannten „Smart Grids“ erforderlichen Informations- und Kommunikationstechnik verbunden. Zum anderen sind bei Eon, RWE und Vattenfall Konzerngesellschaften in Staaten aktiv, in denen der Aufbau intelligenter Netze erheblich weiter fortgeschritten ist. „In Spanien, Schweden oder Italien investieren wir bereits jährlich jeweils mehr als 100 Millionen Euro. In Deutschland ist der Betrag noch überschaubar, weil hier noch die gesetzlichen Rahmenbedingungen fehlen“, sagte Markus Ewert von der Eon-Konzernentwicklung.
Einer der wichtigsten noch offenen Punkte ist die Umlage der Kosten. Bei den vom nächsten Jahr an für Neubauten vorgeschriebenen sogenannten intelligenten Zählern wird die Investition auf die Netznutzungsgebühren umgelegt. Für die bestehenden Haushalte gibt es noch keine verbindliche Regelung, so dass die von Versorgungskonzernen für Feldversuche in mehreren hunderttausend Haushalten bereits installierten neuen Zähler unter Forschungskosten verbucht werden. Kleinere Versorger und Stadtwerke haben dagegen nicht die Finanzkraft, um sich schon jetzt intensiv dem auf sie zukommenden Netzumbau zu widmen.
Lastprofil für einzelne Stadtteile
Dabei stehen alle Stromversorger, ob groß oder klein, vor einem Umbruch. Mit der neuen Zählergenerationen kann der Verbraucher auf längere Sicht vom Kunden zum Partner des Energieversorgers werden. In der jetzigen Anwendung des „Smart Meter“ beobachtet der Verbraucher, welche elektrischen Geräte gerade arbeiten und wie viel Strom sie dafür brauchen. Darauf kann er Einfluss nehmen. Sein Lieferant erhält ein genaues Bild vom sogenannten Lastprofil, sieht, zu welchen Stunden im einzelnen Haushalt welche Strommenge benötigt wird. Bei einer flächendeckenden Zählerausstattung erhalten die Versorger somit die Möglichkeit, ein Lastprofil für einzelne Siedlungsgebiete oder Stadtteile zu ermitteln.
Die zweite Stufe ist die Einbindung der Stromverbraucher in das intelligente Netz. Steuerbare dezentrale Energiequellen, also kleine Wasserkraftwerke und Blockheizkraftwerke können in diesem Netz zu virtuellen Kraftwerken geschaltet werden, die der Versorger dann entsprechend seinem Bedarf steuert. Die dritte Entwicklungsstufe ist eine starke Erweiterung der bislang sehr begrenzt möglichen Stromspeicherung. Hier wird das Elektroauto über die damit verbundene CO2-Einsparung mit bald leistungsfähigen Batterien eine wichtige Rolle übernehmen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2474 | −0,12% |
| Rohöl Brent Crude | 106,35 $ | −0,47% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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