Home
http://www.faz.net/-gqe-76gwx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Energieversorger „ENBW braucht einen Kulturwandel“

ENBW-Chef Frank Mastiaux muss den kernkraftwerklastigen Versorger in die Nachatom-Ära führen. Nun hat er seine Pläne skizziert - blieb dabei aber vage.

© dpa Vergrößern ENBW-Kernkraftwerk Philippsburg: Block 1 ist bereits stillgelegt, Block 2 folgt spätestens im Jahr 2019.

Die Energie Baden Württemberg (ENBW) wird nach dem Willen des neuen Vorstandsvorsitzenden Frank Mastiaux einen dramatischen Kulturwandel durchlaufen. „Wir wollen der erste konsequent auf den Kunden ausgerichtete große Energieversorger sein“, sagte Mastiaux bei der Vorstellung seiner Pläne am Konzernsitz in Karlsruhe. Inhaltlich blieb Mastiaux, der den drittgrößten deutschen Energieversorger seit Oktober führt, allerdings vage.

Bernd  Freytag Folgen:

Konkrete Vorgaben machte der Manager der den kernkraftwerklastigen Versorger in die Nachatom-Ära führen soll, noch nicht. Veränderungen erreiche man weder über Nacht noch mit spektakulären Einzelaktionen, hieß es dazu. Der Vorstand habe daher eine Gruppe von 15 Strategen eingesetzt, die ergebnisoffen die Möglichkeiten der ENBW in der Zukunft ausloten soll. Einen „ersten Werkstattbericht“ erwartet Mastiaux Anfang März.

EnBW - Frank Mastiaux © dpa Vergrößern Frank Mastiaux

Das neue Team soll nach seinen Worten ein Dreisäulenmodell liefern, also festlegen wo und welches Geschäft Erfolg verspreche, wie die ENBW „dort gewinnen“ könne und wie sich das Unternehmen dafür organisatorisch aufstellen müsse. „Dazu werden wir ein finanzwirtschaftliches Spiegelbild erarbeiten.“ Der Energiemarkt verändere sich dramatisch, „die ENBW wird es auch tun“. Er selbst wolle sich stark einbringen, direkt mit Kunden sprechen sowie „jede interne“ Beschwerde lesen. „Ich möchte den Herzschlag des Unternehmens spüren.“ In der Analyse zeigte sich der von Eon gewechselte Mastiaux schonungslos: Zwar hätte sich beim Aufbau von Erneuerbaren Energien viel getan, aber die ENBW habe noch nicht die kritische Masse erreicht.

Jeder einzelne Kraftwerksblock wird auf Profitabilität hin überprüft

ENBW müsse effizienter werden und seine Arbeitsabläufe vereinfachen. Mastiaux setzt zudem auf internen Wettbewerb und will sich regelmäßig an erfolgreichen Unternehmen messen. Zudem brauche die ENBW eine „völlig andere Dialogorientierung“. Der Konzern müsse wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf den Markt und die Kunden richten und „auf Dinge, die um einen herum passieren.“ Die Außenwahrnehmung sei in der neuen Energiewelt auch strategisch wichtig.

Auf Basis dieses Befunds hat Mastiaux dem Unternehmen das Programm „ENBW 2020“ verordnet, das den Kulturwandel forciert. Danach müsse die Organisation schlanker aufgestellt werden und eine neue Unternehmens- und Führungskultur entstehen. Jede Beteiligung und jeder einzelne Kraftwerksblock wird laut Mastiaux künftig auf ihre Profitabilität hin überprüft. Gegenwärtig arbeite kein Gaskraftwerk wirtschaftlich, die Auslastung liege gerade mal bei 100 Stunden Vollbetrieb im Jahr.

Auf absehbare Zeit aber könne die Versorgungssicherheit in Industriebetrieben in Deutschland nur mit konventionellen Kraftwerken sichergestellt werden. „Wir müssen eine andere ökonomische Lösung finden, damit wir sie im Bestand halten“, sagte er mit Anspielung auf die Idee von Kapazitätsmärkten. In einem solchen Szenario würden Unternehmen schon allein dafür bezahlt, dass sie Kapazitäten vorhalten. Am Ziel, das Beteiligungsportfolio um 1,5 Milliarden Euro zu verringern, hält Mastiaux fest. Bis 2014 stünden noch 1 Milliarde Euro an Beteiligungen zum Verkauf. In welchen Auslandsmärkten ENBW künftig aktiv sein will, ließ er ebenfalls offen. Wegen der sinkenden Margen im Servicegeschäft könne es jedoch sinnvoll sein, neue Dienstleistungen auch international anzubieten. Der Kulturwandel und Organisationsumbau soll 2020 abgeschlossen sein.

Mehr zum Thema

Die Idee einer Strompreisbremse von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) kommentierte Mastiaux zurückhaltend. Es sei jedoch richtig, das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) weiterzuentwickeln und nicht durch neue Regelungen zu ersetzen. Dabei gehe es darum, das EEG in Richtung Markt zu erweitern.

Zu den Korruptionsvorwürfen in Russland und den Klagen gegen eigene Führungsmitglieder wollte sich Mastiaux nicht äußern. Er habe bei Amtsantritt „mit Blick nach vorne“ ein Compliance-Team zusammengesetzt, die Berichterstattungszeiten verkürzt sowie einen Ombudsmann installiert, der intern auch anonymen Vorwürfen nachgehe. Und er werde die ohnehin geplante Überprüfung der Verhaltensrichtlinien durch externe Gutachter zeitlich vorziehen, kündigte er an.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prokon-Übernahme Es sieht gut aus für EnBW

EnBW will in erneuere Energien investieren. Die wichtigsten Gläubiger des insolventen Windparkbetreibers Prokon haben den Konzern jetzt als Investor ausgewählt. Entschieden ist damit aber noch nichts. Mehr

12.05.2015, 20:59 Uhr | Wirtschaft
EnBW-Chef Frank Mastiaux Der Mann für die Wende

Herkulesaufgabe, Himmelfahrtskommando – so das Medienecho zu Frank Mastiaux. Der Mann an der Spitze des Energiekonzerns EnBW steht wie kaum ein anderer Vorstandschef Deutschlands unter Beobachtung. Er muss einen Konzern, der lange sehr gut vom Atomstrom lebte, zu einem grünen Konzern umbauen. Mehr

19.03.2015, 10:27 Uhr | Wirtschaft
Mittelstandsanleihen-Ticker MS Deutschland wird doch kein ägyptisches Wohnschiff

Die MS Deutschland ist mit unbekannter Verwendungsabsicht in die Hände amerikanischer Betreiber übergegangen. Großaktionär Unister will Travel24-Aufsichtsratschef Kirchhof absetzen. Mehr

19.05.2015, 12:19 Uhr | Wirtschaft
Cyber-Angriffe Tipps für Unternehmen gegen Internet-Attacken

Verlust von Kunden- oder Unternehmensdaten, Betriebsstörungen durch Computerschädlinge, bis hin zum Imageverlust: Deutlich mehr Unternehmen haben mit Angriffen aus dem Internet zu kämpfen. Aber investieren Unternehmen genug in die IT-Sicherheit? Joachim Bühler vom Branchenverband Bitkom gibt Antworten. Mehr

17.02.2015, 10:18 Uhr | Wirtschaft
Plan der Handy-Firmen Ein Werbeblocker fürs ganze Handynetz

Keine Internet-Werbung auf dem Handy? Wenn es nach Europas Netzbetreibern geht, könnte das bald so kommen. Sie denken über einen Werbeblocker nach. Aber eine lukrative Hintertür soll offen bleiben. Mehr

15.05.2015, 07:43 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.02.2013, 16:30 Uhr

Verordnete Einheit

Von Heike Göbel

Zum ersten Mal erntet die Bundesarbeitsministerin Lob aus der Wirtschaft. Aber tatsächlich sieht es eher so aus, als würde das neue Tarifeinheits-Gesetz Verteilungskonflikte verschärfen. Mehr 5 9


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden