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Energieversorger „ENBW braucht einen Kulturwandel“

 ·  ENBW-Chef Frank Mastiaux muss den kernkraftwerklastigen Versorger in die Nachatom-Ära führen. Nun hat er seine Pläne skizziert - blieb dabei aber vage.

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© dpa Vergrößern ENBW-Kernkraftwerk Philippsburg: Block 1 ist bereits stillgelegt, Block 2 folgt spätestens im Jahr 2019.

Die Energie Baden Württemberg (ENBW) wird nach dem Willen des neuen Vorstandsvorsitzenden Frank Mastiaux einen dramatischen Kulturwandel durchlaufen. „Wir wollen der erste konsequent auf den Kunden ausgerichtete große Energieversorger sein“, sagte Mastiaux bei der Vorstellung seiner Pläne am Konzernsitz in Karlsruhe. Inhaltlich blieb Mastiaux, der den drittgrößten deutschen Energieversorger seit Oktober führt, allerdings vage.

Konkrete Vorgaben machte der Manager der den kernkraftwerklastigen Versorger in die Nachatom-Ära führen soll, noch nicht. Veränderungen erreiche man weder über Nacht noch mit spektakulären Einzelaktionen, hieß es dazu. Der Vorstand habe daher eine Gruppe von 15 Strategen eingesetzt, die ergebnisoffen die Möglichkeiten der ENBW in der Zukunft ausloten soll. Einen „ersten Werkstattbericht“ erwartet Mastiaux Anfang März.

Das neue Team soll nach seinen Worten ein Dreisäulenmodell liefern, also festlegen wo und welches Geschäft Erfolg verspreche, wie die ENBW „dort gewinnen“ könne und wie sich das Unternehmen dafür organisatorisch aufstellen müsse. „Dazu werden wir ein finanzwirtschaftliches Spiegelbild erarbeiten.“ Der Energiemarkt verändere sich dramatisch, „die ENBW wird es auch tun“. Er selbst wolle sich stark einbringen, direkt mit Kunden sprechen sowie „jede interne“ Beschwerde lesen. „Ich möchte den Herzschlag des Unternehmens spüren.“ In der Analyse zeigte sich der von Eon gewechselte Mastiaux schonungslos: Zwar hätte sich beim Aufbau von Erneuerbaren Energien viel getan, aber die ENBW habe noch nicht die kritische Masse erreicht.

Jeder einzelne Kraftwerksblock wird auf Profitabilität hin überprüft

ENBW müsse effizienter werden und seine Arbeitsabläufe vereinfachen. Mastiaux setzt zudem auf internen Wettbewerb und will sich regelmäßig an erfolgreichen Unternehmen messen. Zudem brauche die ENBW eine „völlig andere Dialogorientierung“. Der Konzern müsse wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf den Markt und die Kunden richten und „auf Dinge, die um einen herum passieren.“ Die Außenwahrnehmung sei in der neuen Energiewelt auch strategisch wichtig.

Auf Basis dieses Befunds hat Mastiaux dem Unternehmen das Programm „ENBW 2020“ verordnet, das den Kulturwandel forciert. Danach müsse die Organisation schlanker aufgestellt werden und eine neue Unternehmens- und Führungskultur entstehen. Jede Beteiligung und jeder einzelne Kraftwerksblock wird laut Mastiaux künftig auf ihre Profitabilität hin überprüft. Gegenwärtig arbeite kein Gaskraftwerk wirtschaftlich, die Auslastung liege gerade mal bei 100 Stunden Vollbetrieb im Jahr.

Auf absehbare Zeit aber könne die Versorgungssicherheit in Industriebetrieben in Deutschland nur mit konventionellen Kraftwerken sichergestellt werden. „Wir müssen eine andere ökonomische Lösung finden, damit wir sie im Bestand halten“, sagte er mit Anspielung auf die Idee von Kapazitätsmärkten. In einem solchen Szenario würden Unternehmen schon allein dafür bezahlt, dass sie Kapazitäten vorhalten. Am Ziel, das Beteiligungsportfolio um 1,5 Milliarden Euro zu verringern, hält Mastiaux fest. Bis 2014 stünden noch 1 Milliarde Euro an Beteiligungen zum Verkauf. In welchen Auslandsmärkten ENBW künftig aktiv sein will, ließ er ebenfalls offen. Wegen der sinkenden Margen im Servicegeschäft könne es jedoch sinnvoll sein, neue Dienstleistungen auch international anzubieten. Der Kulturwandel und Organisationsumbau soll 2020 abgeschlossen sein.

Die Idee einer Strompreisbremse von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) kommentierte Mastiaux zurückhaltend. Es sei jedoch richtig, das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) weiterzuentwickeln und nicht durch neue Regelungen zu ersetzen. Dabei gehe es darum, das EEG in Richtung Markt zu erweitern.

Zu den Korruptionsvorwürfen in Russland und den Klagen gegen eigene Führungsmitglieder wollte sich Mastiaux nicht äußern. Er habe bei Amtsantritt „mit Blick nach vorne“ ein Compliance-Team zusammengesetzt, die Berichterstattungszeiten verkürzt sowie einen Ombudsmann installiert, der intern auch anonymen Vorwürfen nachgehe. Und er werde die ohnehin geplante Überprüfung der Verhaltensrichtlinien durch externe Gutachter zeitlich vorziehen, kündigte er an.

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