31.12.2006 · Die Art, wie Rußland und Gasprom mit ihren Gasabnehmern umspringen, läßt auch in Deutschland Fragen nach der Energiesicherheit immer drängender werden. Kann Gasprom unsere Heizungen abstellen? Schon möglich!
Die Art, wie Rußland beziehungsweise der halbstaatliche Energieriese Gasprom mit seinen Gasabnehmern umspringt, läßt nun auch in Deutschland Fragen nach der Energiesicherheit immer drängender werden.
1. Wird Deutschland frieren, wenn der russische Energieversorger Gasprom den Gashahn zudreht?
Deutschland bezieht ein Drittel seines Erdgases aus Rußland von der staatlichen Gasprom. Wenn die Russen die Lieferungen stoppen, kann Deutschland für rund 60 bis 90 Tage auf Gasreserven zurückgreifen. Die Speicher sind gut gefüllt, weil es so warm war. Danach wird es kritisch. Denn manche anderen Lieferanten haben selbst kaum genug Gas. Hoffnungen richten sich dagegen auf Norwegen, das bisher schon ein Viertel des deutschen Bedarfs deckt.
2. Wird Gasprom die Gaslieferungen jetzt stoppen?
Nein. Selbst in den kältesten Phasen des Kalten Krieges hat Rußland geliefert. Schwierigkeiten entstehen immer, wenn Gasprom sich mit Ländern streitet, durch die jene Transitpipelines gehen, die russisches Gas nach Europa bringen. Voriges Jahr gab es Streit mit der Ukraine, jetzt mit Weißrußland. Weißrußland droht, die Transitlieferungen abzufangen, wenn mit Gasprom keine Einigung über den eigenen Gasbezug hergestellt werden kann. Dann könnte in Deutschland das Gas knapp werden. Aber nur kurzfristig. Durch Weißrußland fließen nur 20 Prozent des russischen Gases, 80 Prozent gehen durch die Ukraine.
3. Bleibt Gasprom auf Dauer ein zuverlässiger Energielieferant?
Das darf bezweifelt werden. Die gute Nachricht ist, daß sich deutsche Energieversorger (die BASF-Tochter Wintershall und Eon) langfristige Lieferverträge gesichert haben, die über das Jahr 2030 hinausgehen. Die Ostseepipeline nach Deutschland erhöht die Energiesicherheit zusätzlich. Zudem ist Deutschland im Moment noch der wichtigste Kunde der Russen, den es nicht zu verprellen gilt. Allerdings gibt es sowohl politische als auch wirtschaftliche Gründe, an Gasprom zu zweifeln. Der wahre Chef des Unternehmens ist der russische Staatspräsident Wladimir Putin. Dessen Ziele mit Gasprom sind vielfältig. Einerseits soll das Unternehmen viel Gewinn machen, um Steuern und Dividenden überweisen zu können. Außerdem soll der Konzern die Russen billig, das heißt oft unter Produktionskosten, mit Gas versorgen, um soziale Krisen im Inland zu vermeiden. Weiter muß Gasprom Unternehmen jenseits des Kerngeschäfts kaufen, wenn Putin es wünscht; zum Beispiel mißliebige Medien übernehmen. Schließlich ist Gasprom offenbar ein Instrument, um politische Nachbarn in Schach zu halten.
Moskaus Bereitschaft zur Instrumentalisierung des Energieversorgers könnten auch für Deutschland gefährlich werden. Dann nämlich, wenn Deutschland in wichtigen politischen Fragen Rußland nicht folgen will. Wirtschaftlich problematisch ist, daß Gasprom politisch investiert, statt seine Förderung und seine Exploration zu verbessern. Denn obwohl das Unternehmen auf den größten Reserven der Welt sitzt, mehren sich Zweifel, daß das Gasprom-Management fähig und frei genug ist, die Bodenschätze zügig und effizient herauszuholen.
4. Wie kann Deutschland sich unabhängig von Rußlands Gaslieferungen machen?
Die naheliegende Antwort lautet: sich neue Lieferanten suchen. Das ist nicht ganz einfach. Diejenigen, die bisher schon viel liefern, leiden selber unter der Knappheit. Allein Norwegen dürfte noch zusätzliche Kapazitäten haben. Um die wetteifern allerdings viele Kunden, zum Beispiel Großbritannien, dessen Vorkommen sich leeren. Der Kreis der potentiellen Lieferanten steigt, wenn neue Pipelinepläne durchs Mittelmeer und nach Osteuropa Wirklichkeit werden. Schließlich könnte Flüssiggas die Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas mildern. Deutschland baut an der Küste ein Terminal zur Aufnahme und Gasifizierung von Flüssiggas. Im liquiden Aggregatzustand kann Gas per Schiff transportiert werden. Allerdings ist der Wettbewerb um Flüssiggas groß.
5. Warum verfeuern wir nicht einfach mehr Steinkohle statt Gas?
Gegen die Verfeuerung deutscher Steinkohle spricht der Preis. Selbst bei optimistischer Prognose bleibt die Förderung hierzulande deutlich teurer als in den meisten anderen Ländern der Welt. Deutsche Steinkohle liegt zu tief in der Erde. Gegen die Verfeuerung von Steinkohle allgemein spricht auch das Kyoto-Ziel. Steinkohlekraftwerke emittieren mehr Kohlendioxyd als Gaskraftwerke. Deutschland hat aber versprochen, die Emissionen zu senken, und jetzt schon Schwierigkeiten, das Versprechen zu halten.
6. Und die Sonne?
Selbst bei optimistischen Prognosen werden Sonne, Wind und Wasser das Gas nicht ersetzen können in den nächsten 20 Jahren.
7. Und Atomkraft?
Atomkraft hat den Vorteil, kaum Kohlendioxyd in die Luft zu blasen und somit die Erreichung der Kyoto-Ziele zu erleichtern. Der Rohstoff Uran hat noch eine lange Reichweite. Allerdings haben die deutschen Energieversorger und die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernkraft vertraglich festgelegt. Nach und nach sollen alle Kernkraftwerke abgestellt werden, obwohl sie technisch und wirtschaftlich noch deutlich länger laufen könnten. Die Politik steigert Deutschlands Abhängigkeit von Gasimporten dramatisch. Denn Gaskraftwerke sollen in erster Linie die Stromerzeugungskapazitäten ersetzen, die durch das Abschalten der Atomkraftwerke verlorengehen. In vergleichbarer Lage reagieren andere Länder anders: Der britische Premierminister Tony Blair kündigte kürzlich den Neubau eines Atomkraftwerks in England an, um mögliche Energiekrisen zu vermeiden. Finnland baut bereits eins. Frankreich denkt darüber nach.
8. Kann Deutschland selbst mehr eigenes Gas fördern?
Die heimische Förderung liegt bei 18 Prozent des Verbrauchs. Tatsächlich wird versucht, alte bekannte Vorkommen durch neue Techniken noch besser auszubeuten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |