Es ist alles andere als eine Kleinigkeit am Ölmarkt, wenn Iran den Rohstoff nicht mehr in die Europäische Union liefert. Iran ist nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Anbieter in der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) und lieferte vor dem EU-Embargo etwa 18 Prozent seines täglichen Ölexports nach Europa, besonders nach Italien, Spanien und Griechenland. Wegen des Atomstreits zwischen dem Westen und Iran haben nicht nur die Vereinigten Staaten Sanktionen ausgesprochen. Seit Anfang Juli gilt auch ein EU-Importstopp für iranisches Öl.
Trotz solcher drastischen Maßnahmen herrscht am Ölmarkt wieder etwas Entspannung. Das ist bemerkenswert, weil die Aussicht auf Lieferengpässe durch die Iran-Krise die Preise für Öl noch im März dieses Jahres in die Höhe getrieben hatte. Autofahrer zahlten hierzulande Rekordpreise an der Tankstelle. Mittlerweile sind die Preise für europäisches Brentöl - verglichen mit den Höchstständen im Frühjahr - um 20 Prozent gesunken. Auch die zahlreichen Forderungen nach einer Öffnung der strategischen Ölreserven sind verstummt.
In Amerika sorgen neue Fördertechniken für ein Überangebot
Die europäischen Ölverbraucher kommt das Embargo derzeit nicht ganz so teuer zu stehen, wie noch Anfang des Jahres befürchtet worden war. Die Lage am Ölmarkt sorgt für niedrigere Kosten bei den Unternehmen, die den Rohstoff zur Produktion nutzen. Fluggesellschaften profitieren, denn Öl zählt zu einem ihrer größten Kostenblöcke. Autofahrer zahlen etwas weniger an der Tankstelle, viele Hausbesitzer füllen ihre Heizöltanks auf. Ebenso sinkt die Inflationsrate und ermöglicht Notenbanken, die Geldpolitik weiter zu lockern.
Neben schlechten Konjunkturaussichten auf der Welt, dem Rückzug spekulativ orientierter Finanzanleger sowie der Schuldenkrise hat vor allem das größere Ölangebot dazu geführt, dass die Preise nachgeben. Saudi-Arabien hat in den vergangenen Monaten seine Förderung kräftig gesteigert und liefert so viel wie seit 30 Jahren nicht mehr. Auch Libyens Ölwirtschaft hat sich nach dem Ende des Bürgerkrieges wieder stabilisiert. Hinzu kommt, dass Iraks Ölproduktion auf einem 20-Jahres-Hoch ist. Damit schickt der Irak sich an, Iran als zweitwichtigsten Opec-Anbieter abzulösen. Zudem sorgen in den Vereinigten Staaten neue Fördertechniken wie das Fracking, mit dem nun auch Öl im Schiefer erschlossen wird, für ein Überangebot an Öl. Amerika ist der größte Ölverbraucher; seine Öllager sind so voll wie seit dem Jahr 1990 nicht mehr. Dies drückt die Preise, zumal Amerika das große Angebot nicht schnell genug und in großen Mengen exportieren kann. Dafür fehlen die Pipelinekapazitäten.
Die Iran-Krise könnte sich wieder verschärfen
Derweil scheinen die Sanktionen gegen Iran zu wirken: Nach Schätzungen sind Irans Einnahmen wegen des Ölembargos dieses Jahr schon um mindestens 10 Milliarden Dollar gesunken. Im Mai produzierte das Land rund 3,3 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl am Tag. Es ist damit zu rechnen, dass es in der zweiten Jahreshälfte pro Tag 1 Million Barrel weniger sein werden. Iran hat noch Ölkunden wie zum Beispiel China und Indien. Doch gibt es zunehmend Probleme, den Rohstoff auszuführen. So bezieht Südkorea kein Öl mehr aus Iran. Südkoreas Verzicht hat auch damit zu tun, dass europäische Versicherungsgesellschaften wegen des EU-Embargos die iranischen Ölladungen nicht mehr absichern wollen. Es gibt zwar alternative Versicherungen, doch die europäischen Versicherungsanbieter beherrschen den Öltankermarkt.
Nicht nur Iran, sondern auch andere Ölförderländer sind zur Finanzierung ihrer Staatshaushalte auf hohe Öleinnahmen angewiesen. Kein Wunder, dass es in der Opec längst eine Debatte gibt, ob die Fördermenge nicht gesenkt werden sollte. Doch die zwölf Opec-Länder, die für rund 40 Prozent des Weltölangebots sorgen, haben Mitte Juni entschieden, ihre tägliche Fördermenge bei 30 Millionen Barrel zu belassen. Allerdings wird diese Übereinkunft schon länger gebrochen. Die Opec pumpt jeden Tag rund 32 Millionen Barrel. Saudi-Arabien hat durchblicken lassen, dass es mit der derzeitigen Situation am Ölmarkt gut leben könne. Ölpreise von rund 100 Dollar seien angemessen.
Es stimmt, dass Ölpreise in dieser Höhe die Investitionsbereitschaft der Ölförderkonzerne stimulieren. Doch die Frage bleibt, wie lange Länder wie Saudi-Arabien gewillt sind, ihre hohe Förderung aufrechtzuerhalten.
Zudem gibt es viele Unwägbarkeiten, die das Preisniveau am Ölmarkt bestimmen: Die Iran-Krise könnte sich wieder verschärfen. Entscheidend ist aber die Weltkonjunktur. Es geht darum, wie viel Öl in Asien verbraucht wird. Bisher hatte diese Region eine hohe Nachfrage. Doch die Wirtschaftsdaten aus China - dem führenden Energieverbraucher - bleiben intransparent. So ist unklar, wie viel Öl China im Verkehr und in der Industrie nutzt oder in den Aufbau der eigenen Ölreserven fließt. Sicher ist: Der Verkehr in Asien dürfte in den kommenden Jahren eher zunehmen und damit auch der Ölbedarf. Gleichzeitig nimmt in Westeuropa die Ölnachfrage seit Jahren ab. Sicher bleibt auch: Die Preisschwankungen am Ölmarkt werden hoch sein - vor allem wegen der Unwägbarkeiten bezüglich Europas Schuldenkrise.
Der Ölpreis fällt...
Reinhard Bachmeier (reini12)
- 08.07.2012, 09:50 Uhr
noch einmal für 1,50 Super tanken
Heino Molzahn (GOLDPOOL)
- 08.07.2012, 01:57 Uhr