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Veröffentlicht: 20.04.2017, 16:42 Uhr

Windparks auf See Null Cent für den Strom vom Meer

Energie aus Offshore-Windkraftanlagen gibt es bald auch ohne staatliche Förderung. Aber der Preissturz im Bieterverfahren macht nicht alle froh.

von , Berlin
© dpa Energie aus See-Windparks ist bald auch ohne staatlichen Zuschuss profitabel.

Die Politik sieht in dem unerwarteten Preissturz für neue Meereswindparks einen Beleg für die Richtigkeit des neuen Verfahrens, die Förderhöhe für Ökostrom in Ausschreibungen zu ermitteln. In der Ökostrombranche wird lebhaft über die Folgen der Ausschreibung debattiert, deren Ergebnis laut Bundesnetzagentur „weit unterhalb der Erwartungen“ lag.

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Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte: „War harte Arbeit, mit (Wirtschaftsminister) Sigmar Gabriel & anderen: Globaler Sieg von Ökostrom gelingt nur, wenn bezahlbar für alle.“ Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sagte der F.A.Z., es sei „goldrichtig, die Zuschläge für erneuerbaren Strom nicht mehr politisch festzulegen, sondern durch Ausschreibungen zu ermitteln“.

In einer Ausschreibung bekommt der Bieter den Zuschlag, der für eine festgelegte Menge die geringste Förderung verlangt. Vorige Woche hatte die Netzagentur den Bau von drei Nordsee-Windparks vergeben, für die die Konzerne ENBW und Bieter Dong Energy keine Förderung verlangt hatten. Für den Bau eines vierten Parks bekam Dong die geforderten 6 Cent je Kilowattstunde, womit die Förderung dieser ersten Ausschreibungsrunde im Mittel 0,44 Cent je Kilowattstunde beträgt. Aktuell ist die Förderung auf See 44 Mal so hoch.

Union für technologieneutrale Ausschreibungen

Ungeachtet Altmaiers Lob für den Koalitionspartner, spart Fuchs nicht mit Kritik an dem früheren Wirtschaftsminister Gabriel: „Ich wünschte, das Wirtschaftsministerium wäre noch viel mutiger und schneller vorgegangen.“ Denn jetzt müsse man „ertragen, dass Offshore-Anlagen, die bis Ende 2019 ans Netz gehen, in ihren ersten 8 Jahren 19,4 Cent pro Kilowattstunde erhalten“.

Trotz der niedrigen Gebote dürfe man nicht den Blick auf die wachsenden indirekten Kosten des Ökostromausbaus verlieren, etwa beim Netzausbau oder der Versorgungssicherung, „wenn Sonne und Wind nicht verfügbar sind“.

Deshalb müssten die Ausschreibungen verändert werden. Statt Jahresmengen für einzelne Technologien wie Wind oder Photovoltaik anzubieten, plädiert Fuchs für „technologieneutrale Ausschreibungen, bei denen unterschiedliche Erneuerbare-Technologien, möglicherweise in Kombination mit Speichertechnologien, in einen echten Wettbewerb um Netzverträglichkeit und bedarfsgerechte Stromerzeugung eintreten“. Ohne die Änderung „werden uns die Netzentgelte in den nächsten Jahren völlig aus dem Ruder laufen“.

Stefan Kapferer, Chef des Branchenverbands BDEW, sagte der F.A.Z., die Erneuerbaren stellten ihre Wettbewerbsfähigkeit immer stärker unter Beweis. „Das bietet die Chance, mittelfristig wieder zu mehr Markt im Erzeugungsbereich zu kommen.“ Die Berater von Aurora Energy Research analysierten, Gebote von null Cent seien „sowohl eine Wette auf stark sinkende Investitionskosten als auch auf steigende Strompreise“. Matthias Zelinger vom Maschinenbauverband VDMA wies auf die hohe Konkurrenz unter den Bietern hin, die alle mit entwickelten Projekten angetreten seien. Er warnte vor voreiligen Schlüssen für die nächste Ausschreibung im kommenden Frühjahr.

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Die Offshore-Branche verlangte, angesichts der niedrigen Gebote „die Ausbauziele für die Windenergie auf See nach oben zu öffnen“. Offshore könne „der Kern einer preiswerten Energiewende werden“. Der Bundesverband Windenergie, der viele Betreiber von Windanlagen an Land vertritt, warf den Offshore-Bietern vor, sie gingen hohe Risiken ein. Mittelständische und kleine Anbieter könnten „nicht so spekulativ agieren“. Ausschreibungen brauchten „mehr Leitplanken“.

Derzeit läuft die erste Ausschreibung für Windenergie an Land. Die offerierten 800 Megawatt wurden nur leicht überzeichnet. Das deutet, anders als auf See, nicht auf einen Bieterkampf um die geringste Förderung hin.

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