http://www.faz.net/-gqe-8x1ly

Windparks auf See : Null Cent für den Strom vom Meer

Energie aus See-Windparks ist bald auch ohne staatlichen Zuschuss profitabel. Bild: dpa

Energie aus Offshore-Windkraftanlagen gibt es bald auch ohne staatliche Förderung. Aber der Preissturz im Bieterverfahren macht nicht alle froh.

          Die Politik sieht in dem unerwarteten Preissturz für neue Meereswindparks einen Beleg für die Richtigkeit des neuen Verfahrens, die Förderhöhe für Ökostrom in Ausschreibungen zu ermitteln. In der Ökostrombranche wird lebhaft über die Folgen der Ausschreibung debattiert, deren Ergebnis laut Bundesnetzagentur „weit unterhalb der Erwartungen“ lag.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte: „War harte Arbeit, mit (Wirtschaftsminister) Sigmar Gabriel & anderen: Globaler Sieg von Ökostrom gelingt nur, wenn bezahlbar für alle.“ Der Vize-Vorsitzende der Unionsfraktion, Michael Fuchs (CDU), sagte der F.A.Z., es sei „goldrichtig, die Zuschläge für erneuerbaren Strom nicht mehr politisch festzulegen, sondern durch Ausschreibungen zu ermitteln“.

          In einer Ausschreibung bekommt der Bieter den Zuschlag, der für eine festgelegte Menge die geringste Förderung verlangt. Vorige Woche hatte die Netzagentur den Bau von drei Nordsee-Windparks vergeben, für die die Konzerne ENBW und Bieter Dong Energy keine Förderung verlangt hatten. Für den Bau eines vierten Parks bekam Dong die geforderten 6 Cent je Kilowattstunde, womit die Förderung dieser ersten Ausschreibungsrunde im Mittel 0,44 Cent je Kilowattstunde beträgt. Aktuell ist die Förderung auf See 44 Mal so hoch.

          Union für technologieneutrale Ausschreibungen

          Ungeachtet Altmaiers Lob für den Koalitionspartner, spart Fuchs nicht mit Kritik an dem früheren Wirtschaftsminister Gabriel: „Ich wünschte, das Wirtschaftsministerium wäre noch viel mutiger und schneller vorgegangen.“ Denn jetzt müsse man „ertragen, dass Offshore-Anlagen, die bis Ende 2019 ans Netz gehen, in ihren ersten 8 Jahren 19,4 Cent pro Kilowattstunde erhalten“.

          Trotz der niedrigen Gebote dürfe man nicht den Blick auf die wachsenden indirekten Kosten des Ökostromausbaus verlieren, etwa beim Netzausbau oder der Versorgungssicherung, „wenn Sonne und Wind nicht verfügbar sind“.

          Deshalb müssten die Ausschreibungen verändert werden. Statt Jahresmengen für einzelne Technologien wie Wind oder Photovoltaik anzubieten, plädiert Fuchs für „technologieneutrale Ausschreibungen, bei denen unterschiedliche Erneuerbare-Technologien, möglicherweise in Kombination mit Speichertechnologien, in einen echten Wettbewerb um Netzverträglichkeit und bedarfsgerechte Stromerzeugung eintreten“. Ohne die Änderung „werden uns die Netzentgelte in den nächsten Jahren völlig aus dem Ruder laufen“.

          Stefan Kapferer, Chef des Branchenverbands BDEW, sagte der F.A.Z., die Erneuerbaren stellten ihre Wettbewerbsfähigkeit immer stärker unter Beweis. „Das bietet die Chance, mittelfristig wieder zu mehr Markt im Erzeugungsbereich zu kommen.“ Die Berater von Aurora Energy Research analysierten, Gebote von null Cent seien „sowohl eine Wette auf stark sinkende Investitionskosten als auch auf steigende Strompreise“. Matthias Zelinger vom Maschinenbauverband VDMA wies auf die hohe Konkurrenz unter den Bietern hin, die alle mit entwickelten Projekten angetreten seien. Er warnte vor voreiligen Schlüssen für die nächste Ausschreibung im kommenden Frühjahr.

          Die Offshore-Branche verlangte, angesichts der niedrigen Gebote „die Ausbauziele für die Windenergie auf See nach oben zu öffnen“. Offshore könne „der Kern einer preiswerten Energiewende werden“. Der Bundesverband Windenergie, der viele Betreiber von Windanlagen an Land vertritt, warf den Offshore-Bietern vor, sie gingen hohe Risiken ein. Mittelständische und kleine Anbieter könnten „nicht so spekulativ agieren“. Ausschreibungen brauchten „mehr Leitplanken“.

          Derzeit läuft die erste Ausschreibung für Windenergie an Land. Die offerierten 800 Megawatt wurden nur leicht überzeichnet. Das deutet, anders als auf See, nicht auf einen Bieterkampf um die geringste Förderung hin.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Wenn Gold krank macht Video-Seite öffnen

          Bergbau : Wenn Gold krank macht

          Rings um Johannesburg gibt es rund 200 Abraumhalden, eine Hinterlassenschaft aus der Zeit des Goldrausches im 19. Jahrhundert. Aus den Halden treten krankmachende Stoffe aus, doch weder Politik noch Wirtschaft fühlen sich zuständig.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Trump in Zahlen : 2600 Tweets und 86 Tage auf dem Golfplatz

          Über die ersten 365 Amtstage des amerikanischen Präsidenten werden ganze Bücher geschrieben. Manchmal aber sagen Zahlen mehr als tausend Worte – FAZ.NET präsentiert die spannendsten.
          Böser Blick: Im Sommer trafen sich Sigmar Gabriel und der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif in Berlin.

          Teheran gegen Berlin : Kabalen iranischer Art

          Iran stellt die deutsche Geduld immer mehr auf die Probe: Deutsche werden ausspioniert, ein Richter – der Tausende Todesurteile unterschrieb – ließ sich in Hannover behandeln. Doch jetzt könnte die Regierung in Berlin bald reagieren.

          SPD vor Groko-Abstimmung : Muss Schulz Opfer bringen?

          In Bonn entscheiden am Sonntag 600 Delegierte darüber, ob die Sozialdemokraten regierungsfähig bleiben. In vielen Landesverbänden wird ein Zeichen des Neuanfangs verlangt – dabei geht es auch um die Zukunft des Parteichefs.
          Ein Ersatz für Männer? Beruflich vielleicht schon.

          Ökonom warnt : Computer kosten vor allem Männer ihre Stellen

          Computer und Automatisierung bringen viele Verlierer, warnt der bekannte Ökonom Carl Benedikt Frey. Das treffe vor allem Männer. Dazu drohen ganzen Regionen zu verarmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.