http://www.faz.net/-gqe-8ymkt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 08.06.2017, 17:20 Uhr

Stromspeicher Ein Zweitleben für alte Akkus aus Elektroautos

Renault arbeitet am Bau einer Megabatterie, die angeblich den Spitzenbedarf von rund 120.000 Haushalten decken könnte. Die Idee ist nicht neu, hat im Moment aber noch einen großen Haken.

von
© dpa Ein Elektroauto vom Typ Renault Zoe wird an einer Ladesäule in Cottbus (Brandenburg) aufgeladen.

Für die ausgedienten Lithium-Akkus aus Elektroautos entwickelt sich gerade eine wirtschaftlich interessante Zweitverwertung. Denn sie können als stationäre Stromspeicher eingesetzt werden, die überschüssige Energie aus Wind und Sonne aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. So plant der französische Autohersteller Renault-Nissan offenbar den Bau einer Megabatterie, die mit einer Leistung von angeblich 100 Megawatt den Spitzenbedarf von rund 120.000 Haushalten decken könnte.

Lukas Weber Folgen:

Renault arbeitet dazu mit dem Münchner Unternehmen The Mobility House zusammen, das Projekt befindet sich nach Angaben einer Sprecherin noch in der Studienphase.

Die Idee ist nicht neu, ähnliche Unternehmungen gibt es auch von anderen Autoherstellern. Unter anderem hat BMW zusammen mit Bosch und dem Energieversorger Vattenfall das Projekt „Second Life Batteries“ ins Leben gerufen. Es hat schon mehrere Speicher installiert, die zum Teil Bestandteile eines virtuellen Kraftwerks sind, das aus vernetzten kleinen dezentralen Erzeugern besteht. Nissan hat einen Stromspeicher für die Amsterdam-Arena gebaut.

Im stationären Gebrauch kommt es nicht auf das Gewicht der Batterien an

Das Vorhaben von Renault unterscheidet sich von diesen allerdings durch die Größe. Die Gesamtkapazität solcher Stromspeicher ist letztlich nicht begrenzt, da sie aus einzelnen Zellen modular aufgebaut sind. Ob sie an einem Standort stehen oder dezentral zusammengeschaltet werden, hängt vom Ort der Stromerzeugung ab. Lithium-Akkus aus Elektrofahrzeugen bieten sich für diesen Zweck an, sie überstehen im Gegensatz zu älteren Akku-Systemen mehrere tausend Ladezyklen. Die Kapazität nimmt allmählich ab; wenn nach mehreren Betriebsjahren nur noch rund 70 bis 80 Prozent der ursprünglichen Aufnahmefähigkeit vorhanden sind, haben die Akkus im Auto ausgedient, weil dessen Reichweite gesunken ist. Im stationären Gebrauch kommt es nicht auf das Gewicht und wenig auf den Platzbedarf an, deshalb können sie dort noch lange als Puffer für das Stromnetz dienen, bis sie endgültig recycelt werden. Das kann sich auch wirtschaftlich lohnen, denn für diese Regelenergie zum Ausgleich von Belastungsspitzen gibt es einen eigenen Markt.

Mehr zum Thema

Lithium-Akkus sind nur eine von vielen Möglichkeiten, Strom kurzfristig zu speichern. Neben den bekannten Pumpspeicherkraftwerken gibt es unter anderem Batterien mit austauschbarem Elektrolyt (Redox Flow), Schwungmassen, Kondensatoren und Druckluftspeicher. Alle werden beständig weiterentwickelt, solange es kostengünstiger ist, die Kraftwerksleistung je nach Bedarf zu regeln, werden sie allerdings noch nicht gebraucht. Dies könnte sich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien ändern. Ob bis dahin ausreichend ausrangierte Akkus aus Elektroautos verfügbar sind, ist freilich ungewiss.

Ein Digitalminister wäre mehr als ein Signal

Von Carsten Knop

Alles verändert sich: die Kommunikation, die Energienetze, der Verkehr, die Produktion. Deshalb braucht Deutschland einen Digitalminister. Einen mit politischem Gewicht. Pläne und Phrasen gibt es schon genug. Mehr 17 14

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage