http://www.faz.net/-gqe-8mtv6

Energiepolitik : Stromstreit an der deutsch-österreichischen Grenze

Zwischen Deutschland und Österreich gibt es Spannungen im Stromhandel. Bild: dpa

Die Energiewende führt zu unerwarteten Konflikten: Deutschland will den Handel mit Strom nach Österreich begrenzen. Die Preise steigen.

          Deutschland droht Österreich mit Einschränkungen im Stromhandel. Die Bundesnetzagentur wies die vier Übertragungsnetzbetreiber am Freitag an, ein Engpass-Management vorzubereiten. Von Mitte 2018 an soll dies dann greifen können. Doch werde nur ein geringer Teil des Handels davon betroffen sein. Es gehe um 10 Prozent des Handelsvolumens, das wegen fehlender Netze nicht abgewickelt werden könnte.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Hintergrund ist ein jahrelanger Streit mit Österreich um den Stromhandel, in dem auch die Europäische Union vermittelt hatte, aber erfolglos. Nachdem Österreich die Vereinbarung zur Verbesserung der Lage nicht unterzeichnet habe, sehe man sich nun gezwungen, weitere Schritte vorzubereiten, hieß es von deutscher Seite. Wirtschaftsstaatssekretär Rainer Baake bekräftigte allerdings das Interesse Berlins an einer gütlichen Einigung.

          Grund für den Streit ist die deutsche Energiewende. Sie führt zu einer zeitweiligen Überproduktion von Strom, der dann günstig über die Börse verkauft wird. Allerdings sind die Netzbetreiber dann oft nicht in der Lage, den billig verkauften Strom auch tatsächlich zu liefern, weil Netzengpässe wie an der deutsch-österreichischen Grenze das unmöglich machen. Weil sie aber liefern müssen, werden dann teure Kraftwerke angeworfen, um den schon verkauften Strom zu erzeugen. Diese zusätzlichen Kosten - das „Redispatch“ - zahlen die deutschen Stromkunden.

          Kritik aus Wien

          Österreich konnte zuweilen zweifach profitieren: Von billigen Stromimporten und von den Erlösen jener Kraftwerke, die zum Ersatz der ausgefallenen Lieferungen angefahren werden. Das neue Netzmanagement soll solche Zusatzkosten unnötig und die Rechnung für die deutschen Kunden erträglicher machen. In Berlin wird überdies darauf hingewiesen, dass die Neuerung, so sie in Kraft treten würde, nur den „Normalzustand“ herstellen würde, wie er an anderen Landesgrenzen herrsche. Dort werde nur so viel Strom gehandelt, wie es die Transportkapazitäten zuließen.

          Die österreichische Seite kritisierte die Bundesnetzagentur. Dabei handele es sich um eine „einseitige Aufkündigung der Strompreiszone“, teilte die Energie-Regulierungsbehörde E-Control in Wien mit. Die Vorgehensweise sei „weder erforderlich noch gerechtfertigt“, sagte E-Control-Vorstand Andreas Eigenbauer. Die einzige Möglichkeit, um die Transportengpässe für Elektrizität zu beseitigen, sei der langfristige Netzausbau.

          Wird nun geklagt?

          Für die Schwierigkeiten sei nicht Österreich verantwortlich. Das tatsächliche Problem sei ein innerdeutscher Netzengpass, der sich durch eine künstliche Verschiebung an die deutsch-österreichische Grenze nicht lösen lasse. Zwar habe sich die europäische Regulierungsbehörde ACER für die Preistrennung ausgesprochen. Diese Empfehlung sei aber unverbindlich und ohne Rechtswirkung.

          Den gemeinsamen Strommarkt der beiden Länder bezeichnete Eigenbauer als Musterbeispiel für die Zusammenführung europäischer Energieabsatzgebiete. E-Control kündigte gegen die Entscheidung rechtliche Schritte an. Zu prüfen sei ein wettbewerbsrechtliches Vorgehen. Zugleich bleibe man gesprächsbereit und zuversichtlich, doch noch in Verhandlungen zu einer Lösung zu kommen. Nach Berechnungen des Branchenverbands Oesterreichs Energie würde das Aus der gemeinsamen Preiszone den Strom in Österreich um 15 bis 30 Prozent verteuern.

          Weitere Themen

          Auf Entdeckungstour durch Innsbruck Video-Seite öffnen

          Österreich : Auf Entdeckungstour durch Innsbruck

          Innsbruck in Österreich ist ein beliebtes Wintersportzentrum in den Alpen. Außerdem ist es für Bauwerke aus der Kaiserzeit und für seine moderne Architektur bekannt. Die mehr als achthundert Jahre alte Stadt ist eine Reise wert.

          Topmeldungen

          Entschärfte Bombe am Gallus

          Fliegerbombe entschärft : Kartoffelsuppe in der Geisterstadt

          Die Fliegerbombe am Gallus ist erfolgreich entschärft worden. Viele Bewohner werden die Nacht dennoch nicht so schnell vergessen. Streifzug durch ein Viertel im Ausnahmezustand

          Die Zukunft des Diesel : Zwingt das EU-Recht zu Fahrverboten?

          Wird der Streit um Fahrverbote für saubere Luft womöglich in Luxemburg entschieden? FAZ.NET hat die wichtigsten Punkte aus der Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht zusammengefasst.

          Neues Formel-1-Auto : Mercedes und ein „Kunstwerk“ auf vier Rädern

          Die Formel 1 präsentiert ihre Autos für 2018. Auch Weltmeister-Team Mercedes zeigt den neuen Silberpfeil. Einen Schönheitswettbewerb gewinnt der Bolide nicht. Aber der Blick bleibt an einem umstrittenen Titangestell hängen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.