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Veröffentlicht: 18.05.2015, 15:21 Uhr

Marokkos Energiewende Wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Sonne und Wind fast rund um die Uhr, der Netzausbau kommt voran und sogar der erzeugte Strom kann einfach gespeichert werden. So schön kann die Energiewende sein – in Marokko.

von , Ouarzazate
© Johannes Pennekamp Stromfabrik der Superlative am Wüstenrand: Das Kraftwerk in Ouarzazate soll 2100 Fußballplätze groß werden.

Die marokkanische Traumfabrik entsteht in einer schroffen, unwirtlichen Landschaft am Rande der Wüste. Der trockene Boden schimmert rötlich, das Licht flimmert über der kargen Ebene, die bis zum Atlasgebirge reicht. Hier, unweit der Stadt Ouarzazate, wurden einst Kinoklassiker wie „Lawrence von Arabien“ gedreht – doch mit Filmproduktionen hat die neue Traumfabrik nichts zu tun. In weniger als zwei Jahren soll eines der größten Solarkraftwerke der Welt von Ouarzazate aus mehr als eine Million Marokkaner mit Sonnenstrom versorgen.

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Und das ist erst der Anfang. Die Anlage mit 580 Megawatt Kapazität, die 1,8 Milliarden Euro kosten soll, ist nur ein Baustein der marokkanischen Energiewende, die dem nordafrikanischen Entwicklungsland ungeahnte Perspektiven eröffnen soll und sogar Europa mit Ökostrom aus der Wüste versorgen könnte. Das war ursprünglich die Idee der westlichen Initiative Desertec, an der zumindest die deutschen Unternehmen das Interesse verloren haben. Jetzt träumen die Marokkaner selbst vom Stromexport.

Solarkraftwerk mit Siemens-Turbine

Das ist die Vision – bevor sie Realität wird, hat Rachid Bayed noch viel zu tun. Mit weißem Schutzhelm und gelber Weste eilt er über die Baustelle, vorbei an endlosen Reihen gekrümmter Parabolspiegel, die das gleißende Sonnenlicht reflektieren. Bayed, 36 Jahre alt, ist Projektleiter auf der Großbaustelle. Der Ingenieur aus Casablanca, der an einer Pariser Elitehochschule studiert hat, sagt: „Es dauert nicht mehr lange, dann gehen wir ans Netz.“ Am 12. Oktober soll der erste von mehreren Teilen des Solarkraftwerks, das sie „Noor“ (Licht) getauft haben, den Betrieb aufnehmen.

Zur Einweihung wird König Mohammed VI. erwartet. Eine größere Ehre gibt es nicht in Marokko, aber auch keine größere Verpflichtung. Die Arbeiter müssen nun vor allem in den kommenden Wochen die Siemens-Turbine installieren, die aus Deutschland in die marokkanische Wüste verschifft wurde und nach wochenlanger Reise kürzlich angekommen ist.

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Die Funktionsweise des riesigen „Parabolrinnenkraftwerks“ ist mit den in Deutschland verbreiteten Photovoltaikanlagen nicht zu vergleichen. Die gebogenen Spiegel, die knapp neun Meter in die Höhe ragen, bündeln die Sonnenstrahlen und erhitzen so eine Flüssigkeit, die in einem Rohrsystem zirkuliert. Am Ende wird Wasserdampf erzeugt, der die Kraftwerksturbine antreibt.

Der Clou dieser Technik, die nur an Standorten mit besonders starker Sonneneinstrahlung funktioniert: Im Gegensatz zum Strom aus Photovoltaikanlagen kann die Wärmeenergie vergleichsweise einfach gespeichert werden. „Die Anlage wird auch Stunden nach Sonnenuntergang Strom einspeisen können“, erklärt Ingenieur Bayed. Die Schwankungen im Stromangebot, die die Energiewende in Deutschland so kompliziert machen, werden damit in Marokko kleiner ausfallen.

Windräder, die so gut wie immer rotieren

Das Solarkraftwerk in Ouarzazate, das sich bald über eine Fläche so groß wie 2100 Fußballplätze erstrecken soll, ist längst nicht der einzige Schauplatz der marokkanischen Energiewende. Wer vom Rand der Wüste 550 Kilometer in Richtung Norden fährt, der kann Teil zwei der Energiewende erleben. Nicht weit von der Küstenstadt Tanger entfernt schlängeln sich Dutzende Windräder über den Kamm einer Hügelkette. So hartnäckig die Sonne am Rande der Sahara brennt, so beständig bläst hier der Wind.

„Hier ist es eigentlich immer windig, die Räder laufen zu 98 Prozent des Jahres“, sagt Tarik Hamane, ein junger Manager des staatlichen Energieversorgers ONEE. 800 Megawatt Leistung könne Marokko schon heute mit seinen Windrädern erzeugen, in fünf Jahren sollen es 2000 Megawatt sein. Der Plan sieht vor, dass die Wind-, Solar- und die schon größtenteils vorhandenen Wasserkraftwerke im Jahr 2020 42 Prozent der Stromkapazität im Land ausmachen. Das ist enorm, hält man sich vor Augen, dass 95 Prozent der verbrauchten Primärenergie derzeit importiert wird. Vor allem Kohle muss aus dem Ausland eingekauft werden.

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