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Öl- und Gasreserven : Shell darf vor Alaska nach Öl bohren

Bohrplattform in Port Angeles im amerikanischen Bundesstaat Washington Bild: AP

Es geht um etwa 22 Prozent der weltweit noch unentdeckten Öl- und Gasreserven. Seit Jahren will Shell an die kostbaren Bodenschätze vor der Küste Alaskas. Nun haben Amerikas Behörden den Weg für das Bohrprojekt freigemacht.

          Der niederländisch-britische Ölkonzern Royal Dutch Shell hat von den zuständigen Behörden die Genehmigung erhalten, vor der Arktik-Küste Alaskas nach Öl zu bohren. Die Firma muss erheblich Sicherheitsauflagen erfüllen, nach dem es vor drei Jahren zu Pannen gekommen war. Umweltschützer und Indianer haben vergeblich bis zuletzt gegen die Genehmigung gekämpft. Zu den Auflagen gehört, dass die Schiffe Walrossen nicht näher als vier Meilen kommen dürfen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Präsident Barack Obama hatte im Januar, um Umweltschützer zu beschwichtigen, knapp vier Millionen Hektar in den betreffenden Gewässern unter Naturschutz gestellt und damit dort Öl- und Gasexploration für die nächsten Jahre ausgeschlossen. Dazu kommen noch große Teile des Alaska Wildlife Refuge, die er ebenfalls unter Naturschutz stellen will.

          Viele Ölfirmen haben in den vergangenen Jahren Pläne und besondere Techniken präsentiert, mit denen sie in der Arktis das Öl fördern wollen. Im Meeresgrund unter dem Eis sind die Firmen schon vor langer Zeit auf riesige Vorkommen gestoßen. Nach Schätzungen der amerikanischen Energieagentur EIA könnten in der Arktis etwa 22 Prozent der weltweiten noch unentdeckten Öl- und Gasreserven liegen. Shell bemüht sich schon seit Jahren um die Erlaubnis, an die kostbaren Bodenschätze zu kommen. Der Konzern will in der Tschuktschensee, knapp 113 Kilometer entfernt von dem Dorf Wainwright an der Nordwestküste Alaskas, an bis zu sechs Stellen in relativ flachem Wasser bohren.

          Shell ist die erste große Ölfirma, die in die Region zurückkehrt nach knapp 30 Jahren. Auch Exxon hat Ambitionen in Alaska.

          Die Umwelt- und Klimaschützer schimpfen dagegen: Keine Firma dürfe eine Lizenz dafür bekommen, den letzten unberührten Ozean zu plündern und Unmengen an Treibhausgasen in die Atmosphäre zu blasen, wird Franz Matzner, Chef der Initiative Beyond Oil zitiert. Wenn nach einer Panne Öl frei werde, sei der Ozean nicht zu säubern.

          „Diese Entscheidung stellt das große Ölgeschäft über die Menschen und setzt die Tier- und Pflanzenwelt der Arktis - und die Gesundheit unseres Planeten - aufs Spiel“, kommentierte die Umweltschutzorganisation Earthjustice. sHellNO, eine lokale Kampagne aus Seattle, will ab Samstag unter dem Motto „You Shell not Pass!“ (Du wirst nicht durchkommen) Tausende Mitstreiter für einen dreitägigen Protest mobilisieren.

          Ein Eisbär in der Tschuktschensee vor der Küste Alaskas
          Ein Eisbär in der Tschuktschensee vor der Küste Alaskas : Bild: AP

          „Es gibt keine bewährte Methode, einer Ölpest im eisigen arktischen Wasser zu begegnen“, sagte Susan Murray von der Organisation Oceana. Das Vorhaben sei riskant und unausgereift. Im April 2010 hatte eine Explosion der von Shells Wettbewerber BP betriebenen Bohrinsel Deepwater Horizon die bislang schlimmste Ölkatastrophe verursacht. Elf Menschen kamen ums Leben; Hunderte Millionen Liter Öl flossen in den Golf von Mexiko und richteten massive Schäden an.

          Shell-Sprecher Curtis Smith teilte mit, dass die Zustimmung das „Vertrauen, das die Aufseher in unseren Plan haben“ zeige. Aber es sei zwingend, dass die ausstehenden Genehmigungen, an denen die endgültige Zulassung hänge, rechtzeitig geliefert würden. Shell will im Sommer mit dem Projekt beginnen. Die zuständige US-Behörde BOEM (Bureau of Ocean Energy Management) betonte, sich die Entscheidung nicht einfach gemacht und die Risiken gut abgewogen zu haben.

          Shell durfte nach fast zehnjähriger Vorbereitung zwei Testbohrungen vornehmen. Wenn die letzten Genehmigungen erteilt sind, können die Arbeiten im Sommer beginnen.

          Quelle: FAZ.NET

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