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Rekord-Kraftwerk : Ein neuer Kohlegigant im Windradbiotop

Der neue Block 9 des Kohlekraftwerks in Mannheim, vor weiteren Kraftwerksblöcken. Bild: dpa

In Mannheim ist am Nachmittag das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands in Betrieb genommen worden. Es ist auf mehrere Jahrzehnte angelegt - trotz Energiewende.

          Die Energiewende treibt eine weitere sonderbare Blüte. Während das modernste Gaskraftwerk Deutschlands im bayerischen Irsching vor dem Aus steht, geht heute 300 Kilometer westlich in Mannheim das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands offiziell in Betrieb. Seit der Planung vor zehn Jahren aber haben sich die Rahmenbedingungen radikal verändert. Heute muss sich das Kohlekraftwerk gegen die staatlich subventionierte Armada von Windrädern durchsetzen und als Reservekraftwerk gegen Gaskraftwerke behaupten – ein Kraftakt schon zur Geburt.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          1,3 Milliarden Euro hat sich das Betreiber-Trio RWE, ENBW und MVV Energie den neuen Block 9 der Großkraftwerk Mannheim AG (GKM) kosten lassen. Sechs Jahre wurde gebaut, beständig begleitet von Bürgerprotesten und Klagen. An diesem Dienstag musste ausgerechnet der grüne Umweltminister Franz Untersteller das Megaprojekt eröffnen. „Kohle ist nicht der Brennstoff der Zukunft. Aber noch brauchen wir sie für eine sichere Energieversorgung“, äußerte er sich diplomatisch. Das Kraftwerk leiste dazu einen effizienten Beitrag.

          Der Kraftwerkspark in der Kurpfalz ist mit dem Neubau zum größten Stromproduzenten Baden-Württembergs avanciert. 2,5 Millionen Menschen kann das GKM mit Strom versorgen, zudem ist es einer der größten Stromlieferanten der Deutschen Bahn. Mit neu installierten 911 Megawatt Leistung kommt das GKM auf 2.150 Megawatt, deutlich mehr, als ein durchschnittliches Atomkraftwerk leistet.

          Betreibertrio gibt sich optimistisch

          Doch obwohl der Kraftwerkskomplex über Strom-Wärme-Kopplung zugleich Strom und Fernwärme produziert und mit 70 Prozent Wirkungsgrad zu den effizientesten Anlagen seiner Art zählt, verdient er wie die meisten anderen konventionellen Kraftwerke vermutlich kein Geld. Zwar erwirtschaftet das GKM nach Aussagen des kaufmännischen Vorstandes Markus Binder seine Kosten „und einen zusätzlichen Deckungsbeitrag“, wie er dem „Mannheimer Morgen“ sagte. Für eine Milliardeninvestition ist das aber zu wenig. Anders als Eon-Chef Johannes Teyssen, der mit den Schließungsplänen für das Gaskraftwerk Irsching die Politik unter Druck gesetzt hat, demonstriert das Betreibertrio in Mannheim trotzig Optimismus. Man gehe davon aus, dass auch in der konventionellen Stromerzeugung wieder bessere Zeiten kämen, sagte Binder. Das Kraftwerk sei schließlich für mehr als 40 Jahre angelegt.

          Die Energiewende hat den Preis für konventionellen Strom an den Börsen einbrechen lassen. Zur gleichen Zeit, in der in Mannheim die Öfen hochgefahren werden, versuchen immer mehr Kraftwerksbetreiber unrentable Kraftwerke abzuschalten – mehr als 50 Kraftwerksblöcke hat die Industrie bereits stillgelegt oder zur Stilllegung bei der Bundesnetzagentur angemeldet. Wenn die Agentur nicht zustimmt, müssen die Meiler als Reservekraftwerke am Netz bleiben. Dank effizienter Produktion von Strom und Wärme zugleich hat das GKM nach Betreiberangaben den Kohleeinsatz deutlich reduziert. Weil mit dem Neubau zwei alte Kraftwerksblöcke ersetzt worden seien, sei der Kohlendioxidausstoß erheblich zurückgegangen. Zudem gilt das Kraftwerk für eine Steinkohleanlage als vergleichsweise flexibel und kann nach Einschätzung der Betreiber mit den eigentlich als Reservekraftwerke bevorzugten Gaskraftwerken mithalten. Der neue Block kann nach Angaben eines Sprechers bei Bedarf jede Minute 40 Megawatt Strom in das öffentliche Netz zuschalten. Das sei in zehn Minuten aus dem Stand so viel Energie, um ganz Mannheim zu versorgen.

          Damit komme das GKM als eines der ersten Kraftwerke ans Netz, wenn Strom aus Wind und Sonne fehlt – ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Die verfeuerte Kohle stammt nicht mehr aus Deutschland. Heute wird Kohle aus aller Herren Ländern nach Mannheim transportiert. Neben dem Block 9 ist Platz für 300.000 Tonnen. Wenn das Kraftwerk brummt, werden 10.000 Tonnen am Tag verbrannt.

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          Quelle: F.A.Z./hade.

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