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F.A.Z. exklusiv : Streit um Urananreicherung in Deutschland

Hochrisikobetrieb: Urananreicherung bei Urenco Bild: paul tolenaar

Die Drei-Länder-Firma Urenco reichert Uran für Kraftwerke an. Eon und RWE wollen aussteigen. Wird die Urananreicherungsanlage in Gronau geschlossen?

          Im westfälischen Gronau ist vom Atomausstieg noch nicht viel zu spüren. Uta eins und zwei tun hier weiter ihr Werk: zwei Anlagen der Betreiberfirma Urenco, die Natururan anreichert für Brennstoff in Kernkraftwerken. Die Technik kann prinzipiell aber auch dazu verwendet werden, Atomwaffen herzustellen. So verdankt Pakistan seine Atombombe – über einen Spion – diesem Konzern. Urenco gehört zu je einem Drittel den Niederlanden und Großbritannien, zu je einem Sechstel den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE. Die wollten ihre Anteile verkaufen – möglicherweise über die Börse. Doch das stößt auf Widerstand: unter anderem in der Bundesregierung, die ein Mitspracherecht hat. Was den Standort Gronau angeht, lässt das Bundesumweltministerium in Kürze sogar rechtlich prüfen, ob er geschlossen werden könne – das teilte es der F.A.Z. mit.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Lage zwischen den Eignern ist verfahren, das zeigen nicht zuletzt Protokolle des niederländischen Parlaments, die eine Kommissionssitzung mit Finanzminister Jeroen Dijsselbloem wiedergeben. Sie sind seit kurzem über die Zweite Kammer in Den Haag einsehbar. „Die deutschen Energieunternehmen wollen einfach in der Lage sein, ihre Anteile an der Börse zu verkaufen. Das sehen wir anders“, sagte Dijsselbloem. Und die anderen Gesellschafter? Die Briten wollen seit Längerem raus. Die Niederlande wollten erst nicht, dann doch. „Auch für alle Beteiligte zeichnet sich ein völlig konfuses Bild“, sagt ein in der Branche gut verdrahteter Kenner.

          „Vater der islamischen Bombe“

          Urenco mit Sitz in Großbritannien reichert Uran außer in Gronau in Capenhurst (England), Almelo (Niederlande) und nahe Eunice (Vereinigte Staaten) an. Es entstand aus dem Vertrag von Almelo, den 1970 die Bundesrepublik, Großbritannien und die Niederlande schlossen. Sie vereinbarten Regeln zu Sicherheit und Geheimnisschutz, denn schon der damalige Außenminister Walter Scheel mahnte: Die Technik dürfe nicht dazu missbraucht werden, Kernwaffen zu verbreiten.

          Genau das aber passierte. Der Atomwissenschaftler Abdul Qadeer Khan stahl in den siebziger Jahren in Almelo Informationen über Entwürfe der Zentrifugen, die Produktion und das Netz an Zulieferern. Mit seiner Hilfe schwang sich Pakistan zur Nuklearmacht auf; das Land soll etwa 30 Atombomben besitzen. Khan wird in seiner Heimat als Volksheld verehrt. Und damit nicht genug: Später zeigte sich, dass der „Vater der islamischen Bombe“ Informationen auch an Iran, Libyen und Nordkorea verkaufte.

          2005 schockierte der frühere niederländische Ministerpräsident Ruud Lubbers die Öffentlichkeit: Der amerikanische Nachrichtendienst CIA habe die Niederlande in den siebziger und achtziger Jahren mehrmals aufgefordert, den Pakistaner trotz der vielen Hinweise und des Diebstahls bei Urenco nicht festzunehmen. Der CIA habe nach eigenem Bekunden mehr darüber erfahren wollen, was der Atomspion noch vorhabe.

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