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Wegen der Hitze : Polen geht der Strom aus

  • Aktualisiert am

Die Weichsel führt zu wenig Wasser, um die Kraftwerke zu kühlen. Bild: AP

In Polen ist es so heiß, dass die Stromversorgung in Gefahr gerät. Hunderte Unternehmen müssen die Produktion drosseln. Und Ikea kocht keine Köttbullar mehr.

          Die Hitzewelle dieses Sommers führt in Polen zu enormen Engpässen in der Stromversorgung. Stahlwerke stellen die Produktion ein, Dünger-Fabriken drosseln die Arbeit – und selbst Ikea musste zeitweise eine Filiale schließen und darauf verzichten, Köttbullar zu kochen.

          Der Strommangel kommt vor allem daher, dass die Kraftwerke nicht mehr mit Wasser gekühlt werden können. Nachdem die Temperaturen in einigen Städten am Wochenende bis auf 38 Grad gestiegen sind, führen manche Flüsse nur noch wenig Wasser – und der Rest heizt sich auf. Vor allem im Südosten ist die Lage kritisch. In der Weichsel sei die Temperatur so gestiegen, dass Kraftwerke viel weniger erhitztes Wasser in die Flüsse zurückleiten können, sagt Polens Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski schon Anfang der Woche. „Wir können den Fluss nicht zum Kochen bringen, das schadet der Umwelt.“

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          Auch Wasserkraftwerke liefern in dieser Situation wenig Strom. Gleichzeitig weht so wenig Wind, dass die Windkraft-Anlagen kaum Energie liefern. Nicht einmal auf Importe aus der Slowakei kann sich Polen verlassen, denn auch die leidet unter der Hitze. Wenn Unternehmen sich ihre Stromversorgung für die nächste Woche sichern wollen, müssen sie an der Energiebörse so viel bezahlen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

          Stromnetze brechen leicht zusammen, wenn nicht zu jeder Zeit genau so viel Energie eingespeist wird, wie die Stromverbraucher nutzen. Angesichts der Engpässe hat Polens Stromnetz-Betreiber deshalb seit Montag die Versorgung von rund 8000 Unternehmen im Land gedrosselt. Es sind die heftigsten Einschränkungen seit 1980. Wenn ein Unternehmen jetzt mehr verbraucht als erlaubt, kann der Chef persönlich bestraft werden.

          Köttbullar kann nicht mehr gekocht werden

          Privathaushalte bekommen weiterhin so viel Strom, wie sie wollen. Unternehmen allerdings müssen sich kräftig einschränken. Ikea schloss am Montag und Dienstagvormittag seine Filiale in Kattowitz. In anderen Filialen drehte das Management die Klimaanlage herunter, schaltete Lampen aus und nahm heiße Gerichte wie die Köttbullar-Fleischbällchen von der Speisekarte.

          Der Stahlproduzent Arcelor Mittal teilte der „Financial Times“ mit, er habe mehrere Stahlwerke im Land geschlossen, um Strom für die wichtigsten Anlagen zu sparen. Auch der Dünger-Hersteller Grupa Aztoy hat in einer Fabrik die Produktion gedrosselt.

          Am Mittwoch hat Polens Stromnetzbetreiber die Versorgung abermals eingeschränkt. Die Hoffnungen richten sich jetzt auf den Donnerstag. Dann könnte in Europas größtem Braunkohle-Kraftwerk bei Bełchatów der größte Block wieder ans Netz gehen. Das würde reichen, um die normale Stromversorgung wieder zu erreichen. Dann wäre nur noch Mehrverbrauch verboten.

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