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Olympia in Tokio : 1964 der Shinkansen, 2020 der Wasserstoff

Brennstoffzellen-Auto Toyota Mirai Bild: AFP

Für die Olympischen Spiele in Tokio in vier Jahren achtet Japan sehr auf die Kosten. Für die Entwicklung des Brennstoffautos werden aber keine Mühen gescheut. Wie passt das zusammen?

          Die olympische Flagge ist in Tokio. Die frisch gewählte Gouverneurin, Yuriko Koike, brachte sie als eine ihrer ersten Amtshandlungen aus Rio de Janeiro mit. Vier Jahre vor den Olympischen Spielen 2020 in Tokio hat Koike angekündigt, noch einmal intensiv über die Pläne und Kostenkalkulationen zu gehen. Ob und welche Änderungen sich daraus ergeben werden ist offen. „Ich werde dem Steuerzahler keine weißen Elefanten hinterlassen“, verspricht Koike: Fehlinvestitionen soll es nicht geben. Die Stadt Tokio, das Land und das Nationale Organisationskomitee teilen sich die Kosten der Spiele.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Schon bisher waren Japan und Tokio nicht zimperlich, wenn es darum ging, Kosten zu senken. Das ursprüngliche Versprechen, im Zentrum Tokios kompakte Spiele im Umkreis von 8 Kilometern um das Olympische Dorf zu veranstalten, wurde aufgeweicht. Mehr Sportstätten als geplant sind nun weiter weg. Das spart Geld, weil weniger neu gebaut werden muss. Auch die Entscheidung von Ministerpräsident Shinzo Abe, im vergangenen Sommer den Neubau des nationalen Stadions neu auszuschreiben und anzugehen, war mutig. Doch nachdem die Stadionkosten sich auf rund 250 Milliarden Yen (2 Milliarden Euro) nahezu verdoppelt hatten, war der Bürgerunmut zu groß geworden. Der nun ausgewählte Neubau soll im bescheideneren Rahmen nur noch 145 Milliarden Yen kosten. Doch trotz der Einsparungen werden die Spiele insgesamt weit teurer als geplant. Ursprünglich sollten die Spiele rund 700 Milliarden Yen kosten, jetzt wird von 2 bis 3 Billionen Yen (18 Milliarden bis 27 Milliarden Euro) gesprochen. Ein Grund dafür sind steigende Baupreise.

          Ein Plan steht nach Angaben der Stadtverwaltung bislang unverändert. Tokio will die Olympischen Spiele nutzen, um einen großen Schritt in Richtung Wasserstoff als Energieträger zu machen. Brennstoffzellen sollen umweltfreundlich Autos antreiben und Häusern Strom und Wärme liefern. So wie die Olympischen Spiele 1964 Japan den Schnellzug Shinkansen brachte, sollen die Spiele 2020 Tokio zur Wasserstoff-Gesellschaft führen, formulierte es der frühere Gouverneur Yoichi Masuzoe. Das ist das Schlagwort, das auch Abe dem von Energieeinfuhr abhängigen Land gesetzt hat. Fragen nach den Kosten der Wasserstoff-Initiative wischte Masuzoe gerne mit dem Hinweis vom Tisch, dass Japan ein reiches Land sei. Im Juni, kurz vor den Olympischen Spielen in Rio, trat der Gouverneur wegen des zu großzügigen privaten Umgangs mit Steuerzahlergeld zurück.

          Brennstoffzellen sollen Häuser und Wohnungen mit Energie versorgen

          Die Stadt Tokio will von 2016 bis 2020 aus einem Sonderfonds 40 Milliarden Yen (350 Millionen Euro) ausgeben, um die Wasserstoff-Energie zu fördern. Bis 2020 sollen mehr als l,1 Millionen stationäre Brennstoffzellen in Tokio Häuser und Wohnungen mit Energie versorgen. Als Schaustück dazu soll das Olympische Dorf dienen. Zugleich will die Stadtregierung im Olympiajahr rund 6000 brennstoffbetriebene Fahrzeuge und 100 brennstoffbetriebene Busse auf den Straßen haben.

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