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CO2-Emissionen : Ökonomen sehen Klimagipfel in Paris zum Scheitern verurteilt

Eine illuminierte Weltkugel beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009. Bild: Daniel Pilar

Das Verfahren für den Gipfel in Paris sieht vor, dass jedes Land eigenständig seinen geplanten Beitrag zum Klimaschutz unterbreitet. Vielversprechender Lösungsansatz oder eine Einladung zum Trittbrettfahren?

          Die mit Spannung erwartete Klimakonferenz der Vereinten Nationen im Dezember in Paris wird scheitern, weil sie auf eine falsche Verhandlungsführung setzt. Das sagen Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und den Vereinigten Staaten in einem brisanten Beitrag für die renommierte Fachzeitschrift „Nature“ voraus. Es sei „Wunschdenken“, dass die Politik darauf setze, mit individuellen Klimazielen einzelner Länder die Aufheizung der Erdatmosphäre ausreichend begrenzen zu können, warnt der Energieexperte David MacKay, Professor an der Universität im britischen Cambridge.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Stattdessen sei es unerlässlich, dass sich die Staats- und Regierungschefs auf eine für alle geltende kollektive Verpflichtung zum Klimaschutz einigten – so schwer dies auch sei. Idealerweise sollten sich die Politiker auf einen global geltenden einheitlichen Preis für Kohlendioxidemissionen verständigen, fasste der Forscher die Analyse am Freitag in London zusammen. MacKay hat den Beitrag für „Nature“ gemeinsam mit drei Ökonomen verfasst, darunter auch der Kölner Wirtschaftsprofessor Axel Ockenfels.

          Das Verfahren für den Gipfel in Paris sieht vor, dass jedes Land eigenständig seinen geplanten Beitrag zum Klimaschutz unterbreitet. Die Autoren argumentieren, dass dieses Verfahren geradezu eine Einladung zum Trittbrettfahren sei: Für die einzelnen Länder gebe es klare Anreize, selbst möglichst geringe Beiträge anzubieten. Weil dies jedoch für alle Verhandlungsteilnehmer gleichermaßen gelte, werde die Klimakonferenz zwangsläufig scheitern.

          Zugesagte Klimaschutzbeiträge reichen nicht

          „Vierzig Jahre empirischer und theoretischer Literatur über Formen der Kooperation bestätigen, dass individuelle Zusagen nicht zu einem wirkungsvollen gemeinsamen Handeln führen“, schreiben die Wissenschaftler. Die Politiker ignorierten mit dem Verhandlungsverfahren sowohl die Erkenntnisse der sogenannten Spieltheorie als auch die der experimentellen Ökonomie, bei der Versuchsteilnehmer im Labor mit Entscheidungssituationen konfrontiert werden.

          Tatsächlich gibt es kurz vor der Pariser Konferenz Zweifel, ob das Treffen nach jahrzehntelangen Bemühungen den erhofften Durchbruch in der Klimaschutzdiplomatie bringt: Zwar haben zahlreiche Staaten, wie von den Vereinten Nationen erbeten, vorab ihre jeweiligen Klimaschutzziele eingereicht. Doch damit ist noch nicht gesagt, dass diese ausreichen. Die unter anderem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung getragene Organsiation „Climate Action Tracker“ warnte in diesem Monat, dass die bislang bekannten Zusagen den durchschnittlichen Temperaturanstieg wohl bestenfalls auf 2,7 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzen könnten. Die für notwendig erachtete Obergrenze von 2 Grad würde damit klar verfehlt. Die Vereinten Nationen setzen darauf, dass die Staaten ihre Klimaschutzbeiträge in den kommenden Jahren weiter aufstocken.

          Gegen einen globalen Emissionshandel

          Allerdings hat auch die von den Klimakonferenz-Kritikern in „Nature“ empfohlene Strategie, gemeinsame Klimaziele auszuhandeln, in der Vergangenheit nicht zum Ziel geführt: Bei der Klimakonferenz von Kyoto im Jahr 1997 versuchten die Politiker vergeblich, sich auf eine gemeinsame Formel für nationale Emissionsobergrenzen zu einigen. Doch deshalb dürfe dieses Verhandlungskonzept nicht verworfen werden, forderte der Kölner Ökonom Ockenfels: „Die Klimakonferenz in Paris gibt die Hoffnung auf, eine gemeinsame Verpflichtung erzielen zu können. Aber wir brauchen diese Hoffnung nicht aufzugeben“, sagte er.

          Amerika : Obama dringt auf Klimaschutzabkommen

          Die Autoren räumen ein, dass das Trittbrettfahrer-Problem auch bei der von ihnen favorisierten kollektiven Vereinbarung auftrete. Doch könne dies durch geeignete Anreize und Strafen beherrscht werden. So seien Transferzahlungen aus einem Klimafonds von den reichen an die armen Länder nötig. Staaten, die sich an das gemeinsam vereinbarte Klimaziel nicht hielten, könnten von der Welthandelsorganisation (WTO) mit Exportsanktionen belegt werden, schlägt der amerikanische Ökonom Steven Stoft vor. Der Wirtschaftsprofessor an der Universität Berkeley zählt ebenfalls zu den Autoren.

          Die kollektive Klimaschutzvereinbarung sollte sich auf einen global einheitlichen Preis für Kohlendioxidemissionen konzentrieren, raten die Wissenschaftler: Jede Regierung würde sich verpflichten, in ihrem Land dafür zu sorgen, dass dieser Preis erreicht werde. Doch könnte jedes Land für sich entscheiden, mit welchen Instrumenten sie diesen gewährleiste – etwa durch die Einführung einer Kohlendioxidsteuer oder durch den Handel von Emissionsrechten. Die Wissenschaftler plädieren also nicht für eine globale Klimasteuer oder einen weltumspannenden Emissionshandel.

          Quelle: F.A.Z.

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