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Netzbetreiber : „Dunkelflaute“ bedroht die Stromnetze

Die Netzbetreiber müssen in diesem Jahr öfter auf Reservekraftwerke zurückgreifen. Bild: dpa

Große Nachfrage, wenig Erzeugung: Das bringt die Netzbetreiber in Not. Eine Mitschuld tragen auch die Heizungen in einem Nachbarland.

          Die Betreiber des Stromnetzes beklagen deutlich gestiegene Risiken in der Stromversorgung. Beleg dafür sei, dass sie zunehmend oft auf Reservekraftwerke zugreifen müssten. Die kritische Lage im Nachbarland Frankreich erschwere die Netzsteuerung zudem. Seit dem 10. Oktober seien diese Notfall-Kraftwerke schon an 26 Tagen zugeschaltet worden, teilten die Netzbetreiber am Mittwoch mit – also fast an jedem zweiten Tag. Voriges Jahr waren es im Oktober und November nur 18 Tage gewesen. In der Spitze seien 2016 bisher 6000 Megawatt Strom von den im In- und Ausland in Reserve gehaltenen Kraftwerken abgerufen worden. Die Menge entspricht etwa der Erzeugungskapazität von sechs Kernkraftwerken.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Die Netzbetreiber haben auf Anweisung der Netzagentur als „Winterreserve“ Notfallkraftwerke mit einer Kapazität von 8300 Megawatt angemietet. Sie werden dann zugeschaltet, wenn die Stromnachfrage im Süden nicht gedeckt werden kann, weil dort zu geringe Kapazitäten stehen und mögliche Elektrizitätsüberschüsse aus dem Norden wegen fehlender Leitungen nicht abgeleitet werden können. Im Winter ist das Problem besonders groß, weil einerseits die Stromnachfrage am höchsten ist und anderseits die Erzeugung der Photovoltaikanlagen am geringsten ausfällt, zuweilen auch die Winderzeugung schwächelt, Fachleute nennen das „Dunkelflaute“.

          Französische Heizungen belasten die Netze

          Die Versorgungssicherheit sei „derzeit nicht akut gefährdet“, schreiben die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, Transnet-BW und 50-Hertz. Doch hätten sich die Belastung der Stromnetze und damit die Risiken für die Versorgung im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich erhöht: Es entstehe zunehmend ein Nord-Süd-Gefälle zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch in Deutschland. Dies führe zu extrem starken Belastungen des Höchstspannungsnetzes, die besonders in den Wintermonaten bei starker Windeinspeisung in Verbindung mit einer hohen Last kritisch werden können.

          In diesem Winter sähen sich die Übertragungsnetzbetreiber mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert. Denn in Frankreich stünden mehrere Kraftwerke nur stark eingeschränkt zur Verfügung. Wegen der dort weitverbreiteten elektrischen Heizungen könne es im Winter außerdem zu sehr hohen Spitzenlasten kommen. Die benachbarten deutschen Übertragungsnetzbetreiber stünden deshalb in einem ständigen Austausch mit dem französischen Übertragungsnetzbetreiber. Zusammen prüfe man die möglicherweise zu erwartenden Folgen für das Übertragungsnetz in Deutschland und bereite sich darauf vor, Frankreich gemeinsam mit den anderen europäischen Übertragungsnetzbetreibern im Bedarfsfall zu unterstützen. In Frankreich, das zu mehr als zwei Dritteln von der Kernkraft abhängig ist, stehen derzeit mehrere Kernreaktoren still.

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