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Aktualisiert: 02.06.2017, 15:58 Uhr

Nach Trumps Absage Fünf Gründe, warum China am Klimaabkommen festhält

Amerika will den Pariser Klimaschutzvertrag kündigen. Anders China: Das Land braucht für seinen Aufstieg günstige Energie, doch es bekennt sich geradezu offensiv zum Abkommen. Das hat ganz besondere Gründe.

von , Schanghai
© dpa Smog auf dem Tiananmen-Platz in Peking

Es war bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009, als Amerikas Präsident Barack Obama in ein Geheimtreffen zwischen den Regierungschefs von China, Indien, Brasilien und Südafrika platzte. China blockierte die Verhandlungen und wollte die anderen Entwicklungsländer auf seine Seite ziehen.

Hendrik Ankenbrand Folgen:

Obama sei in den Raum gerauscht, in dem Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao und die anderen Staatschefs ihre Defensivstrategie berieten, schreibt die damalige Außenministerin Hillary Clinton in ihren Memoiren. Obama habe Wen angeherrscht: „Herr Ministerpräsident!“ Das sei der Startschuss für ernsthafte Verhandlungen mit China gewesen. Viel heraus kam am Ende dann aber doch nicht.

Millionen leben unter der Armutsgrenze

Siebeneinhalb Jahre später sind die Rollen vertauscht. Die Entscheidung von Präsident Donald Trump, Amerika aus dem Klimaschutzabkommen von Paris zurückzuziehen, sei ein „globaler Rückschlag“, hieß es am Freitag in einem Kommentar von Chinas amtlicher Nachrichtenagentur. „Unerschütterlich“ werde China weiter am Kampf gegen die Erderwärmung festhalten, hat Chinas heutiger Ministerpräsident Li Keqiang verkündet.

Trump hat gesagt, das Abkommen benachteilige die amerikanische Industrie und koste Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Doch gilt das nicht auch für China? Noch immer gibt es geschätzt zwischen 60 und 80 Millionen Chinesen, die unter der Armutsgrenze leben.

In der Vergangenheit hat China stets auf seinen Status als Entwicklungsland verwiesen, wenn es sich verbindlichen Zielen zur Reduktion von Kohlendioxidausstoß verweigert hat. Warum also will Amerika aus dem Klimapakt aussteigen, China daran jedoch festhalten?

Hier kommen fünf Gründe:

1. Der Pariser Klimavertrag tut China nicht weh: Im Jahr 2004 hat China die Vereinigten Staaten beim Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) überholt. Heute liegt Chinas Ausstoß bei der doppelten Menge der Vereinigten Staaten. Und das könnte laut dem Pariser Klimaabkommen auch noch eine ganze Weile so weitergehen: Dort ist geregelt, dass Chinas Emissionsmenge erst im Jahr 2030 ihren Höhepunkt erreichen und der Ausstoß danach abnehmen muss. Der Grund, warum China im Pariser Klimaabkommen diesem verbindlichen Ziel zugestimmt hat, ist einfach: Es ist nicht wirklich hoch gesteckt. Es gibt wohl kaum einen Ökonomen, der die zweitgrößte Wirtschaft des Landes kennt und ernsthaft glaubt, dass Chinas Emissionen nach dem Jahr 2030 nicht abnehmen könnten. Im Gegenteil. Weil Chinas Wirtschaftsleistung mit derzeit 6,9 Prozent deutlich langsamer wächst als in den drei Jahrzehnten zuvor, in denen die Wachstumsraten im Durchschnitt zweistellig waren, ist es für Beobachter ausgemacht, dass Chinas produzierte Menge an Kohlendioxid automatisch abnehmen wird – und zwar sehr wahrscheinlich bereits zu einem früheren Zeitpunkt als dem im Klimaabkommen festgelegten Zieljahr 2030. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), das mächtige Wirtschaftsplanungsministerium in Peking, hat bereits sogar einen Hinweis darauf gegeben, dass der Höchststand möglicherweise bereits vor drei Jahren erreicht worden ist. Zudem wandelt sich Chinas Wirtschaft derzeit rapide. Vorbei sind die Zeiten, in denen in denen vor allem in den Fabriken mit den rauchenden Schornsteinen an der chinesischen Ostküste das Bruttoinlandsprodukt des Landes erwirtschaftet wurde. Heute stehen Dienstleistungen bereits für deutlich mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung. Dass dieser Anteil künftig nach dem Willen der Regierung steigen soll, hat erst in zweiter Linie mit dem Willen zum Klimaschutz zu tun. Vielmehr sind die Löhne in Chinas Exportfabriken so stark gestiegen, dass viele Hersteller von Kleidung und Elektronik ihre Produktion bereits in andere Länder in Südostasien verlegt haben. Soll Chinas Bevölkerung künftig in großen Teilen nicht ohne Arbeitsplatz dastehen, müssen neue Industrien her, in denen höhere Löhne gezahlt werden. Wie etwa die Internetindustrie, die dann auch weniger Energie verbraucht als die Exportwirtschaft. Die stinkende Fabrik der Welt will China künftig nicht mehr sein – und könnte sich dies auch gar nicht erlauben.

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