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Kommentar : Keine normale Branche

Urananreichung ist ein überaus sensibles Geschäft. Aus dem Weltmarktführer Urenco wollen jetzt alle Beteiligten aussteigen – das ist beunruhigend.

          Es ist keine Branche wie jede andere: die Industrie, die Uran zur Nutzung in Kernkraftwerken anreichert. In Gronau betreibt der niederländisch-britisch-deutsche Konzern Urenco eine Anlage. Er gehört nach eigenen Angaben zu den beiden Weltmarktführern neben einem russischen Konzern und zu einer Vierergruppe, die mehr als 90 Prozent des Markts beherrscht.

          Aufsichtsbehörden sollen zwar sicherstellen, dass ein Anbieter wie Urenco das Material nicht höher anreichert als für die friedliche Nutzung. Aber auf Basis der Technik lassen sich Atomwaffen herstellen. Das hat der traurige Fall des Spions bewiesen, der einst Urenco-Expertise stahl und so Pakistan die Atombombe brachte. An Urenco halten die Niederlande und Großbritannien je ein Drittel, der Rest liegt bei den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE - wobei der deutsche Staat mitbestimmt.

          Alle wollen jetzt aus dem Unternehmen aussteigen, werden sich aber nicht einig, wie. Die Konzerne pochten vergebens auf die Option, Urenco zu einem börsennotierten Unternehmen zu machen. Urenco ist ein staatlich-privates Mischkonstrukt in einem überaus sensiblen Bereich. Unsicherheit über die Eignerstruktur kann einen da schon nervös machen.

          Klaus Max  Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

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