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Klimaschutz : Bedroht der Klimawandel die Finanzmärkte?

Braunkohle-Abbau in Sachsen-Anhalt: Finanzrisiko angesichts immer schärferer Klimaregulierung Bild: dpa

Vorsicht bei Investments in Unternehmen, die unter der Klimapolitik leiden könnten: Die Bundesregierung mahnt Banken, sich mit den Folgen des Klimawandels auseinanderzusetzen. Andernfalls, so fürchten manche, droht eine Finanzkrise.

          Die Bundesregierung mahnt Banken zur Vorsicht bei Investments in Unternehmen, die unter den Folgen der Klimapolitik – etwa eines erzwungenen Verzichts auf Kohle und Erdöl – leiden könnten. Im Rahmen ihrer Risikostrategie sollten sich die Institute „auch mit sogenannten Megatrends wie zum Beispiel dem Klimawandel oder knapper werdenden Ressourcen auseinandersetzen“, schreibt die Regierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen. Ob eine plötzliche Börsenkorrektur von überbewerteten Öl- und Energiekonzernen die Finanzmärkte gefährde – wie die Vertreter der These von der „Carbon Bubble“ behaupten – sei allerdings unklar. Die Debatte darüber habe gerade erst begonnen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Doch nimmt die Regierung solche Sorgen offenbar ernst. In der Antwort heißt es weiter: „Die Bundesregierung unterstützt eine ergebnisoffene Prüfung, um festzustellen, inwieweit aus einer möglichen „Carbon Bubble“ tatsächliche Finanzstabilitätsrisiken resultieren können“. Man werde entsprechende Untersuchungen des Internationalen Finanzstabilitätsrates eng begleiten. Das Finanzministerium erwäge ferner, ein eigenes Gutachten dazu zu vergeben. Ende vergangenen Jahres hatte auch die Bank von England eine Untersuchung dazu initiiert. Ergebnisse lägen noch nicht vor.

          Klimaschutz wird Thema auf dem G-7-Gipfel

          Das Thema ist nicht nur von akademischem Interesse. Das zeigt zuletzt der Beschluss Norwegens, wonach sich dessen (aus Öl und Gas-Verkäufen finanzierter) Staatsfonds aus Kohle-Investments zurückziehen soll. Schwedens Regierung will aus klimapolitischen Gründen das ostdeutsche Braunkohlegeschäft des Staatskonzerns Vattenfall verkaufen. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erwägt, alte Braunkohlekraftwerke mit einer Extra-Abgabe zu belasten, was deren Wirtschaftlichkeit einschränkt oder gar, wie Betreiber und Gewerkschaften sagen, existenziell gefährden könnte.

          Veränderungsdruck kommt auch aus der Finanzwirtschaft. Vor dem G-7-Finanzministertreffen in der vergangenen Woche hatten 120 Manager großer Investmentfonds die Minister aufgerufen, Signale für Investitionen in eine Wirtschaft ohne CO2-Emissionen zu setzen. „Wir glauben, der Klimawandel ist das größte systemische Risiko, dem wir gegenüberstehen“, schrieben sie. Umweltpolitiker rufen nach einer „klimaneutralen Wirtschaft“. Der Klimaschutz wird auf dem G-7-Gipfel am Wochenende in Elmau eine große Rolle spielen.

          Kreditwirtschaft wird zu zentralem Akteur des Klimaschutzes

          Das alles beeinflusst Entscheidungen von Kapitalgebern und die Werthaltigkeit von Krediten und Investitionen. Deutsche Kreditinstitute und ihre ausländischen Tochtergesellschaften hatten laut Bankenaufsicht Ende 2014 Kredite im Umfang von 151 Milliarden Euro an Öl- und Gasproduzenten, Kokereien, Mineralölverarbeiter und Energieversorger ausgeliehen. Dies entspreche aber nur 2 Prozent der gesamten Kreditvergabe deutscher Kreditinstitute. „Vor diesem Hintergrund sieht die deutsche Bankenaufsicht bisher insgesamt kein erhöhtes Finanzstabilitätsrisiko infolge einer plötzlichen Abwertung von Vermögenwerten des fossilen Sektors“, schreibt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Michael Meister (CDU).

          Anders ist das im Finanzzentrum London. In Großbritannien sei die Notenbank „offensichtlich aktiv geworden, weil die britischen Finanzinstitute vergleichsweise stark in Unternehmen der fossilen Energiewirtschaft investiert sind“. Dennoch hat die Bundesregierung auch für die deutsche Kreditwirtschaft klimastrategische Empfehlungen parat. Finanzmarktakteure gehörten „zunehmend zu den Adressaten einer modernen Klimaschutzpolitik, weil deren Investitions- und Anlageentscheidungen ganz unmittelbar positive oder negative Klimaauswirkungen haben können“. Dazu passt, dass die bundeseigene KfW-Bank künftig vermehrt Green-Bonds ausgeben, aber auch selbst kaufen soll, um so einen internationalen Markt für Investments in Klimaschutzprojekte in schaffen. In den finanziellen Anlagerichtlinien der Bundesbank sei allerdings eine Klimastrategie „bisher nicht“ verankert.

          Quelle: F.A.Z.

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