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Veröffentlicht: 01.12.2015, 17:57 Uhr

Solarplantage Ein französischer Platz an der Sonne

In Frankreich ist Europas größter Solarpark eröffnet worden. Bei Bordeaux bietet eine riesige Anlage Strom - billiger als Atomenergie.

von , Paris
© Unternehmen Solarpark bei Bordeaux: Solarpanels so weit das Auge reicht.

Die Bilder aus dem Hubschrauber machen Eindruck: Solarpanels, so weit das Auge reicht. In der Nähe von Bordeaux ist am Dienstag der größte Solarpark Europas eingeweiht worden. Auf einer Fläche von 250 Hektar, die in etwa 350 Fußballfeldern Platz bieten könnten, produziert die Anlage 300 Megawatt Strom. Das entspricht etwa dem Drittel eines herkömmlichen Kernkraftwerkes und kann den Bedarf einer Stadt wie Bordeaux gut abdecken. Die Anlage läuft schon seit Oktober, doch die offizielle Einweihung haben die Betreiber bewusst auf Dienstag gelegt, denn die gleichzeitig tagende Klimakonferenz in Paris soll für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen. Das schmälert das Ereignis nicht.

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Frankreich spielt seine Vorteile bei den erneuerbaren Energien zunehmend aus: Bei der Solarenergie sind das vor allem die Sonne Südfrankreichs sowie viel verfügbares Land, das nicht zu teuer ist. Zusammen mit günstigen Solarpanels, die aus China eingeführt werden, kann so ein wettbewerbsfähiges Angebot entstehen.

Die Solaranlage bei Bordeaux verkauft ihren Strom kostendeckend für 105 Euro je Megawattstunde oder 10,5 Cent je Kilowattstunde, garantiert über 20 Jahre. „Die Solarenergie ist wettbewerbsfähig geworden. Unser Preis ist erheblich geringer als beim jüngsten Kernkraftwerk, das Frankreich im britischen Hinkley Point bauen will“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Betreiberunternehmens Neoen, Xavier Barbaro, gegenüber dieser Zeitung. Die Anlage bei Bordeaux werde auch günstiger produzieren als der neueste Nuklearreaktor EPR-3, der im französischen Flamanville geplant ist, sagte Sven Rösner, stellvertretender Geschäftsführer des Deutsch-französischen Büros für Erneuerbare Energien (DFBEE).

Anteil der Nuklearenergie soll sinken

Frankreich fördert seine erneuerbaren Energien in ähnlicher Form wie Deutschland - mit einer Energieumlage auf den Strompreis, doch lange nicht in gleicher Höhe. Die französische Energieumlage (CSPE) beläuft sich in diesem Jahr nach Angaben der französischen Regulierungsbehörde CRE auf insgesamt 9,2 Milliarden Euro. Allerdings ist ein Teil des Geldes für soziale Umverteilungszwecke bestimmt, die etwa einen gleich hohen Strompreis in ganz Frankreich garantieren. In die französische Solarenergie fließen aus der Energieabgabe nur rund 2,2 Milliarden Euro - gegenüber 10,4 Milliarden Euro in Deutschland. Das hat zur Folge, dass der französische Solarpark lange nicht so stark ausgebaut ist wie der deutsche. Die Kapazitäten für Solarenergie betragen nach Angaben des DFBEE in Deutschland fast 39 Gigawatt, während Frankreich auf 5,7 Gigawatt kommt.

Geringe Subventionen bedeuten auch geringere Strompreise, wobei der wichtigste Grund für den niedrigen Strompreis in Frankreich der große nukleare Kraftwerkspark ist, der nicht mehr abgeschrieben werden muss und daher billigen Atomstrom liefert. In Frankreich liegt der Strompreis für Privathaushalte in dem vom staatlichen Stromversorger EdF angebotenen Grundversorgungstarif derzeit bei 14,7 Cent je Kilowattstunde - etwa die Hälfte des deutschen Niveaus.

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Langfristig soll der Anteil der Nuklearenergie nach dem Willen der sozialistischen Regierung indes sinken, von derzeit 75 auf etwa 50 Prozent der Stromerzeugung. Die Solarenergie ist ein Element dieses Plans, und somit passt die Eröffnung des Solarparks von Bordeaux genau in das Konzept. Entworfen hat die Anlage das mittelständische Unternehmen Neoen, das sich als drittgrößter unabhängiger Anbieter alternativer Energien in Frankreich bezeichnet. 360 Millionen Euro hat es in das Projekt investiert. Neoen-Chef Barbaro betont, dass neueste Technologie eine hohe Energieeffizienz garantiere.

Australien als einer der wichtigsten Märkte

Neoen hat 100 Mitarbeiter und wird in diesem Jahr nach Angaben des Geschäftsführers Barbaro einen Umsatz von 50 Millionen Euro sowie einen Nachsteuergewinn von 1,1 Millionen Euro erwirtschaften. In sechs Ländern betreibt Neoen Anlagen für alternative Energien, darunter auch Windparks und Installationen für Biomasse. Neben Frankreich ist Australien der wichtigste Markt. Deutschland hat Neoen bisher gemieden. „Dort sind schon sehr viele Akteure unterwegs“, sagte Barbaro. Partnerunternehmen von Neoen sind die französischen Konzerne Eiffage und Schneider Electric. Eiffage hat die Anlage errichtet, Schneider Electric war Lieferant der Energietechnik und wird den Solarpark betreiben.

Neoen gehört mehrheitlich dem französischen Unternehmer Jacques Veyrat, der früher in der Telekombranche arbeitete und lange Zeit die Gruppe Louis Dreyfus mit ihrem Rohstoffhandelsgeschäft leitete. Er hält 59 Prozent an Neoen. Weitere wichtige Anteilseigner sind die Fondsgesellschaft Omnes mit 25 Prozent sowie die staatliche französische Investitionsbank BPI mit 15 Prozent.

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