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Hoher Heizbedarf : Die Gasspeicher sind so leer wie selten

Gasknappheit? Die Wirtschaft ist alarmiert über leere Speicher. Bild: dpa

Wegen des kalten Winters sind Deutschlands Gasspeicher auf einem bedrohlich niedrigen Stand. Ein Energieversorger warnt vor „einer kritischen Versorgungslage in Deutschland“.

          Der hohe Heizbedarf wegen des Winterwetters bereitet der Gaswirtschaft Kopfzerbrechen. Denn die Erdgasspeicher entleeren sich mit hoher Geschwindigkeit. Aktuell sind sie nach Angaben der europäischen Vereinigung der Speicherbetreiber nur noch zu gut einem Drittel gefüllt. In Deutschland hat sich diese Reserve demnach binnen acht Wochen auf 36 Prozent des Speichervolumens halbiert. Europaweit liegen die Füllstände leicht darüber. Doch manche Länder haben weniger Reserven: In Frankreich ist es noch ein Drittel der Speicherkapazität, in den Niederlanden nur noch ein Viertel. In Ungarn und Rumänien sind die Speicher nur noch etwa zu einem Fünftel gefüllt.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Bange Blicke richten sich auf das Thermometer: Die Lage erinnere an den Winter vor vier Jahren, der zu einer extrem angespannten Versorgungssituation geführt habe, heißt es beim Energieversorger Uniper, einer Abspaltung des Eon-Konzerns. „Ein besonders lang anhaltender Winter, wie zuletzt im Jahr 2013, kann wieder zu einer kritischen Versorgungslage in Deutschland führen.“

          „Historisch niedrig“ seien die Füllstände. Solche Niveaus erreiche man normalerweise zum Ende der Saison Ende März, aber nicht Anfang Februar. Dabei habe es „in Europa zu Beginn der Wintersaison Rekordfüllstände in den Gasspeichern“ gegeben. Grund für die Lage seien Gasverkäufe Richtung Italien, Großbritannien, die Niederlande und Osteuropa. Vor allem nach Großbritannien fließe viel Gas, hieß es im Handel. Auch in Deutschland sei die Nachfrage gestiegen. Der Einsatz von Gaskraftwerken zur Stromversorgung spiele eine Rolle. Russisches Gas fließe trotz des Konfliktes mit der Ukraine wie verabredet.

          „Wir müssen mehr Vorsorge treffen“

          Klassischerweise wurden im Sommer Speicher zu niedrigen Preisen gefüllt, um sie im Winter einzusetzen, wenn die Leitungen nicht ausreichen und die Preise hoch sind. Doch die Speicher hören im liberalisierten Energiemarkt kurzfristig auf Signale von Angebot und Nachfrage. Seit der europäische Markt große Mengen von verflüssigtem Erdgas bekommt, das dem Pipelinegas Konkurrenz macht, haben Sommer und Winter für die Speicher nicht mehr eine so große Bedeutung. An den physikalischen Bedingungen ändert das nichts. Je weniger Gas in einem Speicher ist, desto länger dauert es, weiteres Gas zu entnehmen – und die Versorgung der Kunden sicherzustellen.

          Regierung und Branche haben aus den Krisen gelernt. Mit großen Kunden werden nun unterbrechbare Verträge geschlossen. Sollte es zu Versorgungsengpässen kommen, werden diese als Erste abgeschaltet. Uniper-Chef Klaus Schäfer will mehr. „Wir müssen für derartige angespannte Situationen mehr Vorsorge treffen“, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Eine rein marktbasierte Vorsorge in dem Umfang, wie die Politik sie wolle, reiche nicht aus. Speicher spielten eine wichtige Rolle in der sicheren Versorgung mit Wärme und Strom. „Aber wirtschaftlich stehen die Betreiber solcher Speicher unter erheblichem Druck, weil die Gesetzgebung diese Rolle nicht ausreichend anerkennt.“

          Haushaltskunden sind abgesichert

          In den vergangenen Jahren hatte sich eine Debatte darum entsponnen, ob Deutschland wie beim Öl auch beim Gas auf nationale Bevorratung setzen solle. Damit könnte die Regierung Speicher anmieten. Das Wirtschaftsministerium hatte das aus ordnungspolitischen und Kostengründen abgelehnt sowie auf die funktionierenden Marktmechanismen verwiesen.

          Haushaltskunden müsse das alles nicht interessieren, beruhigt die Branche. „Auch in diesem Winter gilt: Wer mit Erdgas heizt, hat eine warme Wohnung“, erklärt der Branchenverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW. Auch das Wirtschaftsministerium lässt sich nicht von der Besorgnis der Gashändler anstecken. „Es gibt keinerlei Anzeichen für Versorgungsstörungen“, hieß es auf Anfrage. „Die Gasversorgungssicherheit in Deutschland ist sehr hoch, denn wir verfügen über die größten Gasspeicherkapazitäten in der EU und haben diese in den letzten Jahren sogar noch ausgebaut.“ Dass die Füllstände der Speicher variierten, sei vielmehr der Ausweis für einen funktionierenden, liquiden Gas-Markt.

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